Onlineartikel 01.02.2020

Im Spotlight: Dr. Victoria Johnson

kardiologie.org: Sie sind ja am Universitätsklinikum Gießen tätig. Was machen Sie da genau?

Dr. Victoria Johnson: Ich bin als Assistentin in Weiterbildung zur Kardiologin beschäftigt – aktuell befinde ich mich aber noch in Elternzeit bis April 2020. Sobald es in der Klinik für mich wieder losgeht, werde ich in meinem Schwerpunkt, dem Bereich Elektrophysiologie, weiterarbeiten. Zusätzlich widme ich mich der kardiologischen Lehre und betreue klinische Forschungsprojekte.

Dr. Victoria Johnson © DGK 

Wollten Sie schon immer Kardiologin werden und was waren Ihre Beweggründe?

Ich wollte tatsächlich schon immer Ärztin werden und meine erste Faszination für Kardiologie, genauer gesagt für Elektrokardiogramme, entdeckte ich während des Physiologie-Praktikums in der Vorklinik. Die endgültige Entscheidung Kardiologin zu werden,  fiel dann während meines praktischen Jahres – die Möglichkeit EKGs zu befunden, Herzrhythmusstörungen zu erkennen, zu behandeln und dazu auch operativ tätig zu sein, ist für mich perfekt.

Was fasziniert Sie an der Kardiologie?

Alles! Besondere Faszination hat für mich die Pathophysiologie, die den verschiedenen Erkrankungen zu Grunde liegt. Ich bin immer wieder begeistert von dem Verständnis, was das Herz alles leisten kann und welche Auswirkungen einzelne „Fehler“ auf den Gesamtmechanismus haben. Außerdem finde ich es sehr schön, dass das Patientenkollektiv so heterogen ist. Von dem jungen Patienten mit einer seltenen Ionenkanalerkrankung über die Myokarditis bis hin zur alten Dame mit einem akuten Herzinfarkt oder dekompensierter Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern – einfach ein breites und abwechslungsreiches Spektrum.

Dazu kommen die enorm vielfältigen therapeutischen Möglichkeiten: von der immer ausgefeilteren medikamentös-pharmakologischen Therapie bis hin zu einem katheter-basiertem Klappenersatz, Ablationen und Implantation von kardialen Devices. 

Sie sind ja Sprecherin der Young DGK. Was macht die Young DGK genau und was sind Ihre Aufgaben?

Seit April 2019 bin ich Sprecherin der YoungDGK. Zuvor war ich zwei Jahre lang als stellvertretende Sprecherin tätig. Die YoungDGK ist eine Sektion innerhalb der DGK, die mit dem Ziel gegründet wurde, die Interessen von jungen Kardiologinnen und Kardiologen, Studierenden und Ärzten in Weiterbildung innerhalb der Fachgesellschaft zu vertreten. Wir sind quasi das „Sprachrohr“ innerhalb der DGK für die junge Kardiologie.

 Indem wir beispielsweise dazu beitragen, zahlreiche auf unseren Bedarf zugeschnittene Fortbildungen, Stipendien und Förderungsmöglichkeiten zu initiieren, steigern wir auch die Attraktivität der Fachgesellschaft für junge Kolleginnen und Kollegen. Das kommt wiederum einer  wissenschaftlich hochwertigen Patientenversorgung zugute.   

Die Young DGK bietet ja viele Angebote. Welche Kursangebote gibt es und für wen?

Aktuell bieten wir zwei eigene Kurs-Formate an, die durch uns als YoungDGK konzipiert und organisiert werden:

Die YoungDGK Autumn School, eine bereits seit 2013 zusammen mit Herrn Prof. Dr. Hamm erfolgreich initiierte Veranstaltung, die jedes Jahr in Gießen stattfindet. Hier steht das Lernen mit- und voneinander im Vordergrund, also von erfahrenen und jungen Kolleginnen und Kollegen. Zentraler Bestandteil ist auch das Netzwerken und vor allem Themen, die auf den Kongressen oft zu kurz kommen, wie etwa das Planen einer wissenschaftlichen Karriere oder Hilfe bei der Entscheidung zur Niederlassung. Wir laden jedes Jahr auch Kollegen aus benachbarten Disziplinen ein, um „über den Tellerrand“ zu schauen und ein interdisziplinäres Denken und Arbeiten zu fördern.

Der YoungDGK #interaktiv-Kurs, der dieses Jahr in Hannover stattgefunden hat, bildet einen fallbasierten Überblick der klinischen Kardiologie und richtet sich insbesondere an junge Kolleginnen und Kollegen zu Beginn der Weiterbildung. Dieser Kurs soll es den Teilnehmern ermöglichen, frühzeitig einen praxisnahen Einblick in das gesamte faszinierende Spektrum der Kardiologie zu bekommen. Gerade bei Berufsbeginn auf Normalstation kommt das leider oft zu kurz und wir möchten den Facettenreichtum aller Spezialgebiete der Kardiologie transportieren und deren Möglichkeiten aufzeigen.

Gibt es auch die Möglichkeit, sich direkt zu engagieren, auch wenn man nicht im Nukleus ist?

Klar! Wir versuchen so oft wie möglich die Sektion auch in unsere zahlreichen Projekte einzubeziehen: Angefangen von dem Schreiben von diversen Artikeln für unsere eigene Seite in der CardioNews, das Mitgestalten von wissenschaftlichen Sessions auf den DGK-Kongressen, bis hin zur aktiven wissenschaftlichen Teilnahme im Rahmen von Poster-Ko-Vorsitzen.

Diese Young DGK Poster-Ko-Vorsitze. Was ist das genau und wie kann man sich da bewerben?

Die YoungDGK Poster-Ko-Vorsitze sind eine tolle Chance, die uns die DGK und die Programm-Kommission einräumen: Junge Kardiologinnen und Kardiologen unserer Sektion können sich relativ formlos  bewerben und bekommen so die herausragende Gelegenheit, eine Poster-Session auf der Jahrestagung gemeinsam mit einem erfahrenen und auf dem Gebiet renommierten Kardiologen zu leiten und zu diskutieren.

Im Jahr 2019 konnten wir über 50 solcher Poster-Ko-Vorsitze ermöglichen! Das ist wirklich toll und wurde durchwegs positiv aufgenommen!

Gibt es auch Stipendien durch die Young DGK?

Ja! Und zwar eine ganze Menge, speziell maßgeschneidert für die YoungDGK Sektionsmitglieder: Es gibt Reisekostenstipendien neben der Autumn School der YoungDGK auch für viele DGK-Akademie Fortbildungen, die insbesondere für junge Kolleginnen und Kollegen spannend und lehrreich sind.

Zudem gibt es Forschungsstipendien wie das Otto-Hess- Promotionsstipendium, das DGK-Forschungsstipendium und ein Clinician-Scientist Stipendium. Ein Blick auf „Preise und Stipendien“ auf der DGK Homepage lohnt sich also!

Was war für Sie die größte Herausforderung als Ärztin?

Manchmal gibt es Situationen, die einen persönlich an die eigenen Grenzen bringen. Das kann ein schwieriger Fall sein, ein körperlich anstrengender Dienst oder auch das Organisieren der eigenen Ausbildung mit Kleinkind zu Hause. Für mich war es dann immer besonders wichtig, guten Rückhalt in meinem Team zu haben. Ich denke solche Herausforderungen sind aber letztlich als Chance zu begreifen um daran zu wachsen! 

Und zuletzt: Was würden Sie einem jungen Arzt/junge Ärztin in Weiterbildung in der Kardiologie für seine/ihre Nachtschicht als Rat mitgeben?

Dazu hab ich sogar gleich drei wertvolle Ratschläge: Erstens: Jeder noch so schwierige Nachtdienst hat irgendwann ein Ende! Zweitens: Manchmal hilft es, zuerst den eigenen Puls zu fühlen, bevor man den des Patienten fühlt! Und Drittens: Durchatmen zwischendurch nicht vergessen. Zusätzlich sollte man nicht vergessen, dass man immer nur im Team erfolgreich sein kann!