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19.08.2015 | Nachrichten

Nicht nur Gicht

Hilft Colchicin beim akuten Myokardinfarkt?

Autor:
Philipp Grätzel

Mit dem Ziel der Hemmung von Entzündungsprozessen haben griechische Kardiologen das Gichtmittel Colchicin beim akuten Myokardinfarkt eingesetzt. Laborchemisch und im MRT fanden sie Hinweise auf einen Effekt.

An der randomisierten, doppelblinden Pilotstudie nahmen 151 Patienten mit akutem ST-Hebungsinfarkt teil, die allesamt eine leitliniengemäße Infarkttherapie mit Medikamenten und sofortiger Koronarangioplastie erhielten. Zusätzlich nahm die Hälfte der Patienten Colchicin in einer Dosis von 2 mg als Loading Dose ein, gefolgt von 0,5 mg zweimal täglich für 5 Tage. In der Kontrollgruppe wurde entsprechend mit Placebo behandelt.

Primärer Endpunkt in dieser Pilotstudie war die Veränderung der CK-MB-Konzentration, gemessen als Fläche unter der Konzentrationskurve (area under the curve, AUC). Bei 60 Patienten erfolgte 6 bis 9 Tage nach dem Indexereignis zusätzlich eine kardiale MRT mit Messung der späten Gadolinium-Anreicherung. Die der Studie zugrundeliegende These war, dass Entzündungsprozesse nach einem Infarktereignis das Ausmaß des Infarkts mitbestimmen. Colchicin wurde wegen seiner starken antiinflammatorischen Wirkung ausgewählt und weil es als kardiovaskulär sicher gilt.

Die Daten aus Labor und Bildgebung sprechen dafür, dass Colchicin beim akuten Myokardinfarkt einen Effekt haben könnte. Die AUC für die CK-MB-Konzentrationen im Zeitverlauf betrug in der Colchizin-Gruppe 3.144 ng×h/ml, nur etwas mehr als halb so viel wie in der Vergleichsgruppe (6.184 ng×h/ml; p<0,001).

Auch in der MRT-Substudie war die durch die späten Gadoliniumanreicherung definierte Infarktgröße mit 18,3 ml pro 1,73 m² Körperoberfläche in der Colchicin-Gruppe signifikant geringer als in der Kontrollgruppe (23,2 ml; p=0,019). Und wenn die Infarktgröße in Relation zum linksventrikulären Myokardvolumen ermittelt wurde, schnitten die Colchicin-Patienten ebenfalls signifikant günstiger ab.

Klinische Konsequenzen ergeben sich aus diesen Daten natürlich noch nicht. Die Wissenschaftler der Abteilung für Kardiologie der Universität Athen betonen, dass die Studie für Aussagen zu klinischen Endpunkten nicht groß genug war. Sie regen weitere, klinisch ausgerichtete Studien an.

Literatur

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