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28.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Vorhofflimmern

Home-Monitoring: Mehr wissen hilft nicht immer

Autor:
Philipp Grätzel

In der aufwändigen IMPACT-Studie wurde untersucht, ob ein auf Home-Monitoring-Daten basierendes Antikoagulations-Management das Outcome bei Vorhofflimmern verbessert. Das war nicht der Fall.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Antikoagulation bei Vorhofflimmern ist im klinischen Alltag das individuelle Risikoprofil entscheidend, nicht so sehr die Frage, wie oft Vorhofflimmerepisoden vorliegen.

Die von Biotronik unterstützte IMPACT-Studie hat sich an dieses Dogma vor einigen Jahren herangewagt. Bei ICD/CRT-Trägern mit Vorhofflimmern wurde untersucht, ob eine Antikoagulation, die ständig aktuelle EKG-Informationen einbezieht, das Patienten-Outcome verbessert.

Dies war nicht der Fall. Die Ergebnisse der im Juni 2013 nach Erreichen von 75% der primären Endpunktereignisse (Schlaganfall, systemische Embolie, schwere Blutung) vorzeitig abgebrochenen Studie wurden jetzt publiziert.

Kontinuierliches Monitoring mittels kardialer Implantate

Teilgenommen hatten 2.718 Patienten von 104 Studienzentren in Nordamerika, Europa und Australien, die alle Träger von kardialen Implantaten (ICD/CRT-D) waren und einem CHADS2-Risikoscore von mindestens 1 ohne Kontraindikation für eine orale Antikoagulation aufwiesen. Die für ein kontinuierliches Monitoring genutzten implantierten Device boten die Möglichkeit, auch asymptomatisches Vorhofflimmern zu erkennen.

In der Kontrollgruppe wurden die Patienten so behandelt wie immer: Die Entscheidung für oder gegen eine Antikoagulation wurde klinisch getroffen, und die Patienten stellten sich in den jeweils üblichen Abständen in der Sprechstunde vor.

Zusatzinformationen machten keinen Unterschied

In der Interventionsgruppe erhielten die Ärzte zusätzlich Informationen über aktuelle Episoden von Vorhofflimmern durch die Home-Monitoring-Funktion der Biotronik-Implantate. So konnte die Antikoagulation früher angesetzt werden, wenn Vorhofflimmern auftrat. Zudem gab es die Option, die Antikoagulation zu beenden, wenn die Patienten in einen Sinusrhythmus zurückgefunden hatten.

Klinisch machte das keinen Unterschied. Zwar dauerte es in der Interventionsgruppe im Mittel nur 3 Tage von dem Beginn des Vorhofflimmerns bis zur Antikoagulation. In der Kontrollgruppe waren es 54 Tage.

Das hatte aber keinen Einfluss auf den primären Endpunkt, der in der Interventionsgruppe mit einer Häufigkeit von 2,4 pro 100 Patientenjahre eintrat (Kontrollgruppe: 2,3; p=0,732). Auch bei den Einzelendpunkten gab es keine Signifikanz. Schlaganfälle und Embolien waren etwas seltener, schwere Blutungen dafür etwas häufiger. Die Gesamtsterblichkeit war identisch.

Von falschen Prämissen ausgegangen?

In der Diskussion ihrer Daten neigen die Autoren zu der Auffassung, dass sie beim Studiendesign von falschen Prämissen ausgegangen sein könnten. In den letzten Jahren hätten mehrere Studien gezeigt, dass es zwischen Häufigkeit und Länge der Vorhofflimmerepisoden einerseits und thromboembolischen Ereignissen andererseits keinen direkten Zusammenhang gibt. Das könnte erklären, warum ein zumindest teilweise auf akute Flimmerepisoden ausgerichtetes Antikoagulationsmanagement keinen Zusatznutzen brachte.

Die Autoren weisen auch darauf hin, dass in ihrer Studie drei embolische Ereignisse nach dem Absetzen der Antikoagulation bei Patienten auftraten, die vorher bereits Vorhofflimmerepisoden hatten. Auch diese Beobachtung spreche für die Langzeitantikoagulation und gegen ein „On-Off“-Modell des therapeutischen Managements.

Literatur