Nachrichten 27.11.2020

Spezielles Training hilft bei pulmonaler Hypertonie

Lebensqualität, Gehstrecke, maximale Sauerstoffaufnahme – all das kann sich durch ein neues standardisiertes Trainingsprogramm für Patienten mit pulmonaler oder chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie verbessern, zeigt eine europäische Studie.

Training mit niedriger Intensität kann früheren Studien zufolge bei Patienten mit pulmonaler oder chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (PAH und CTEPH) die Lebensqualität, die körperliche Leistungsfähigkeit, die Muskelkraft und möglicherweise die Hämodynamik verbessern. Jetzt konnten Forscher um Dr. Ekkehard Grünig aus Heidelberg bestätigen, dass ein solches Training ergänzend zur medizinischen Therapie positive Effekte auf die Patienten hat.

Für die randomisierte Studie wurde erstmals in elf Zentren in zehn europäischen Ländern ein spezielles Rehabilitationsprogramm für PAH- und CTEPH-Patienten angeboten. 116 Personen wurden 1:1 in eine Trainingsgruppe und eine Kontrollgruppe mit Standardtherapie randomisiert. Das Durchschnittsalter betrug 54 Jahre. Die Patienten in der Trainingsgruppe nahmen median 25 Tage an einer standardisierten Rehabilitation im Krankenhaus teil und setzten das Programm für elf bis zwölf Wochen zu Hause fort. Die Kontrollpersonen gingen zu Hause ihren Alltagsaktivitäten nach.

Keine unerwünschten Effekte entdeckt

Die Gehstrecke beim Sechs-Minuten-Gehtest steigerte sich in der Trainingsgruppe verglichen mit der Kontrollgruppe signifikant um 34 Meter. Anhand von Fragebögen wurde zudem festgestellt, dass die Lebensqualität der Programmteilnehmer um 7,3 Punkte auf dem SF-36-Score angestiegen ist. Bezüglich des Schweregrads der Erkrankung verbesserte sich bei neun Teilnehmern in der Trainingsgruppe und einem Patienten in der Kontrollgruppe die Funktionsklasse, bei entsprechend vier und drei Patienten verschlechterte sich diese. Die maximale Sauerstoffaufnahme stieg in der Trainingsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe um 0,9 ml/min/kg. Das Programm ließ sich problemlos umsetzen und hatte keine unerwünschten Effekte.

Training speziell konzipiert

Das individuell angepasste Training mit niedriger Intensität beinhaltete Atemtherapie, Fahrradergometer- und Hanteltraining, begleitete Spaziergänge und mentales Training. In der betreuten Anfangsphase wurde es fünf bis sieben Mal pro Woche ausgeführt und anschließend Zuhause drei bis sieben Mal pro Woche fortgesetzt. Die Intensität betrug 40% bis 60% des Maximalpensums der Patienten bei einem Ergometertest zu Studienbeginn. Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, rechtsventrikuläre Funktion in Ruhe und bei Belastung sowie subjektives Empfinden wurden beim Anpassen des Trainings berücksichtigt.

Ganzheitlicher Ansatz scheint vielversprechend

„Es ist die erste Studie, die zeigt, dass ein sicheres und effektives Training standardisiert und in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Gesundheitssystemen umgesetzt werden kann“, so Grünig und sein Team. Das Programm wurde anschließend in allen teilnehmenden Zentren beibehalten.

Das Verbessern physischer und mentaler Gesundheitsparameter unterstreiche den ganzheitlichen Ansatz von körperlichem Training, um Patienten mit pulmonaler Hypertonie und wenig körperlicher Fitness zu befähigen, ihre individuelle tägliche Aktivität zu erweitern, so die Forscher. „Da die NT-proBNP-Werte in der Trainingsgruppe nicht signifikant zunahmen, schien das Programm keinen negativen Einfluss auf die Entwicklung von Rechtsherzinsuffizienz und die ventrikuläre Belastung zu haben“, schließen Grünig und Kollegen.

Literatur

Grünig E et al. Standardized exercise training is feasible, safe, and effective in pulmonary arterial and chronic thromboembolic pulmonary hypertension: results from a large European multicentre randomized controlled trial. European Heart Journal 2020. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaa696

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