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16.02.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Versorgungsforschung KHK

Deutschland: FFR-Messungen bei Koronarangiografien variieren stark

Autor:
Philipp Grätzel

Nur bei etwa einem von 30 Patienten mit stabiler Angina pectoris erfolgt im Rahmen der initialen Koronarangiografie in Deutschland eine Messung der fraktionellen Flussreserve (FFR) zur Beurteilung der hämodynamischen Bedeutung von Koronarstenosen. Wichtigster Prädiktor für den Einsatz dieser Methode ist das Zentrum, an dem der Patient landet.

Daten zum Einsatz spezifischer Katheterprozeduren sind in Deutschland notorisch schwer zu erheben. Experten von acht kardiologischen Einrichtungen deutschlandweit haben sich jetzt die Mühe gemacht, anhand des Koronarangiografie- und PTCA-Registers der Arbeitsgemeinschaft Leitender Kardiologischer Krankenhausärzte (ALKK) zu analysieren, wie häufig in Deutschland bei Koronarpatienten die Bestimmung der fraktionellen Flussreserve (FFR) erfolgt und von welchen Faktoren die Nutzung der FFR abhängt. Die mithilfe eines speziellen Druckdrahts ermittelte FFR ist eine Kennziffer, die angibt, wie sehr eine Stenose den koronaren Blutfluss einschränkt und so Myokardischämien bewirkt.

Dem Register liegen Daten aus 50 Krankenhäusern unterschiedlicher Größe zugrunde, die in den Jahren 2010 bis 2013, auf die sich die Auswertung bezieht, insgesamt rund 256.000 Koronarangiografien durchgeführt haben. Von der Auswertung ausgeschlossen wurden unter anderem alle Patienten mit akutem Koronarsyndrom, alle Patienten ohne pathologischen Koronarbefund, alle Patienten mit chronischem Gefäßverschluss und alle Patienten mit primärer Kardiomyopathie oder mit Indikation für einen herzchirurgischen Eingriff.

Quote für FFR-Messung bei 3,2 %

Übrig blieben schließlich rund 100.000 Patienten mit stabiler Angina pectoris und pathologischem Koronarbefund. 3,2 % dieser Patienten erhielten nach der Angiografie eine FFR-Messung. Die tatsächliche Quote dürfte nicht nur deutschlandweit, sondern auch für die ALKK-Krankenhäuser geringer sein. Denn 12 Krankenhäuser wurden von der Auswertung ausgenommen, weil sie in den Indexjahren insgesamt weniger als fünf FFR-Messungen durchführten.

Ein operativer oder interventioneller Eingriff wurde nach der FFR-Messung 47 % der Patienten empfohlen, die anderen wurden zunächst konservativ therapiert. In der Gruppe ohne FFR-Messung lag der Anteil der Patienten mit invasiver Therapieempfehlung mit etwa 50 % nur geringfügig höher.

Auf der Sicherheitsseite war die FFR nicht mit einer erhöhten Rate an periprozeduralen Komplikationen assoziiert. Insgesamt seien die FFR-Quoten in Deutschland in der realen Versorgung relativ niedrig, so die Autoren. Die FFR werde empfohlen, wenn es keine objektiven Hinweise auf eine anatomisch mit der Stenose in Zusammenhang zu bringende Ischämie gebe. Diese Empfehlung werde nicht konsequent umgesetzt.

Seit 2014 mit geändertem Abrechnungsmodus

Besonders hervorgehoben werden von den Autoren die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen. So bewegte sich die FFR-Rate institutionsbezogen in einem Korridor zwischen 0,1 und 8,8 %. Die Einrichtung, in der der Patient behandelt wird, war damit der stärkste Prädiktor für die Durchführung einer FFR, weit vor Alter, Geschlecht, Vorbehandlung oder Niereninsuffizienz.

Über die untersuchten drei Jahre hinweg stiegen die FFR-Quoten insgesamt leicht an. Nicht beantworten kann die jetzt publizierte Untersuchung die Frage, was mit den FFR-Raten ab dem Jahr 2014 passiert ist. Das wäre deswegen interessant, weil in diesem Jahr der Abrechnungsmodus für die FFR dahingehend geändert wurde, dass sie besser – wenn auch noch nicht kostendeckend – abrechenbar ist.

Literatur