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24.08.2018 | Invasive Diagnostik | Nachrichten

Versorgungsforschung

KARDIO-Studie: Wann in Deutschland Herzkatheteruntersuchungen bei Brustschmerz und KHK eingesetzt werden

Autoren:
Prof. Dr. med. Uwe Zeymer, Dr. Steffen Schneider, PD Dr. Michael Weber, Prof. Dr. med. Karl Werdan, Prof. Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff

Die Anzahl an Koronarangiografien variiert in Deutschland stark. Warum? Das soll in der KARDIO-Studie geklärt werden. Das Projektteam bittet Kardiologen, daran teilzunehmen.

Im Jahr 2010 variierte die Anzahl der Herzkatheteruntersuchungen pro Region in Deutschland erheblich. Sind diese Unterschiede allein auf ungleiche Morbiditätsstrukturen zurückzuführen? Oder gibt es Unterschiede in der Versorgung und den Behandlungsroutinen? Wie kann die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Diagnostik von Patienten mit Brustschmerzen oder äquivalenten Symptomen verbessert werden? Wie sehen die Bedingungen und Abläufe in unterschiedlichen Regionen in Deutschland aus?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die KARDIO-Studie, die sich in verschiedene Phasen unterteilt.

Regionale Variation und Einflussfaktoren

In der ersten Phase wird anhand von Routinedaten mehrerer Krankenkassen die risikoadjustierte Häufigkeit von Koronarangiografien untersucht und es werden – unter Zugrundelegung dieser Ergebnisse – versucht, Modelle zur Bedarfsgerechtigkeit zu entwickeln. Basierend auf der ersten Projektphase werden Hoch- und Niedrigversorger-Regionen ausgewählt. In diesen Regionen werden Patienten und Ärzte zu ihrer Entscheidung und Gründen für/gegen diagnostische Untersuchungen inklusive Koronarangiografie befragt (KARDIO-Studie, zweite Phase).

Behandlungspfade werden entwickelt

Als Intervention in der dritten Studienphase entwickeln regionale Akteure in vier ausgewählten deutschen Land- bzw. Stadtkreisen gemeinsame Behandlungspfade für Patienten mit Symptomen, die für eine KHK sprechen (z. B.  Brustschmerz). Diese Behandlungspfade sollen die regionale Zusammenarbeit verbessern und Ärzte unterstützen, die Leitlinien im Alltag umzusetzen (z. B. Klärung der Patientenpräferenzen durch Einsatz von Entscheidungshilfen). Sie werden dann im Rahmen einer prospektiven Vorher-Nachher-Interventionsstudie verglichen. In dieser Studie werden Patienten durch ihre behandelnden Ärzte (ambulante Kardiologen, Hausärzte, Krankenhäuser) in die Studie eingeschlossen.

Teilnahme von Kardiologen / Kardiologinnen ist wichtig

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) ist Projektpartner dieser Studie. Daher möchten wir Sie bitten, sich an der Studie zu beteiligen. Für das Gelingen des Projektes ist die Teilnahme von uns Kardiologinnen/Kardiologen essenziell. Sollten Sie in einer der ausgewählten Regionen tätig sein, wird das Studienteam der Kardio-Studie ggf. mit Ihnen Kontakt aufnehmen.

Kooperationspartner und Förderung

Die Studie ist ein großes dreijähriges Verbundprojekt und wird vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss aus Mitteln des Innovationsfonds zur Förderung von Versorgungsforschung gefördert.

Die DGK und die Stiftung Institut für Herzinfarktforschung sind als Kooperationspartner an dem Projekt beteiligt. Zudem unterstützt uns die Arbeitsgemeinschaft leitender kardiologischer Krankenhausärzte e.V. (ALLK). Auch das AWMF-Institut für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi) und das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) sind Partner in dieser Studie. Die Konsortialführung hat die Abteilung für Allgemeinmedizin, Rehabilitative und Präventive Medizin der Philipps-Universität Marburg (Prof. Norbert Donner-Banzhoff) inne.

Für die Entwicklung und Evaluation der Behandlungspfade kooperieren wir mit verschiedenen Abteilungen und Instituten für Allgemeinmedizin. Die quantitative Auswertung erfolgt durch das Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung am UKE Hamburg.

In der Studie zu Routinedaten sind Krankenkassen (AOK-Bundesverband und Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), BARMER und Techniker Krankenkasse) und der Fachbereich Health Service Management der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt. Das Teilprojekt 2 der KARDIO-Studie wird durch die Abteilung für Allgemeinmedizin Marburg durchgeführt.

Wichtiger Beitrag zur Versorgungforschung

In der vom Innovationsfonds geförderte KARDIO-Studie wird unter Teilnahme der DGK erstmals prospektiv untersucht, welche Einflussfaktoren bei der Indikationsstellung zur Koronarangiografie bei klinischem Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit eine Rolle spielen und ob es relevante regionale Unterschiede beim Einsatz der invasiven Diagnostik in Deutschland gibt. Sie ist daher ein wichtiger Beitrag zur kardiologischen Versorgungsforschung in Deutschland.

Die Beteiligung der DGK an der KARDIO-Studie bietet die Möglichkeit, im Verbund mit Hausärzten die leitliniengerechte invasive Koronardiagnostik unserer Patienten in Deutschland zu verbessern.

Kontakt

Wir freuen uns über Ihr Interesse. Wenden Sie sich bei Fragen gerne per Email an uns: astrid.lorentzenkutsch@staff.uni-marburg.de (Studienkoordinatorin: Astrid Lorentzen-Kutsch). Mögliche Studienteilnehmer in ausgewählten Regionen sprechen wir aktiv auf die Teilnahme an.


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