Nachrichten 29.08.2019

Bestimmt die Tageszeit über das Ausmaß eines Herzinfarkts?

Wie schwer die Folgen eines Herzinfarkts sind, scheint nicht von der Tageszeit abzuhängen, zu der er sich ereignet. Darauf weist eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung hin (DZHK).

Die meisten Herzinfarkte treten zwischen sechs Uhr morgens und zwölf Uhr mittags auf. Auch Herzrhythmusstörungen oder plötzliche Herztode ereignen sich eher vormittags. Doch beeinflusst der Zeitpunkt der ersten Symptome auch die Infarktschwere oder die Langzeitprognose der Patienten? Ein Münchner Forscherteam wollte das bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI), die sich einer Perkutanen Koronarintervention (PCI) unterzogen, überprüfen.

Forscher untersuchten Änderungen des Blutflusses

Die Arbeitsgruppe um Dr. Henrik Sager und Dr. Thorsten Kessler vom Herzzentrum München fand in ihrer Studie mit mehr als 1200 Patienten heraus, dass die Auswirkungen eines Herzinfarkts nicht von der Tageszeit abhängen. Sie teilten den Tag in vier Abschnitte: 0 bis 6 Uhr, 6 bis 12 Uhr, 12 bis 18 Uhr und 18 bis 24 Uhr. Die mithilfe von Myokardszintigrafie bestimmte Schwere der Infarkte unterschied sich kaum zwischen diesen Zeitfenstern.

Die Forscher ermittelten auch, wie viele der Patienten nach fünf Jahren noch lebten, um zu sehen, ob sich der Zeitpunkt des Herzinfarkts auf die Prognose auswirkt. Auch diesbezüglich konnten in Abhängigkeit von der Tageszeit keine Unterschiede festgestellt werden.

Tageszeit nicht mit Schwere des Herzinfarkts und Mortalität assoziiert

„Natürlich gibt es viele Faktoren, die bestimmen, wie schwer ein Herzinfarkt verläuft“, sagte Studienautor Sager in einer Pressemitteilung des DZHK. Etwa wie lange es dauert, bis das Gefäß wiedereröffnet wird oder welches der drei Herzkranzgefäße verschlossen ist. Diese Faktoren haben wir herausgerechnet.“

Dass bisherigere Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen kamen, was die Abhängigkeit des Herzinfarktausmaßes von der Tageszeit angeht, liegt laut Sager an zu kleinen Patientenkollektiven und zu kurzen Beobachtungszeiträumen.

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Bildnachweise
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK