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05.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Koronarsinus-Verengung

Hilfe bei therapierefraktärer Angina pectoris?

Autor:
Peter Overbeck

Eine neue katheterbasierte Methode zur Linderung von Angina pectoris trotz medikamentöser Standardtherapie hat in einer kleinen Studie Wirkung gezeigt. Schwer zu behandelnde KHK-Patienten, bei denen Stent oder Bypass-OP keine Optionen mehr sind, könnten davon künftig profitieren.

Viele Patienten mit schwerer und diffuser Koronarsklerose, die für eine Revaskularisation mittels Stent oder Bypass-OP nicht geeignet erscheinen, leiden häufig trotz ausgereizter medikamentöser Therapie unter belastenden pektanginösen Schmerzen.

Form einer Sanduhr

Speziell für diese Patienten hat das kanadische Unternehmen Neovasc ein „Reducer“ genanntes System zur Koronarsinus-Verengung entwickelt. Dabei handelt es sich um ein winziges Implantat, das mittels Gefäßkatheter im Koronarvenensinus platziert wird und nach seiner Aufdehnung einem Maschengeflecht aus Metallstreben in Form einer Sanduhr gleicht.

Es dient zur fokalen Verengung des Koronarsinus, wobei am Ende nur noch eine schmale zentrale Öffnung im Implantat als einziger Durchgang für das fließende Blut vorhanden ist. Diese Flussunterbrechung erhöht den Druck im Koronarsinus, was wiederum für eine verstärkte Umverteilung von Blut in Richtung ischämische Myokardareale sorgen soll.

Scheinintervention als Kontrolle

Eine internationale Forschergruppe um Dr. Shmuel Banai aus Tel Aviv hat die neue Methode in einer prospektiven randomisierten und doppelblinden Phase-II-Studie bei 104 KHK-Patienten untersucht. Gemessen an der Schweregrad-Einteilung der Angina pectoris durch die Canadian Cardiovascular Society (CCS) litten alle Teilnehmer unter sehr belastenden Symptomen (CCS-Klasse III/IV).

Ein Pluspunkt der Studie: Außer der Interventionsgruppe (n = 52), bei der das Reducer-System de facto implantiert wurde, gab es auch eine Kontrollgruppe (n = 52), bei der nur eine Scheinintervention (sham control) vorgenommen wurde.

Funktionelle Verbesserung nach sechs Monaten

Primärer Studienendpunkt war eine funktionelle Verbesserung des körperlichen Befindens um mindestens zwei CCS-Stadien nach sechs Monaten. Ein entsprechender Erfolg wurde in der Interventionsgruppe bei 35 Prozent und in der Kontrollgruppe bei 15 Prozent der Patienten erzielt – ein signifikanter Unterschied (p = 0 0,02).

Wurde der Erfolg der Behandlung weniger streng definiert (Verbesserung um eine CCS-Klasse), lag die Erfolgsquote bei 72 Prozent (Intervention) und 42 Prozent (Kontrolle). Auch dieser Unterschied war signifikant (p = 0,003).

Die Analyse der mittels standardisierter Befragung erhobenen Daten zur Lebensqualität ergab auch für diesen Endpunkt eine signifikante Verbesserung durch die Reducer-Therapie (p = 0,03).

Bei der Belastungsdauer oder bei objektiven Parametern wie der echokardiografisch untersuchten linksventrikulären Funktion gab es dagegen keine signifikanten Veränderungen. Allerdings war die Größe der Studie auch nicht auf diese beiden Endpunkte berechnet.

Weitere Studien erforderlich

Obwohl insgesamt positiv, reichen die Ergebnisse dieser kleinen Studie sicher noch nicht aus, um der neuen Methode bereits die Eingangstür zur klinischen Routinepraxis zu öffnen. Dazu ist zuvor eine Bestätigung der Ergebnisse in größeren Phase-III-Studien erforderlich. Das sehen auch die Autoren der aktuellen Studie so. In diesen Studien müsste unter anderem noch mit objektiven Methoden nachgewiesen werden, dass die Koronarsinus-Verengung Ischämien im Myokard tatsächlich günstig beeinflusst.

Literatur