Nachrichten 06.08.2020

Bluthochdruck in der Schwangerschaft birgt Gefahr fürs Kind

Mütter, die während der Schwangerschaft einen erhöhten Blutdruck haben, scheinen dies auf ihre ungeborenen Kinder zu übertragen – mit möglicherweise lebenslangen Folgen.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft erhöht das Krankheitsrisiko der Mutter nach der Entbindung. Er kann sich aber auch auf das ungeborene Kind übertragen, legt eine neue Studie nahe. Ein deutsch-dänisches Forscherteam hat dafür Daten von mehr als 2.400 Frauen und 2.200 Kindern analysiert.

Werte um zwei bis drei mmHg erhöht

Etwas mehr als 10% der Frauen hatten durch die Schwangerschaft erhöhte Blutdruckwerte über 140/90 mmHg. Ihre Töchter zeigten mit fünf Jahren ebenfalls erhöhte systolische Werte. Bei den Söhnen ließen sich erhöhte diastolische Werte nachweisen, welche jedoch nicht so stark von der Norm abwichen wie bei den Mädchen. Im Rahmen der Studie werden die Kinder nun weiterhin untersucht.

Ihre Werte seien nicht so stark erhöht, dass man von Bluthochdruck sprechen könne, trotzdem sei die beobachtete Zunahme von zwei bis drei mmHg langfristig eine hohe kardiovaskuläre Belastung, erläutern die Forscher um Dr. Anna Birukov von der Charité Berlin die möglichen Folgen ihrer Beobachtungen. Das bedeute, dass die Eltern der Kinder besonders darauf achten sollten, dass diese sich gesund ernähren, genug bewegen und diesen Lebensstil auch später beibehalten.

An der Nachsorge hapert es oft

„Mütter mit erhöhtem Blutdruck in der Schwangerschaft müssten zudem nach der Geburt besser betreut werden“, fordern die Forscher. Sobald die Nachsorge beendet sei, fühle sich der Frauenarzt nicht mehr zuständig, während der Hausarzt nicht immer informiert sei. Studien zeigen jedoch, dass das kardiovaskuläre Risiko dieser Frauen ab einem Alter von etwa 55 Jahren doppelt bis viermal so hoch sei.

Gutes Monitoring kann Folgeschäden verhindern

Die aktuelle Studie zeigt, dass sich schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck schon früh durch kleine Veränderungen der Werte ankündigt. Dadurch sei es möglich, rechtzeitig präventive Maßnahmen zu treffen, die das lebenslange Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei Mutter und Kind senken.

Den Studienautoren zufolge treten bei 15% aller Schwangerschaften Faktoren auf, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Mutter erhöhen, etwa schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck und Diabetes oder Frühgeburtlichkeit. Da 80% der Frauen in Deutschland Mütter seien, betreffe dieser zusätzliche Risikofaktor viele Menschen.

Dennoch werden koronare Herzerkrankungen eher als Männerdomäne gesehen, da Frauen bis zur Menopause durch Östrogen geschützt seien. Absolut sterben aber mehr weibliche als männliche Patienten an kardiovaskulären Erkrankungen, deshalb sei es besonders wichtig, auch ihre Risikofaktoren zu kennen und im Blick zu behalten, schließen Birukov und Kollegen.

Literatur

Birukov A, Herse F, Nielsen J, et al. Blood Pressure and Angiogenic Markers in Pregnancy: Contributors to Pregnancy-Induced Hypertension and Offspring Cardiovascular Risk. Hypertension 2020; https://doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.13966 

Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung: Bluthochdruck in der Schwangerschaft überträgt sich auf das Kind. 30.07.2020.

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Bildnachweise
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Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org