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23.06.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Herzinfarkt durch Silikon vorgetäuscht?

Elektrisierend: Silikonkissen verwirren das EKG

Autor:
Philipp Grätzel

Brustimplantate können nicht nur Männern den Kopf verdrehen, sondern auch T-Wellen. Eine neue Untersuchung zeigt, dass insbesondere über der Vorderwand EKG-Veränderungen auftreten können, die eher nicht vom Herzen kommen.

In der bei der EHRA EUROPACE – CARDIOSTIM-Tagung in Nizza vorgestellten Studie haben Kardiologen um Dr. Sok-Sithikun Bun insgesamt 28 Frauen mit Brustimplantaten und 20 Kontrollprobandinnen untersucht. Bun praktiziert am Princess Grace Hospital in Monaco an der Côte d’Azur, mithin in einer Gegend, wo EKG häufiger mal auf Silikon treffen dürfte.

Alle teilnehmenden Frauen waren gesund und hatten in der bei Brustimplantaten nicht einfachen, aber machbaren Echokardiografie keine strukturelle Herzerkrankung oder sonstige Hinweise auf kardiale Pathologien. Jedes 12-Kanal-EKG wurde von zwei unabhängigen, erfahrenen Elektrophysiologen ausgewertet, die hinsichtlich Geschlecht, Alter, Anamnese und dem Vorliegen von Implantaten im Unklaren gehalten wurden.

In der Kontrollgruppe ergab sich das bei gesunden Frauen zu erwartende Bild. Einer der beiden Elektrophysiologen klassifizierte sämtliche EKGs der 20 Kontrollprobandinnen als normal. Der andere hatte lediglich an einem EKG etwas auszusetzen und wertete es als nicht normal, ein Anteil von 5 % also.

In der Gruppe der Frauen mit Brustimplantaten sah das ganz anders aus. Der eine Elektrophysiologe wertete hier 38 % der EKGs als nicht normal, der andere sogar 57 %. „Nachdem sich die Frauen in den beiden Gruppen im Wesentlichen durch die Brustimplantate unterschieden, denken wir, dass das der Grund für die Fehlinterpretationen war“, so Bun.

Der häufigste pathologische Befund, den die Elektrophysiologen bei Implantat-Trägerinnen fanden, waren negative T-Wellen, häufig in den Ableitungen V1 bis V4, nicht immer, aber oft assoziiert mit ST-Streckensenkungen. Während negative T-Wellen eher unspezifisch sind, kann eine ST-Senkung bei passender Symptomatik für ein Ischämiezeichen gehalten und entsprechend fälschlich eine koronare Herzerkrankung oder gar ein Herzinfarkt angenommen werden. Wahrscheinlich, so Bun, wirkten die Implantate als eine Art elektrischer Störsender für die EKG-Signale.

Die monegassische Studie kann durchaus praktische Implikationen haben. Zum einen kann es Sinn machen, bei Frauen mit auffälligem EKG zumindest nach Implantaten zu fragen, wenn das nicht ohnehin offensichtlich ist. Zum anderen sollte der Arzt sich bei Implantat-Trägerinnen im Zweifel nicht auf das EKG alleine verlassen, sondern auch Bluttests zurate ziehen. Bun empfahl außerdem, ein EKG anzufertigen, bevor die Brustimplantate eingesetzt werden und das dann als Referenz aufzuheben.

Literatur

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