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17.01.2018 | Hypertonie | Nachrichten

ACC/AHA-Leitlinien zu Blutdruck

Was bedeutet die US-Neudefinition der arteriellen Hypertonie in Zahlen?

Autor:
Philipp Grätzel

Durch die neuen Hypertonie-Leitlinien von ACC und AHA in den USA steigt die Zahl der Hochdruckpatienten deutlich an. Was bereits Gegenstand aufgeregter Medienberichte war, haben Experten jetzt noch einmal im Detail durchgerechnet.

In einer in der Zeitschrift JACC publizierten Arbeit haben sich Epidemiologen um Dr. Paul Muntner von der University of Alabama in Birmingham die Datenbank der NHANES-Studie vorgenommen, eine epidemiologische Kohorte mit 9.623 Teilnehmern, bei denen mehrfach der Blutdruck standardisiert gemessen worden war. Die Wissenschaftler haben dann die alte JNC7-Definition und die neue ACC/AHA-Definition des Bluthochdrucks zugrunde gelegt und ermittelt, wie viele Patienten jeweils an arterieller Hypertonie litten. Das Ganze wurde noch statistisch an die US-Bevölkerung angepasst.

Neuer Grenzwert bei 130 mmHg

Nach der alten JNC7-Definition hatten Patienten ab einem Blutdruck von 140/90 mmHg eine arterielle Hypertonie. Die ACC/AHA-Definition legt die Grenze jetzt bei 130/80 mmHg, wobei das nicht automatisch heißt, dass eine medikamentöse Therapie nötig wäre. 

Gemäß JNC7-Definition hatten, hochgerechnet auf Basis der NHANES-Daten, 31,9% der US-amerikanischen Erwachsenen eine arterielle Hypertonie. Durch die ACC/AHA-Definition steigt dieser Anteil auf 45,6%. 

Eindrucksvoll sind auch die absoluten Zahlen: 81,9 Millionen US-Amerikaner hatten bis vor Kurzem eine arterielle Hypertonie. Durch die ACC/AHA-Definition stieg diese Zahl auf 103,3 Millionen.

Was bedeutet das für die Therapie?

Dass das therapeutisch allerdings gar keinen so großen Unterschied macht, zeigen die nächsten Zahlen. Gemäß ACC/AHA müssten 36,2% der US-Erwachsenen mit antihypertensiven Medikamenten behandelt werden. Wird die JNC7-Definition angelegt, sind es kaum weniger, nämlich 34,3%. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die neuen Leitlinien im Hypertonie-Stadium I den Fokus wesentlich stärker auf Lebensstilmaßnahmen legen.

Wenig überraschend steigt durch die strengeren Zielwerte auch die Zahl der antihypertensiv behandelten Patienten, die ihren individuellen Zielwert nicht erreichen. Bisher lag diese Quote bei 39%, jetzt beträgt sie 53,4%. 

Die Kernbotschaft ihrer Publikationen sehen die Autoren entsprechend nicht so sehr darin, dass jetzt mehr Patienten medikamentös behandelt werden müssen, sondern darin, dass bei jenen Hypertoniepatienten, die bereits medikamentös behandelt werden, größere Anstrengungen unternommen werden, den Zielwert zu erreichen.

Literatur

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