Nachrichten 14.05.2020

Vorhofflimmern: Ablation durch Elektroporation besteht ersten klinischen Test

Diverse innovative Methoden der Ablationstherapie bei Vorhofflimmern sind derzeit in der klinischen Entwicklung. Eine davon ist die sogenannte Elektroporation. Dazu sind jetzt erste ermutigende Studienergebnisse vorgestellt worden.

Als mögliche Alternative zu derzeit genutzten Ablationsmethoden (Kälte/Hitze) erlebt derzeit das schon länger bekannte Verfahren der Elektroporation eine Neuauflage. Anders als bei der Kryo- und Radiofrequenzstrom-Ablation handelt es sich dabei um eine nicht-thermische Verödungsmethode, bei der eine biolare, biphasische Energieform genutzt wird, um durch kurze Stromstöße Löcher in der Zellmembranen zu produzieren (Elektroporation). Das Verfahren wird auch als Pulsed Field Ablation (PFA) bezeichnet.

Mögliche Vermeidung von zellulären „Kollateralschäden“

Die Hoffnung ist, durch die Nutzung von nicht-thermischer Energie vor allem die Sicherheit der Ablationstherapie durch Vermeidung einer „Kollateralschädigung“ anderer Zellen weiter verbessern sowie die Prozedurdauer verkürzen zu können.

Über erste klinische Erfahrungen mit der neuen Methode wurde jetzt bei der rein digital präsentierten Jahrestagung 2020 der Heart Rhythm Society (HRS Scientific Sessions virtual) berichtet. Dr. Atul Verma vom Southlake Regional Health Centre in Toronto, Kanada, hat bei dieser Gelegenheit als „Late-breaking Clinical Trial” die nicht-randomisierte multizentrische PULSED-AF-Studie vorgestellt.

Von geplanten 20 Patienten mit paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern sind wegen Verzögerungen infolge der COVID-19-Pandemie bislang 14 (davon 93% mit paroxysmaler Arrhythmie) im Rahmen dieser Studie planmäßig behandelt worden. Ziel war jeweils eine alleinige Pulmonalvenenisolation (PVI).

Pulmonalvenenisolation zu 100% erfolgreich

Wie Verma berichtete, konnten durch das PSA-Verfahren 100% aller 56 behandelten Pulmonalvenen ohne zusätzliche Nutzung anderer Ablationsmethoden akut isoliert werden (dokumentiert durch „entrance block“). Innerhalb von 30 Tagen nach Ablation seien keine schwerwiegenden Device- oder Prozedur-bezogenen Komplikationen beobachtet worden.

Alle Studienteilnehmer sollen ein Jahr lang nachbeobachtet werden. Vermas Arbeitsgruppe hat bereits eine größere Studie (PULSED AF Pivotal Trial) in Planung, für deren Start die US-Zulassungsbehörde nur noch grünes Licht geben muss.

Literatur

Verma A.: PULSED AF: First Human Experience And Acute Procedural Outcomes Using A Novel Pulsed Field Ablation System. Late-Breaking Clinical Trials - Innovation Boulevard. Heart Rhythm Society Scientific Sessions 2020 (HRS 2020 Scientific Sessions virtual).

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