Skip to main content
main-content

14.01.2019 | Hypertonie | Nachrichten

Langzeitstudie PAMELA

Schon grenzwertiger Bluthochdruck geht aufs Herz

Autor:
Philipp Grätzel

Bluthochdruck führt zu linksventrikulärer Hypertrophie, das ist kein Geheimnis. Eine prospektive, echokardiografische Erhebung im Rahmen der Hochdruckstudie PAMELA zeigt jetzt: Schon im hochnormalen Blutdruckbereich fangen die Probleme für das Herz an.

Wie pathologisch sind grenzwertig erhöhte Blutdruckwerte? Studien wie SPRINT und Leitlinien die die aktuelle ACC/AHA-Leitlinie haben in den letzten Jahren die Diskussion um den Umgang mit Patienten, die mit ihrem systolischen Blutdruck zwischen 120 mmHg und 139 mmHg und/oder mit ihrem diastolischen Blutdruck zwischen 80 mmHg und 89 mmHg liegen, immer wieder aufflammen lassen.

Dass Werte in diesem „hochnormalen“ Bereich – in der angloamrikanischen Welt wird auch von „prehypertension“ geredet – jedenfalls nicht völlig unproblematisch sind, zeigt jetzt eine echokardiografische Substudie im Rahmen der italienischen Langzeithypertoniestudie PAMELA. An deren Anfang stand eine Querschnittserhebung bei 1.397 in Sachen Bluthochdruck unbehandelten Probanden, die jeweils eine umfangreiche Blutdruckdiagnostik sowie eine Echokardiografie erhielten.

Dabei zeigte sich, dass nach Adjustierung für Störfaktoren wie Klappenfehler nicht nur 18,3 % der Probanden mit bis dahin unbehandelter arterieller Hypertonie eine (am linksventrikulären Masseindex LVMI festgemachte) Linksherzhypertrophie aufwiesen, sondern auch 6,7 % der Probanden mit hochnormalem Blutdruck. In der Gruppe der Probanden mit einem Blutdruck unter 120/80 mmHg waren es nur 2,1 %.

In einem zweiten Schritt wurden dann jene 880 Probanden, die in der Erstuntersuchung einen normalen LVMI, also keine Anzeichen einer Linksherzhypertrophie, aufwiesen, zehn Jahre lang begleitet. Was hier vor allem interessierte war, wie oft es in Abhängigkeit von der Blutdrucksituation zu einer neuen linksventrikulären Hypertrophie (LVH) kam. Und auch hier gab es hinsichtlich des Blutdrucks eine klare „Dosis-Wirkungs-Beziehung“: Während nur 9,0 % der anfangs normotensiven Probanden im Verlauf eine LVH entwickelten, waren es 36,5 % der anfangs hypertensiven Patienten und auch immerhin knapp jeder vierte Proband mit anfangs hochnormalem Blutdruck.

Erwartungsgemäß war das LVH-Risiko bei jenen Probanden mit initial hochnormalem Blutdruck höher, die im Verlauf eine manifeste arterielle Hypertonie entwickelten. Sie hatten ein rund viermal so hohes LVH-Risiko wie durchgängig normotensive Probanden. Aber auch jene „hochnormalen“ Probanden, deren Blutdruck über zehn Jahre hochnormal blieb, hatten nach Adjustierung noch ein knapp doppelt so hohes LVH-Risiko wie die Normotoniker. Letzteres war statistisch zwar nicht mehr signifikant, allerdings waren die Gruppengrößen bei dieser „Subsubanalyse“ dann auch relativ klein.

Literatur

Weiterführende Themen

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

19.08.2019 | DGK-Jahrestagung 2019 | Expertenvorträge | Video

Herz und Diabetes – was der junge Kardiologe wissen soll

Ist Diabetes eigentlich eine kardiologische Erkrankung? Die DDG-Leitlinien empfehlen zumindest, jeden kardiologischen Patienten auch auf Diabetes zu screenen. Welcher HbA1c-Wert schon kritisch ist und welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden sollten, erläutert Frau Dr. Bettina J. Kraus, Würzburg, in ihrem Vortrag. 

02.07.2019 | Quiz | Onlineartikel

Was ist die Ursache für die Lumenreduktion?

Koronarangiografie bei einem 63-jährigen Patienten. Augenscheinlich ist eine systolische Lumenreduktion des linken Hauptstamms. Was ist die Ursache?

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise