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18.10.2016 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Positiver Begleiteffekt

CT-Angio motiviert Patienten zur Lebensstiländerung

Autor:
Veronika Schlimpert

Nach einer CT-Koronarangiografie waren Teilnehmer einer randomisierten Studie besonders motiviert, ihren Lebensstil entsprechend anzupassen. Doch welche Konsequenz hat dieses Ergebnis?

Kann die Wahl des Diagnoseverfahrens entscheidend sein, ob KHK-Patienten ihren Lebensstil ändern oder nicht? Einer randomisierten Studie zufolge scheint eine Anpassung des Lebensstils wohl tatsächlich wahrscheinlicher, wenn bei Patienten mit KHK-Verdacht eine CT-Koronarangiografie (CTA) statt einer funktionellen Testung vorgenommen wird.

Prophylaktische Therapie wird eher begonnen

So haben in dieser Untersuchung 60 Tage nach einer CTA-Diagnostik mehr Patienten begonnen, ein Aspirin, ein Statin oder Betablocker einzunehmen, als nach einer Stress- bzw. Belastungs-Echokardiografie oder nuklearen Stresstests (entsprechend 11,8 vs. 7,8%; 12,7 vs. 6,2% und 8,1 vs. 5,3%). Zudem war es wahrscheinlicher, dass die mit einer CTA untersuchten Patienten eine gesündere Ernährungsweise annahmen. 

Nach KHK-Diagnostik mehr Motivation, Sport zu treiben

Allerdings war die Motivation zum Abnehmen, Sport zu treiben oder das Rauchen aufzugeben, unabhängig vom jeweiligen Diagnoseverfahren ähnlich ausgeprägt: in der CTA-Gruppe nahmen innerhalb der 60 Tage 2,8% und mit funktioneller Testung 2,3% der Patienten ab, das Rauchen gaben entsprechend 3,6 und 3,2% auf und ein Trainingsprogramm starteten 24,9 und 24,4% der Teilnehmer.

Positive Testresultate als Ansporn

Besonders motiviert waren vor allem Patienten, deren Testresultat positiv ausgefallen war oder bei denen eine frühe Revaskularisierung vorgenommen werden musste. So war die Wahrscheinlichkeit im Falle einer Revaskularisierung deutlich höher, dass die Patienten sich gesünder ernähren, mit Sport beginnen oder das Rauchen seien lassen (adjustierte Odds Ratio, OR: 2,43; 1,88 und 0,26) 

Für ihre Analyse haben die Studienautoren um Jospeh Ladapo von der University of California in Los Angeles 10.000 Patienten mit Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung entweder einer CTA oder einer funktionellen Testung via Stress-, Belastungs-Echokardiografie oder nuklearen Stresstest zugeteilt und 60 Tage später die Veränderungen in der Medikation und des Lebensstils in beiden Gruppen erfasst. 

In der entsprechenden Publikation betonen Ladapo und Kollegen, dass beide Diagnoseverfahren – egal ob morphologisch oder funktionell – die Motivation der Patienten, eine prophylaktische Medikation einzunehmen und ihren Lebensstil entsprechend anzupassen, steigern konnten. Die Durchführung einer solchen Diagnostik könnte somit eine Möglichkeit darstellen, die Gesundheit der Patienten zu beeinflussen, schreiben sie. 

Über die Gründe, warum die CTA in dieser Untersuchung einen diesbezüglich größeren Effekt erzielt hat, können die Wissenschaftler allerdings nur spekulieren. Die CTA könne eine Vielzahl an Informationen liefern, beispielsweise auch über das Vorliegen einer nichtobstruktiven Arteriosklerose oder von Koronarkalk, die das Verhalten der Ärzte und das der Patienten womöglich beeinflussen könnten. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient nach dem Testergebnis wurden in dieser Studie jedoch nicht erfasst; ebenso gibt es keine Daten dazu, wie die jeweiligen Ergebnisse in die Versorgung der Patienten integriert wurden. 

Konsequenzen für die Praxis?

Zudem stellt sich die Frage, welchen Einfluss dieses Studienergebnis auf die Praxis haben könnte. Denn ob und welches Diagnoseverfahren bei KHK-Verdacht zum Einsatz kommt, hängt hauptsächlich von der individuellen Risikokonstellation, sprich der Vortestwahrscheinlichkeit der Patienten, ab. 

Nach den aktuellen Leitlinien kann eine CTA bei Patienten in einem niedrigen Bereich der mittleren Vortestwahrscheinlichkeit (< 50 %) zum Ausschluss einer stenosierenden KHK erwogen werden. Die durch eine solche Diagnostik gesteigerte Motivation der Patienten ist sicher ein positiver Begleiteffekt, stellt wohl aber keinen initialen Grund dafür dar, eine CTA durchzuführen.

Literatur