Nachrichten 10.12.2021

Hypertonie: Diese Ursache wird manchmal übersehen

Jeder fünfte Hypertoniker nimmt aufgrund weiterer Erkrankungen Arzneimittel ein, die den Blutdruck erhöhen können, legt eine US-Analyse nahe. Experten raten, die Medikation regelmäßig zu überprüfen.

Vielen Erwachsenen mit Hypertonie gelingt es nicht, die empfohlenen Blutdruckwerte zu erreichen. Dabei werde häufig übersehen, dass diese oft mehrere Medikamente einnehmen – darunter möglicherweise auch blutdrucksteigernde, geben Mediziner um Dr. John Vitarello vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston zu bedenken. Um dies zu überprüfen, führten sie eine Querschnittstudie durch, in der die Prävalenz der Einnahme von Arzneimitteln untersucht wurde, die den Blutdruck erhöhen können.

Die Forschenden analysierten dafür Daten von knapp 28.000 US-Amerikanern, die an der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) teilgenommen hatten. Diese waren median 47 Jahre alt, etwa die Hälfte waren Frauen. 49% der Befragten hatten Bluthochdruck, definiert als Werte von mindestens 130/80 mmHg. 35% wiesen eine unkontrollierte Hypertonie auf, definiert mit dem gleichen Grenzwert, jedoch waren diese Patienten noch nie von einem Arzt auf ihre Erkrankung hingewiesen worden. Das Forscherteam ermittelte den Konsum verschreibungspflichtiger Medikamente anhand der Fragebögen.

Blutdrucksteigernde Medikation war häufig

Insgesamt 15% der Befragten und 19% der Hypertoniker nahmen Arzneimittel ein, die den Blutdruck erhöhen können, möglicherweise, ohne sich dessen bewusst zu sein. Am häufigsten handelte es sich dabei um Antidepressiva (9%), verschreibungspflichtige nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID, 7%), Steroide (2%) und Östrogene (2%).

Der Einsatz dieser Medikamente war sowohl bei Personen mit kontrollierter als auch bei denen mit unkontrollierter Hypertonie mit einer verstärkten Nutzung von Antihypertensiva assoziiert. Bei Erwachsenen, die keine Blutdrucksenker verwendeten, war die Wahrscheinlichkeit einer unkontrollierten Hypertonie um 24% höher, wenn sie potenziell blutdrucksteigernde Arzneimittel einnahmen.

Experten weisen auf Alternativen hin

„Viele Medikamente, von denen bekannt ist, dass sie den Blutdruck erhöhen, haben Alternativen ohne diese Nebenwirkung – zum Beispiel Paracetamol anstelle von NSAID und reine Gestagen- oder nicht hormonelle Kontrazeptiva anstelle von ethinylestradiolhaltigen Verhütungsmitteln“, so Vitarello und Kollegen. Die Ergebnisse weisen ihnen zufolge auf eine wichtige Möglichkeit hin, die Blutdruckkontrolle durch optimierte Medikationsschemata zu verbessern, ein Ansatz, der das Potenzial habe, die Polypharmazie zu reduzieren.

„Ärzte, die Patienten mit Hypertonie betreuen, sollten routinemäßig nach Medikamenten suchen, die einen erhöhten Blutdruck verursachen können, und in Erwägung ziehen, sie abzusetzen, durch sicherere Alternativen zu ersetzen oder ihre Dosis und Anwendungsdauer zu minimieren, wenn es keine Alternativen gibt“, raten die Mediziner um Vitarello.

Einschränkungen der Studie waren, dass der Medikamentenkonsum der Teilnehmer auf Eigenangaben basierte und keine Daten zur Dosis und Dauer der Einnahme sowie rezeptfreien Arzneimitteln vorlagen.

Literatur

Vitarello J et al. Prevalence of Medications That May Raise Blood Pressure Among Adults With Hypertension in the United States. JAMA 2021. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2021.6819

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