Nachrichten 19.02.2021

Neue Daten: Je größer der Salzverzicht, desto niedriger der Blutdruck

Eine Metaanalyse von 85 Studien zeigt, dass nicht nur Hypertonie-Patienten von einer verringerten Natriumaufnahme profitieren, sondern auch Personen mit normalem Blutdruck.

Dass eine salzarme Ernährung den Blutdruck senken kann, ist bekannt. Ein internationales Forscherteam untersuchte jetzt genauer, wie sich bestimmte tägliche Natriummengen auswirken, und entdeckten positive Effekte auch für Menschen mit normalem Blutdruck.

Das Team um Dr. Tommaso Filippini von der Universität Modena und Reggio Emilia analysierte 85 Studien mit mehr als 10.000 Teilnehmern. Deren Natriumaufnahme wurde durch Ernährungsumstellung oder Nahrungsergänzungsmittel verändert und es wurde gemessen, wieviel Natrium über den Urin ausgeschieden wurde. Die Teilnehmer wurden zwischen vier Wochen und drei Jahre nachbeobachtet, zu Beginn und am Ende der Intervention wurde ihr Blutdruck gemessen.

Stärkere Assoziationen bei Hypertonie

Die Analyse zeigt eine annähernd lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Natriumaufnahme und dem durchschnittlichen systolischen und diastolischen Blutdruck. Dabei gab es keine Anzeichen für eine Abflachung bei besonders geringem oder hohem Konsum.

Eine Natriumreduktion auf 1,0 bis 1,5 g pro Tag ging mit einer Blutdrucksenkung einher. Bei Patienten mit Bluthochdruck zeigten sich stärkere Assoziationen als bei normotensiven Personen. Bei Letzteren wurde eine „kleinere, aber immer noch wichtige“ Senkung des Blutdrucks beobachtet, so die Forscher. Jede Abnahme der Natriumausscheidung um 1g pro Tag war mit systolischen und diastolischen Werten assoziiert, die median um 2,42 bzw. 1,01 mmHg niedriger waren.

Zu viel Natrium fördert die Flüssigkeitsretention im Blutkreislauf, was die Gefäße belastet und das Herz stärker fordert und somit das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Etwas Natrium benötigt der Körper jedoch, sodass über die ideale Menge diskutiert wird. Die WHO empfiehlt maximal 5g Salz täglich, was etwa 2g Natrium entspricht. Die Deutschen nehmen jedoch im Schnitt mehr als 9g Salz pro Tag zu sich. Die Forscher halten eine Empfehlung von 1,5g bis 2g Natrium täglich für sinnvoll.

Zwar könne die Metaanalyse keine allumfassende Bewertung von Natrium liefern, da nur die Auswirkungen auf den Blutdruck untersucht worden seien. Da Bluthochdruck jedoch ein Hauptrisikofaktor für Herzerkrankungen, Schlaganfälle und neurologische Erkrankungen wie Demenz ist, halten sie es für wahrscheinlich, dass dies der wichtigste zu bewertende Punkt ist.

Ernährungsumstellung bewirkt am meisten

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass besonders Menschen, die ihre Natriumaufnahme durch eine gesündere Ernährung reduzieren, ihre kardiovaskuläre Gesundheit verbessern können. Von den analysierten Studien zeigten diejenigen, die auf einer Ernährungsumstellung basierten, einen größeren Effekt als die Untersuchungen, bei denen lediglich die Salzmenge oder Nahrungsergänzungsmittel reduziert wurden.

65 der einzelnen Studien beschäftigten sich mit Hypertonie-Patienten, elf mit normotensiven Personen und neun mit einer Kombination aus beiden Gruppen. „Nicht nur Patienten mit Bluthochdruck können von einer reduzierten Natriumaufnahme profitieren, sondern auch Menschen mit normalem Blutdruck“, resümieren Filippini und Kollegen.

Literatur

Filippini T et al. Blood Pressure Effects of Sodium Reduction: Dose-Response Meta-Analysis of Experimental Studies. Circulation 2021. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.050371


Highlights

Jetzt wieder: Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2021 geht weiter: Jede Woche von 18:00–19:30 Uhr erwarten Sie spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Myokarditis-Fälle nach COVID-19-Impfung – sollten Kardiologen beunruhigt sein?

In Israel und anderen Staaten wurden Myokarditis-Fälle bei jungen Menschen gemeldet, die mit einer COVID-19-mRNA-Vakzine geimpft worden sind. Ein Kardiologe aus Deutschland ist deshalb nicht besonders beunruhigt – wenngleich er rät, wachsam zu sein.

Metaanalyse zeigt: Das bringen Notfalltherapien bei NOAK-bezogenen Blutungen

Im Fall von schwerwiegenden Blutungen unter Antikoagulation mit NOAK kann es notwendig erscheinen, die gerinnungshemmende Wirkung rasch aufzuheben. Welche klinischen Ergebnisse mit den dafür verfügbaren Notfalltherapien erzielt werden, verdeutlicht eine neue Metaanalyse.

Neuer ESC-Kalkulator zur kardiovaskulären Risikovorhersage

Üblicherweise schätzen Ärzte hierzulande das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten über den SCORE-Kalkulator ein. Nun hat die ESC das Modell aktualisiert – um damit eine differenziertere Risikovorhersage zu gewährleisten.

Aus der Kardiothek

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

Patientin mit passagerer Hemiparese – wie lautet Ihre Diagnose?

Transthorakale Echokardiographie mit Darstellung eines apikalen 4-Kammer Blicks einer Patientin mit passagerer Hemiparese.  Was ist zu sehen?

Status quo DMP KHK/Herzinsuffizienz – was Sie wissen müssen

Die Anforderungsrichtlinie für das Disease Management Programm (DMP) wurde gerade erst aktualisiert. Dr. Martin Dürsch erklärt, was es mit den Änderungen auf sich hat und wie sich die DMP Herzinsuffizienz im Alltag umsetzen lässt.

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Transthorakale Echokardiographie/© Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org