Skip to main content
main-content

08.05.2016 | Nachrichten

Test in prospektiver Studie

ICD-Implantationen demnächst auch ambulant?

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Können Patienten nach der Implantation eines Kardioverters/Defibrillator (ICD) noch am selben Tag ohne Abstriche an der Sicherheit nach Hause entlassen werden? Dieser Frage ging die Gruppe um Dr. Ranjit Suri aus New York in einer beim HRS-Kongress vorgestellten prospektiven Studie nach.

Mittlerweile werden auch in der Kardiologie viele diagnostische und therapeutische Eingriffe, welche vor Jahren noch mit mehrtägigen Krankenhausaufenthalten verbunden waren, ambulant durchgeführt. Sowohl für den Patienten, der lieber zuhause schläft, für die Klinik, welche die Betten braucht, aber insbesondere die Kostenträger, welche zunehmend ihren Fokus auf Kostenersparnis legen, liegen die Vorteile ambulanter Eingriffe auf der Hand - sofern nicht die Patientensicherheit leidet.

Um diese Frage für die frühe Entlassung nach ICD-Implantation wissenschaftlich beantworten zu können, haben die Autoren erstmals prospektiv und randomisiert 323 Patienten eingeschlossen und entweder noch am selben Tag, unter telemetrischer Kontrolle, nach Implantation eines 1- oder 2-Kammer-ICD nach Hause entlassen oder erst am Folgetag.

Primärer Endpunkt war die prozedurale Komplikationsrate innerhalb von 30 Tagen nach Implantation. Sekundäre Endpunkte waren die medizinischen Kosten sowie die Lebensqualität des Patienten und die Komplikationsrate nach sechs Monaten.

Kein signifikanter Unterschied bei Komplikationen

Die Komplikationsrate war sowohl bei den ambulant (3,2%) als auch bei den stationär operierten Patienten (1,5%) niedrig und nicht signifikant unterschiedlich (p=0,37). Die durchschnittlichen Kosten pro  ICD-implantation lagen im ambulanten Setting bei 31.771 $ pro Patient und bei Entlassung am Folgetag bei 30.437 $ pro Patient. Der wider Erwarten nur relativ geringe Kostenunterschied von 1.334 $ war nicht signifikant. In Hinblick auf die Patientenzufriedenheit ergab sich ebenfalls kein signifikanter Unterschied.

Die Autoren schlussfolgern, dass aus primärprophylaktischen Gründen vorgenommene ambulante ICD-Implantationen bei bestimmten Patienten mit unmittelbarer telemedizinischer Anbindung möglich sein müssten.


Der Autor, PD Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
 

Literatur
Bildnachweise