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16.11.2017 | Hypertonie | Nachrichten

Adipositas und Hypertonie

Magenbypass senkt auch den Blutdruck

Autor:
Dr. Norbert Smetak

Adipöse Menschen entwickeln häufig auch einen Bluthochdruck. Die bariatrische Chirurgie könnte die Lösung beider Probleme sein, wie sich in einer randomisierten Studie nun gezeigt hat.

Die bariatrische Chirurgie kann offensichtlich auch zur Behandlung des Bluthochdrucks eingesetzt werden. Erstmals ließen sich entsprechende Effekte in einer randomisierten Studie an 100 adipösen Hypertonikern belegen. Die als GATEWAY benannte Studie wurde auf dem Kongress der „American Heart Association“ vorgetragen.

 Adipositas und ihre Folgen sind mittlerweile nicht nur in den Industrieländern, sondern auch in Schwellenländern ein zunehmendes Problem. Etwa 38% der Erwachsenen in den USA sind adipös, in Deutschland ist es jeder vierte. In Mexiko und Chile sind 32% und 25% der Bevölkerung stark übergewichtig.

Bariatrische Chirurgie als Allroundtalent

Mit der bariatrischen Chirurgie steht eine Methode zur Verfügung, mit der sich auch langfristig ein Gewichtsverlust und eine Verbesserung der Glukosekontrolle erreichen lassen.

In einer Studie von 2017 nahmen die Patienten nach einer Roux-Y-Bypass-Operation 35 Kilogramm Körpergewicht in zwölf Jahren ab. Die Teilnehmer ohne OP verloren gar kein Körpergewicht.

Als Indikation für eine bariatrische Chirurgie gelten ein Body-Mass-Index (BMI) von über 40 kg/m² oder ein BMI von über 35 kg/m², wenn zumindest eine mit der Adipositas einhergehende Komorbidität vorliegt.

Blutdrucksenkung schon kurz nach OP, warum?

Adipositas ist häufig an der Entstehung eines Hypertonus beteiligt (bei ca. 60–70% der Hochdruckkranken). Darüber hinaus haben hochdruckerkrankte Patienten häufig eine schlechte Compliance bzgl. ihrer Medikamenteneinnahme.

Für diese Patienten könnte die bariatrische Chirurgie die Lösung beider Probleme sein, des Übergewichts und des Bluthochdrucks. In der GATEWAY-Studie jedenfalls erreichten 83,7% der Teilnehmer nach Anlegen eines Roux Y-Bypasses einen Blutdruck von <140/90mmHg und konnten daraufhin ihre Anzahl an blutdrucksenkenden Medikamenten um mindestens ein Drittel reduzieren (primärer Endpunkt). Bei den Patienten, die nur mit Medikamente eingenommen hatten, schafften dies gerade mal 12,8%. 75% der operierten Patienten benötigen nur noch einen oder sogar keinen Blutdrucksenker mehr (vs. 50% in der Kontrollgruppe).

Bei mehr als der Hälfte aller operierter Patienten (51%) kam es zur Totalremission des Hochdruckes. In der medikamentösen Gruppe war das bei keinem einzigen Patienten der Fall.

22,4% der operierten Patienten erreichten einen systolischen Blutdruck von unter 120 mmHg, in SPRINT war dies der Grenzwert für die intensive Blutdrucksenkung.

Es kann nicht nur am Gewicht gelegen haben

Interessanterweise kamen die blutdrucksenkenden Effekte bereits ein Monat nach dem Eingriff, also bei einem noch relativ geringen Gewichtsverlust, zum Vorschein. Es muss also zusätzliche Faktoren geben, durch die eine Operation den Blutdruck beeinflusst. Liegt es an der verminderten Insulinresistenz oder dem erniedrigten Sympathikustonus bei geringerer Kochsalzresorption? Oder sind es die im Magen-Darm-Trakt zu beobachtenden Veränderungen der hormonellen Aktivität nach Anlegen eines Magenbypasses, die den Blutdruck nach unten treiben?

Auch die sekundären Endpunkte – dazu zählten die CRP-Level, echokardiografische Parameter, BMI, Bauchumfang und Fettstoffwechselparameter – veränderten sich praktisch alle zugunsten der operierten Patienten.

Negative Nachwirkungen der Operation

An gravierenden Nebenwirkungen traten nach der Operation naturgemäß vermehrt Mangelzustände auf, einschließlich eines Vitamin B12-Mangels. Des Weiteren kam es häufiger zu Anämien und Krankenhausaufenthalten, bei denen u. a. viermal eine Cholezystektomie erforderlich wurde.

Schwierig ist es diese Daten auf Patienten zu übertragen, bei denen nach Leitlinie eine Operation indiziert ist (BMI >40% oder 35% plus Komorditäten). Zudem sollte man den Langzeitverlauf abwarten. Immerhin ist aus anderen Studien zur bariatrischen Chirurgie bekannt, dass die Patienten langfristig teilweise erhebliche Schwierigkeiten entwickeln, zum einen aufgrund der Ernährungsdefizite, aber auch aufgrund psychischer Probleme.

Die Teilnehmer der GATEWAY-Studie hatten zu Studienbeginn einen BMI von 30 bis 40 kg/m². Behandelt wurden sie mit mindestens zwei Blutdrucksenkern in einer Maximaldosierung oder drei solcher Substanzen in mittlerer Dosis. Die Patienten erhielten neben dieser Medikation in einer 1:1-Randomisierung entweder einen laparoskopisch durchgeführten Roux Y-Bypass oder eine Diätberatung und psychische Betreuung (Kontrollgruppe).

Literatur

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