Nachrichten 30.09.2021

Studie zeigt Erfolge bei resistenter Hypertonie

Therapieresistente Hypertonie kann für die Patienten gefährliche Langzeitfolgen haben. Eine randomisierte Studie legt jetzt nahe: Möglicherweise ist sie weniger resistent als gedacht.

Schätzungen zufolge lässt sich der Blutdruck bei mehr als 20% der Hypertoniker trotz Behandlung mit einem Diuretikum und zwei weiteren blutdrucksenkenden Medikamenten nicht kontrollieren. Lebensstilinterventionen sind als Bluthochdrucktherapie etabliert, ihre Effekte bei Patienten mit resistenter Hypertonie wurden bisher jedoch nicht untersucht. In einer neuen Studie konnte ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm den Blutdruck dieser Patienten signifikant senken.

In die Analyse von Prof. James Blumenthal vom Duke University Medical Center in Durham wurden 140 Patienten mit resistenter Hypertonie (> 130/80 mmHg) einbezogen. Sie waren median 63 Jahre alt und wurden in zwei Gruppen randomisiert: 90 von ihnen erhielten eine wöchentliche Ernährungsberatung und dreimal wöchentlich ein Bewegungstraining von 30 bis 45 Minuten in einem kardiologischen Rehabilitationszentrum. Die anderen 50 Patienten nahmen an einer einstündigen Schulung mit einem Gesundheitspädagogen teil, bei dem sie ein Handbuch mit einem Ernährungs- und Bewegungsprogramm erhielten, das sie selbstständig umsetzen konnten.

Signifikante Verbesserungen in Interventionsgruppe

Nach dem viermonatigen Programm war der systolische Blutdruck der betreuten Gruppe median um gut zwölf Punkte gesunken, verglichen mit einer Abnahme von sieben Punkten in der selbstständig aktiven Gruppe. 24-Stunden-Messungen des systolischen Blutdrucks ergaben, dass die Werte der überwachten Gruppe durchschnittlich um sieben Punkte gesunken waren, während in der anderen Gruppe keine Veränderungen festgestellt wurden.

Die Teilnehmer des betreuten Programms schnitten auch bei weiteren kardiovaskulär relevanten Faktoren besser ab: Sie verloren median etwa 7 kg Körpergewicht gegenüber 4kg in der selbstständig aktiven Gruppe und ihre Sauerstoffaufnahme stieg um 15% gegenüber 3%. Auch die Baroflex-Sensitivität und die Herzfrequenzvariabilität verbesserten sich in der Interventionsgruppe stärker als in der Kontrollgruppe.

Experten empfehlen betreutes Trainingsprogramm

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Veränderungen des Lebensstils Personen mit resistenter Hypertonie helfen können, Gewicht zu verlieren und ihre körperliche Aktivität zu steigern, wodurch sie ihren Blutdruck senken und ihr kardiovaskuläres Risiko verringern können“, resümieren Blumenthal und Kollegen. Während es manchen Patienten gelinge, ihren Lebensstil selbst zu verändern, sei ein von Medizinern betreutes Programm aus Ernährungsumstellung und Training in kardiologischen Rehabilitationszentren wahrscheinlich effektiver.

Eine Einschränkung der Studie war, dass nur fünf Teilnehmer einen systolischen Blutdruck über 160 mmHg hatten, sodass die Wirksamkeit von Lebensstilinterventionen bei Patienten mit stärkerem Bluthochdruck ungewiss bleibt.

Literatur

Blumenthal J et al. Effects of Lifestyle Modification on Patients With Resistant Hypertension: Results of the TRIUMPH Randomized Clinical Trial.  Circulation 2021. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.055329

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Nach Vorhofohrverschluss: Halbe NOAK-Dosis evtl. besser als Standard

Damit sich nach einem Verschluss des linken Vorhofohrs keine Thromben auf dem Device bilden, ist eine zeitweise antithrombotische Therapie vonnöten. Im Falle des Watchman-Devices wird hierfür ein Plättchenhemmer-basiertes Regime empfohlen. Doch es könnte eine bessere Strategie geben.  

Schwangere mit Herzfehler: Bessere Prognose als gedacht

Eine Schwangerschaft kann für Frauen mit angeborenen Herzfehlern Risiken bergen. Diese lassen sich aber relativ gut in den Griff bekommen, wenn die Betroffenen medizinisch begleitet werden, zeigt die bisher größte Studie zum Thema.

Fortschritt durch optimierte PCI-Strategie bei koronarer 3-Gefäßerkrankung

Eine durch technische Neuerungen optimierte PCI-Strategie führt bei koronarer 3-Gefäßerkrankung augenscheinlich zu deutlich besseren Behandlungsergebnissen, legen die finalen 5-Jahres-Ergebnisse der SYNTAX-II-Studie nahe.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg