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11.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Blutdruck schlecht eingestellt

Hypertonie: Verzögerte Therapieanpassung birgt Risiken

Autor:
Beate Schumacher

Ab welchen Blutdruckwerten und wie schnell muss eine antihypertensive Therapie intensiviert werden, um Risiken für unzureichend eingestellte Patienten mit Bluthochdruck zu vermeiden? Langzeitdaten von fast 90.000 britischen Hausarztpatienten geben Aufschluss.

Bislang besteht keine Einigkeit über den systolischen Blutdruckwert, ab dem eine medikamentöse Hochdrucktherapie höher dosiert oder ergänzt werden muss. Klinische Studien, die den Nutzen einer blutdrucksenkenden Therapie bei systolischen Ausgangswerten unter 160 mmHg eindeutig beweisen, fehlen. Die europäischen Leitlinien empfehlen, jüngere Menschen ab Werten von 140, ältere ab 150 mmHg zu behandeln. Andere Leitlinien sehen die Behandlung einer Grad-1-Hypertonie (140–159 mmHg) nur bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko vor.

Therapieintensivierung: Wie lange darf man warten ?

US-Ärzte haben deswegen anhand eines großen britischen Patientenregisters untersucht, wie lange man bei Hochdruckpatienten mit der Intensivierung der Therapie warten darf. Ihre Botschaft: Es ist wichtig, die Behandlung frühzeitig anzupassen. Wenn erst bei Werten über 150 mmHg und/oder erst 1,4 Monate nach dem erstmaligen Messen höherer Werte reagiert wird, steigt das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen und Tod.

Die Ärzte um Wenxin Xu vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston haben die Daten von 88.756 Patienten gesichtet, die zwischen 1986 und 2010 in Großbritannien ambulant mit Antihypertensiva behandelt worden waren. Bei allen Patienten erfassten sie die Therapieveränderungen, die in einem Zeitraum von zehn Jahren stattgefunden hatten, sowie kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle, die nach diesem Intervall aufgetreten waren. Die Nachbeobachtungszeit lag im Mittel bei drei Jahren; 11,3 % der Patienten erlitten in dieser Zeit einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall, eine Herzinsuffizienz oder eine PAVK oder starben.

Ab 160 mmHg steigt das Risiko

Berücksichtigte man Unterschiede bei etablierten Risikofaktoren, etwa Alter, Geschlecht, Adipositas, Diabetes und Rauchen, dann erhöhte sich das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen oder Tod progressiv, wenn der Schwellenwert für eine Therapiesteigerung über einem systolischen Druck von 150 mmHg gelegen hatte. Bei einer Interventionsschwelle von 160 mmHg war die Ereignisrate um 21 %, bei einer Schwelle von 170 mmHg sogar um 42 % höher als bei einer Intensivierung ab einem Wert von 140 mmHg.

Ob aber ab 130, 140 oder 150 mmHg aggressiver behandelt worden war, schlug sich im Ergebnis nicht nieder. Den Studienautoren zufolge kann das allerdings damit zusammenhängen, dass Unterschiede aufgrund der Studienanlage nicht nachweisbar waren. Beschränkten sie ihre Auswertung auf eine Therapiephase von drei Jahren, dann war dagegen bereits ein Behandlungsgrenzwert von systolisch 130 mmHg mit einem klinischen Nutzen verbunden.

Auch die verstrichene Zeit zählt

Es zählte aber nicht nur, ab welchem Blutdruck die Therapie ausgeweitet wurde, sondern auch, wie viel Zeit nach der ersten Messung erhöhter Werte bis zu der Maßnahme verstrichen war. Am besten erging es denjenigen Patienten, bei denen das Intervall weniger als 1,4 Monate betragen hatte. Eine Verzögerung auf 1,4–4,7 Monate war mit einer um 12 % höheren Komplikationsrate assoziiert.

Wie zügig der Erfolg der aggressiveren Behandlung kontrolliert wurde, wirkte sich ebenfalls auf das klinische Ergebnis aus: Wurden die Patienten erst nach über 2,7 Monaten in der Praxis vorstellig, stieg das Komplikationsrisiko um 18 %. Übereinstimmende Resultate ergaben sich, wenn die Gesamtsterberate allein als Endpunkt gewählt wurde.

Die Folgen therapeutischer Trägheit

„Bei Hochdruckpatienten sind das frühzeitige Erreichen der Blutdruckziele und regelmäßige Kontrollen ein wichtiger Faktor, um das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen gering zu halten“, lautet daher das Fazit der Studienautoren. Diesen Aspekt betonen auch die Verfasser des begleitenden Editorials – Jonathan Mant (Oxford) und Richard J. McManus (Cambridge): „Die Folgen therapeutischer Trägheit werden durch die Studie krass veranschaulicht.“

Literatur

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