Nachrichten 06.08.2019

Smartphone statt Manschette: Blutdruck messen durch Gesichtserkennung

Mit einem Klick den Blutdruck messen – das wird vielleicht in Zukunft Alltag. Eine neue Studie zeigt, dass Blutdrucküberwachung mithilfe eines kurzen Videos vom Gesicht einer Person schon jetzt zuverlässig funktioniert.

Ein neues Smartphone basiertes Bildgebungsverfahren namens Transdermal Optical Imaging kann den Blutdruck einer Person anhand eines kurzen Videos ihres Gesichtes messen. Es kann mit dem Smartphone aufgenommen werden, anschließend erkennt die bildgebende Software Veränderungen des Blutflusses. Indem Umgebungslicht in die äußere Hautschicht eindringt, ermöglicht es den digitalen optischen Sensoren im Smartphone, Blutflussmuster zu erkennen und zu extrahieren. Die Software kann diese in Blutdruckwerte umwandeln.

Messgenauigkeit entsprach den internationalen Standards für Blutdruckmessgeräte

Ein Vorteil des Verfahrens im Vergleich zur Blutdruck-Manschette ist, dass es schnell geht und lediglich ein Smartphone benötigt wird. „Blutdruckmessgeräte auf Manschettenbasis sind zwar sehr genau, aber unpraktisch und unbequem. Benutzer halten sich in der Regel nicht an die Empfehlungen, jedes Mal mehrere Messungen durchzuführen“, sagte Studienleiter Prof. Kang Lee von der Universität Toronto in Kanada in einer Pressemitteilung der American Heart Association (AHA).

Die Forscher um Lee maßen den Blutfluss von mehr als 1.300 Erwachsenen, indem sie mit einem iPhone mit der entsprechenden Bildgebungssoftware zweiminütige Videos aufnahmen. Die damit erzielten Messergebnisse von systolischem und diastolischem Blutdruck sowie Puls verglichen sie mit den Werten, die ein klassisches Blutdruckmessgerät mit Manschette lieferte.
Das Team nutzte die gesammelten Daten, um der Software beizubringen, wie sie mithilfe der Blutflussmuster aus den Gesichtsvideos Blutdruck und Puls bestimmen kann. Die Forscher fanden heraus, dass sie im Schnitt den systolischen Blutdruck mit einer Genauigkeit von fast 95% und den diastolischen Blutdruck und den Puls mit einer Genauigkeit von fast 96% vorhersagte. Das entspreche den internationalen Standards für Geräte zur Blutdruckmessung, so Lee.

Funktioniert die Technologie auch in weniger gut kontrollierter Umgebung?

Da sie die Gesichter der Teilnehmer aber in einer gut kontrollierten Umgebung mit fester Beleuchtung filmten, ist noch unklar, ob die Technologie bei den Patienten zu Hause genauso gut funktionieren würde. Zwar hatten die Testpersonen unterschiedliche Hauttöne, Probanden mit extrem dunkler oder heller Haut waren jedoch nicht darunter. Die Forscher arbeiten zudem noch daran, die benötigte Dauer der Videos auf 30 Sekunden zu reduzieren, um das Verfahren benutzerfreundlicher zu machen.

Der Blutdruck der Teilnehmer lag im Normbereich. „Wenn zukünftige Studien unsere Ergebnisse bestätigen und zeigen, dass diese Technologie auch bei sehr hohem oder niedrigem Blutdruck funktioniert, haben wir eine berührungslose, bequeme Alternative für die konstante Blutdrucküberwachung“, resümierte Lee.

Literatur

Lee K et al. Smartphone-Based Blood Pressure Measurement Using Transdermal Optical Imaging Technology. Circulation: Cardiovascular Imaging 2019. https://doi.org/10.1161/CIRCIMAGING.119.008857

AHA-Pressemitteilung: Blood pressure monitoring may one day be easy as taking a video selfie. 06.08.2019.

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Bildnachweise
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
Webinar Rhythmuskontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern/© Kardiologie.org | Prof. Meyer [M]
Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
Vortrag von M. Ferenc/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018