Nachrichten 03.07.2017

Herzinfarkt bei nicht kardialen Operationen: wie häufig, wie gefährlich?

Auf etwa 100 nicht kardiale Operationen kommt ein Eingriff, bei dem perioperativ ein akuter Myokardinfarkt als Komplikation auftritt, belegen aktuelle Studiendaten aus den USA. In diesem Fall besteht ein erhöhtes Sterberisiko. Ein invasives Therapiemanagement scheint dieses Risiko reduzieren zu können.

Die Gefahr eines perioperativen kardialen Ereignisses hängt wesentlich vom präoperativen Risikoprofil und klinischen Zustand des Patienten sowie von der Art, Schwere und Dauer des chirurgischen Eingriffs ab.

US-Forscher um Dr. Sripal Bangalore aus New York haben in einer aktuellen Studie speziell den akuten Myokardinfarkt als kardiale Komplikation bei nicht kardialen Operationen genauer unter die Lupe genommen. Die Untersuchung sollte Aufschluss über die Häufigkeit dieser Komplikation und die Art der Behandlung sowie die dabei erzielten klinischen Ergebnisse im realen Praxisalltag geben.

Basis der Analyse bildeten in einer großen US-Datenbank gespeicherte Daten von knapp 9,6 Millionen Patienten, die zwischen 2005 und 2013 wegen größerer chirurgischer Eingriffe in US-Kliniken stationär aufgenommen worden waren. Berücksichtigt wurden nur Operationen, für die es keine kardialen Gründe gab. Primärer Endpunkt war die Mortalität in der Phase des Klinikaufenthaltes.

Herzinfarkt als Komplikation in 0,88 % der Fälle

Bei insgesamt 84.093 Eingriffen (0,88 %) war ein akuter Myokardinfarkt als Komplikation diagnostiziert worden. Mit einem Anteil von 78,8 versus 21,2 % waren dabei Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkte (NSTEMI) wesentlich häufiger als ST-Hebungs-Myokardinfarkte (STEMI).

Im untersuchten Beobachtungszeitraum zeigten perioperative Myokardinfarkte eine rückläufige Tendenz, ihre Zahl nahm von 898 im Jahr 2005 auf 729 im Jahr 2103 (jeweils pro 100.000 Operationen) ab. Diese Entwicklung verdankt sich primär einer STEMI-Abnahme.

Bei Patienten mit perioperativem Herzinfarkt kam es im Vergleich zu Patienten ohne diese Komplikation deutlich häufiger zu lebensbedrohenden Komplikationen wie kardiogener Schock (4,7 vs. 0,1 %) und Herzstillstand (5,2 vs. 0,3 %). Auch die Gesamtmortalität war dementsprechend in der Zeit des Klinikaufenthalts bei ihnen signifikant höher (18,0 vs. 1,5 %).

Erfreulicherweise stellten die Untersucher über die Zeit eine Abnahme der mit perioperativen Infarkten assoziierten In-Hospital-Mortalität fest; deren Rate sank von 20,1 % im Jahr 2005 auf 15,5 % im Jahr 2013.

Niedrigere Mortalität bei invasiver Strategie

Es liegt auf der Hand, dass eine invasive Behandlungsstrategie bei perioperativen Myokardinfarkten besondere Herausforderungen mit sich bringt. Vor allem das in dieser Situation bestehende hohe Blutungsrisiko erweist sich dabei als großes Hindernis.

Insofern verwundert nicht, dass sich die Ärzte nur bei einer Minderheit (20,8 %) der analysierten Patienten mit perioperativem Infarkt für ein invasives Therapiemanagement entschieden hatten. Von diesen Patienten waren dann wiederum 37,3 % einer koronaren Revaskularisation (perkutane Koronarintervention in 82,4 %, Bypass-OP in 16,5 % der Fälle) unterzogen worden.

Ein Vergleich von mehr als 34.000 „gematchten“, also weitgehend merkmalsgleichen Patienten (propensity-matched cohort) mit invasivem oder konservativem Therapiemanagement ergab, dass die invasive Vorgehensweise mit einer signifikant niedrigeren In-Hospital-Mortalität assoziiert war (8,9 vs. 18,1 %). Ob dieser Unterschied auf die Wahl der Behandlungsstrategie oder doch eher auf statistische „Verzerrungen“ durch unerkannte Einflussfaktoren – etwa Blutungen – zurückzuführen ist, lässt sich mit der von Bangalore und Kollegen vorgenommenen Analyse jedoch nicht klären.

Literatur

Smilowitz NR et al. Perioperative acute myocardial infarction associated with non-cardiac surgery. Eur Heart J. 2017, online 1. Juli. doi: 10.1093/eurheartj/ehx313

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