Nachrichten 01.07.2022

So sicher und effektiv sind Sondenextraktionen in Deutschland

Die Entfernung von Schrittmacher- oder ICD-Elektroden kann eine große Herausforderung sein. Auskunft darüber, wie sicher und effektiv Eingriffe zur Sondenextraktion in Deutschland sind, geben Daten des nationalen GALLERY-Registers.

Aus Gründen wie Infektionen oder Sondendysfunktion kann eine Entfernung von Schrittmacher- oder ICD-Elektroden angezeigt sein. Solche Eingriffe haben in jüngster Zeit erheblich an Bedeutung gewonnen.

Erst vor kurzem hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) deshalb zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz-und Gefäßchirurgie (DGTHG) in einem Konsensuspapier gemeinsame Empfehlungen zur Sondenextraktion erarbeitet. Darin werden erstmals Standards zur Durchführung solcher Eingriffe an Zentren in Deutschland unter Berücksichtigung praktischer, klinischer und juristischer Aspekte definiert.

Doch wie sicher und effektiv sind Eingriffe zur Entfernung von Elektroden implantierter kardialer Devices in der klinischen Alltagspraxis an diesen Zentren? Informationen dazu liefert eine retrospektive Analyse von Daten aus dem nationalen GALLERY-Register (German Laser Lead Extraction Registry).

Spiegel der klinischen Realität in Deutschland

Insgesamt 24 deutsche Zentren, die entsprechende Eingriffe durchführen, waren an dem Register beteiligt. Daten von 2524 konsekutiven Patientinnen und Patienten (mittleres Alter: 68 Jahre, 25% Frauen) mit insgesamt 6117 implantierten Elektroden, bei denen zwischen Januar 2013 und März 2017 eine lasergestützte Sondenextraktion vorgenommen worden war, gingen in die Analyse ein. Als weltweit größtes Register dieser Art repräsentiere GALLERY damit „die klinische Realität der Laser-Sondenextraktion in Deutschland“, so die Studienautoren um Prof. Simon Pecha vom Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg.

Behandelt wurden insgesamt 5499 Elektroden (pro Patient 2,18), deren mediane Verweildauer im Körper 96 Monate betrug. Von den zu entfernenden Sonden waren 3962 Schrittmacher- und 1537 ICD-Elektroden. Als Extraktionstool zur Laser-gestützten Sondenextraktion wurde bei 1853 Patienten ein GlideLight-Laserkatheter und bei 603 Patienten ein SLS II-Laserkatheter verwendet.

Häufigste Indikation für die Entfernung von Elektroden waren Device-bezogene Infektionen in knapp zwei Drittel der Fälle, wobei lokale Infektionen 35,18% und systemische Infektionen 28,61% aller Fälle ausmachten. Eine Sondendysfunktion war bei 30,75% der Patienten der Grund für den Eingriff.

Klinischer Prozedurerfolg in fast 98% der Fälle

Bei der Beurteilung des prozeduralen Behandlungserfolgs wurden die 2018 in einem „Consensus Statement" der European Heart Rhythm Association (EHRA) erarbeiteten Definitionen zu Grunde gelegt. Die Rate für den klinischen prozeduralen Erfolg der Sondenextraktion betrug demnach 97,86%. Eine komplette Entfernung des gesamten Elektrodenmaterials gelang bei 94,85% aller durchgeführten Extraktionsprozeduren. Die Rate für ein „Prozedurversagen“ wird mit 2,14% angegeben.

Die Gesamtrate an Komplikationen lag bei 4,32%, mit schweren Komplikationen in 2,06% und weniger schweren Komplikationen in 2,26% der Fälle. Von allen Patienten mit schweren Komplikationen konnten knapp 70% durch chirurgische Notfallmaßnahmen vor Schlimmerem bewahrt und ohne neurologische oder funktionelle Beeinträchtigungen aus der Klinik entlassen werden.

Sepsis war wichtigster Risikofaktor für In-Hospital-Mortalität

Die Rate an prozedurbezogenen Todesfällen (14 Patienten) beziffert die Gruppe um Pecha mit 0,55%. Die In-Hospital-Mortalität betrug 3,56% % (n = 90). Sepsis war dabei die wichtigste Todesursache in mehr als der Hälfte alle Fälle (n = 52).

Im Hinblick auf In-Hospital-Mortalität und prozedurale Komplikationen wurden mehrere Risikofaktoren identifiziert. Als unabhängige Prädiktoren für eine erhöhte Mortalität erwiesen sich vor allem systemische Infektionen, aber auch ein Lebensalter ≥75 Jahre und chronische Nierenerkrankungen. Prädiktiv für prozeduralen Komplikationen waren die Faktoren weibliches Geschlecht und das Vorhandensein von aufgegebenen Elektroden. Risikofaktor für ein „Prozedurversagen“ waren sich länger als zehn Jahre im Körper befindende Elektroden.

Nach Einschätzung der Studienautoren um Pecha sprechen diese Daten für eine „hohe Effektivität“ und ein „exzellentes Sicherheitsprofil“ der an Zentren in Deutschland praktizierten Sondenextraktion.

Literatur

Pecha S. et al.: The GermAn Laser Lead Extraction GallerY: GALLERY. Europace 2022, https://doi.org/10.1093/europace/euac056

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