Nachrichten 16.03.2020

Blutdruckmanagement: Auch Arbeitgeber können einiges tun

Viele Menschen mit arterieller Hypertonie verfehlen ihr Blutdruckziel. Eine randomisierte Studie aus China zeigt, dass ein betriebliches Hypertonieprogramme sehr effektiv sein kann.

Auch wenn es in den letzten Jahren Fortschritte gegeben hat: Die Behandlung von Patienten mit arterieller Hypertonie in Deutschland könnte besser sein, als sie ist. Nach Angaben der Hochdruckliga erreicht nur etwa ein Viertel bis ein Drittel der diagnostizierten Patienten den individuellen Zielblutdruck. In anderen Ländern sieht das nicht besser aus, und deswegen gibt es immer wieder Studien, die darauf abzielen, die Blutdruckkontrollrate zu verbessern.

In JAMA Cardiology berichten Ärzte aus China jetzt über eine Cluster-randomisierte Studie, die bei insgesamt 60 Unternehmen bzw. Unternehmensstandorten in 20 Städten ein betriebliches Gesundheitsprogramm evaluiert hat, wobei 40 der Standorte die Interventionsgruppe und 2o die Kontrollgruppe bildeten. Insgesamt nahmen 4166 Arbeitnehmer teil, die an Bluthochdruck litten, überwiegend Männer und im Mittel 46 Jahre alt. In den beiden Gruppen betrug der Anteil der Personenr, deren Blutdruck gut eingestellt war, zu Studienbeginn 19,5% (Interventionsgruppe) bzw. 20,1% (Kontrollgruppe).

Zwei Drittel erreichten  die Blutdruckziele

Alle Teilnehmer besuchten im Studienzeitraum von 24 Monaten ganz normal ihren jeweils behandelnden Arzt. An den 40 Interventionsstandorten gab es zusätzlich ein zweiteiliges Gesundheitsprogramm. Es bestand einerseits aus sehr umfangreichen Maßnahmen, um die allgemeine kardiovaskuläre Gesundheit direkt am Arbeitsplatz zu fördern, darunter eine gezielte Risiko- und Gesundheitskommunikation, ein Rauchverbot, eine Anpassung der Speisepläne in den jeweiligen Kantinen, Maßnahmen für mehr körperliche Bewegung und ein Stressmanagement-Angebot in Form von Tai Chi-Kursen.

Die zweite Komponente waren monatliche Besuche in Gesundheitsambulanzen, bei denen der Blutdruck gemessen, die Medikation evaluiert und in Richtung behandelndem Arzt Empfehlungen für eventuelle Veränderungen der Medikation gegeben wurden. Auch die Medikamenten-Compliance wurde dabei abgefragt.

Alles zusammen war bemerkenswert effektiv: Nach 24 Monaten hatten 66,2% der Personen in den Unternehmen mit Intervention das Blutdruckziel erreicht, gegenüber 44% im Kontrollarm.

Geschätztes Schlaganfallrisiko deutlich reduziert

Die bessere Blutdruckeinstellung ging einher mit niedrigeren Stress-Levels, geringerem Alkoholkonsum und geringerer Kochsalzzufuhr. Basierend auf Risikofaktortabellen haben die Studienleiter daraus den möglichen klinischen Nutzen abgeschätzt. Sie gehen davon aus, dass sie bei den Patienten in den Interventionseinrichtungen das Schlaganfallrisiko um ein Fünftel und das KHK-Risiko um zehn Prozent verringert haben. Für einen direkten Nachweis von Unterschieden bei klinischen Endpunkten sei die Studie nicht groß genug gewesen.

Literatur

Wang Zengwu et al. Effect of a Workplace-Based Multicomponent Intervention on Hypertension Control. JAMA Cardiology 2020; 4. März 2020; doi: 10.1001/jamacardio.2019.6161

Highlights

CME-Highlight: EKG Intensivkurs

Anhand von 108 EKG-Fällen können Sie Ihre Kenntnisse zum EKG in diesem Kurs vertiefen und 12 CME-Punkte sammeln. Es gibt 3 Schwierigkeitsstufen, von Standard bis anspruchsvoll.

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

DARE-19-Studie: SGLT2-Hemmer ohne Nutzen bei COVID-19-Erkrankung

Therapieerfolge mit SGLT2-Hemmern sind in jüngster Zeit in vielen Studien erzielt worden. Doch es gibt auch Enttäuschungen: Zumindest bei Patienten mit COVID-19-Erkrankung hat ein Vertreter dieser Wirkstoffklasse die Hoffnungen nicht erfüllt.

Visualisierung des PCI-Erfolgs lässt KHK-Patienten relativ kalt

Vorher ein verstopftes, danach ein durchgängiges Koronargefäß – würde die Visualisierung eines solchen Erfolgs der Revaskularisation mittels Angiogramm-Ausdruck das Befinden von Patienten nach PCI positiv beeinflussen? Eher nicht, fanden deutsche Kardiologen jetzt in einer Studie heraus.

4 Ernährungstrends auf dem Prüfstand

Der Schlüssel ist gesunde, frische Vielfalt – welche Ernährungsweise darüber hinaus neuen Daten zufolge zur kardiovaskulären Gesundheit beiträgt, erläuterte Dr. Elisabeth Schieffer von der Medizinischen Hochschule Hannover bei der 87. DGK-Jahrestagung.

Aus der Kardiothek

Status-quo DMP KHK/Herzinsuffizienz – was Sie wissen müssen

Die Anforderungsrichtlinie für das Disease Management Programm (DMP) wurde gerade erst aktualisiert. Dr. Martin Dürsch erklärt, was es mit den Änderungen auf sich hat und wie sich die DMP Herzinsuffizienz im Alltag umsetzen lässt.

Tipps und Tricks bei Schrittmacher-EKGs

Bei der Interpretation von Schrittmacher-EKGs gilt es, einige Aspekte zu beachten. Anhand von Patientenfällen erläutert PD Dr. Ralph Bosch die Herausforderungen im Praxisalltag, und gibt Tipps, wie man mit solchen EKG-Befunden umgehen kann. 

Herzinsuffizienz und SGLT2: Wann, Wen, Wie?

SGLT2-Inhibitoren sind inzwischen für die Herzinsuffizienz-Therapie zugelassen. Anhand von Fallbeispielen erläutert Prof. Christoph Liebetrau, wie man diese Medikamente im Alltag einsetzen kann, und was dabei zu beachten ist.

EKG Training/© fotolia / Sergey Nivens
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org