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01.02.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Robo-Doc am Katheter

Auf dem Weg zur ferngesteuerten Koronarintervention

Autor:
Philipp Grätzel

US-Kardiologen zeigen in einer Machbarkeitsstudie, dass eine perkutane Koronarintervention auch telemedizinisch erfolgen kann. Es gibt allerdings noch deutlichen Optimierungsbedarf.

Standen Kardiologen, die eine perkutane Koronarintervention (PCI) durchführen, die längste Zeit am Kathetertisch? Vielleicht. Künftig könnten sie sitzen und die Intervention bequem mit einem robotergesteuerten Katheter vornehmen. Das ist das Konzept robotergestützter PCI-Systeme, die seit einigen Jahren in Studien evaluiert werden.

Wissenschaftler um Dr. Ryan Madder von Spectrum Health in Minnesota haben auf das Roboterszenario jetzt noch eins drauf gesetzt: Sie untersuchten in der REMOTE-PCI-Studie, ob der Operateur das Roboter-PCI-System nicht auch per Datenleitung, also telemedizinisch bedienen kann.

Kommunikation mit dem „Lab“ nur über Telepräsenz

REMOTE-PCI war keine große Studie, sondern eine Machbarkeitsstudie mit zwanzig Patienten an einem einzelnen Zentrum. Das interventionelle Cockpit des robotergestützten PCI-Systems war in einem Raum in der Nähe des Katheterlabors untergebracht, knapp zwanzig Meter entfernt. Der Operateur hatte während der robotergestützten PCI keinerlei Sichtkontakt zum Personal im Kathetersaal und konnte mit den Mitarbeitern auch nicht direkt sprechen. Alle Kommunikation zwischen Arzt und Assistenzpersonal lief über eine Audio-Video-Verbindung. Zum Einsatz kam dabei ein Telepräsenz-System des Herstellers Cisco.

Im Katheterlabor befand sich ein Kardiologe, der den arteriellen Zugang legte und für die Angiographie zuständig war. Mit der PCI selbst hatte er dann aber nichts mehr zu tun. Sie wurde komplett von dem „Telekardiologen“ durchgeführt.

Im Mittel dauerten die Eingriffe 29 Minuten, die mediane Durchleuchtungszeit betrug 15,5 Minuten. Eine echte Kontrollgruppe gab es nicht. Es erfolgte aber ein Propensity-Score-Matching mit Patienten, bei denen die PCI ebenfalls robotisch erfolgte, allerdings mit dem Operateur in unmittelbarer Nachbarschaft des Kathetertisches. Im Vergleich zu dieser Gruppe war die Strahlenexposition der Patienten nicht höher.

Drahtlos geht noch nicht

Was die Ärzte in erster Linie interessierte, war die technische Erfolgsrate bei diesem Set-up. Sie betrug 86,4 %. Bei drei von 22 Patienten musste auf manuelle Stentimplantation gewechselt werden. Bei zweien war das erfolgreich, sodass die prozedurale Erfolgsrate am Ende 95,0 % betrug. Insgesamt habe die REMOTE-PCI-Studie damit gezeigt, dass ein „Tele-Stenting“ möglich sei, so die Autoren.

Das heißt natürlich nicht, dass es sofort einsetzbar wäre. So müsste das System insbesondere für einen Einsatz in abgelegenen Regionen drahtlos funktionieren. Derzeit ist noch eine Kabelverbindung zwischen Workstation und Robotersystem nötig, um eine fehlerfreie Übertragung von Bewegtbildern in der nötigen Qualität und in Echtzeit zu erreichen. Ein logistisches Problem ist zudem, dass beim derzeitigen Stand der Technik immer ein Arzt im Katheterraum sein muss, der den arteriellen Zugang legt und die Angiographie durchführt. Denn das schaffen die Robotersysteme bisher nicht.

Literatur

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