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29.06.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

HeartStrong-Studie

Digital unterstützte Adhärenz-Offensive nach Herzinfarkt verpufft

Autor:
Philipp Grätzel

Enttäuschung an der Compliance-Front: Eine große, randomisierte Studie fand keinen Effekt adhärenzfördernder Maßnahmen nach Herzinfarkt – obwohl gleich drei Konzepte kombiniert wurden.

Patienten nach Herzinfarkt sollten ihre Arzneimittel möglichst regelmäßig einnehmen: Mit der klassischen medikamentösen Sekundärprävention lassen sich Reinfarkte verhindern. Und dass Patienten mit frisch implantierten Stents von einer konsequenten Einnahme der Thrombozytenaggregationshemmer profitieren, ist auch kein Geheimnis.

Die von mehreren US-Gesundheitsorganisationen initiierte, randomisierte, kontrollierte, einfach verblindete HeartMate-Studie hat vor diesem Hintergrund versucht, die Arzneimittel-Adhärenz bei Herzinfarktpatienten zu verbessern – und ist damit unerwartet deutlich gescheitert. Konkret wurden 1.509 Herzinfarktpatienten aus unterschiedlichsten medizinischen Einrichtungen in den USA im Mittel 40 Tage nach dem Ereignis im Verhältnis eins zu zwei randomisiert zu entweder konventioneller Versorgung oder einer Adhärenzintervention, die aus drei Komponenten bestand.

Zum einen kam eine elektronische Pillendose zum Einsatz, das Produkt Vitality Glowcap, das unter anderem registriert, wenn Tabletten entnommen werden und Erinnerungen generiert, sollte das einmal vergessen werden. Zusätzlich wurde ein Belohnungssystem implementiert, eine Art Lotterie, bei der es Geldgeschenke zu gewinnen gab, wenn die Tabletten pünktlich eingenommen wurden, und zwar bis zu 50 Euro. Dritte Komponente war eine Support-Funktion, die es den Patienten erlaubte, sich und ihre elektronische Pillendose mit Freunden und Verwandten zu vernetzen, die auf diese Weise je nach Einnahmeverhalten positives oder negatives Feedback geben konnten.

Der ganze Aufwand half nichts

Das alles half freilich nichts. Die Studie hatte einen primären klinischen Endpunkt, nämlich Zeit bis zur ersten Revaskularisierung oder Tod. Hier gab es praktisch keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Genauso sah es bei den sekundären Endpunkten „Zahl der Hospitalisierungen“ und „Zeit bis zur ersten Hospitalisierung gleich welcher Ursache“ aus.

Das mag man noch wegstecken, klinische Endpunkte sind eben schwer zu erreichen. Gravierender ist, dass die Intervention schlicht nicht funktionierte. Es gab keinen Effekt der „Dreifachkombination“ auf die Compliance. Im einen Fall nahmen die Patienten 46 % der Tage ihre Pillen nach Vorschrift ein, im anderen Fall 42 % der Tage. Das war weit entfernt von jeder Signifikanz.

Woran hat es gelegen?

Die Autoren diskutieren mögliche Gründe für dieses etwas unerwartete Ergebnis, tun sich aber spürbar schwer mit einer Erklärung. Das Handling der Pillendosen könnte zu umständlich gewesen sein. Unerwünschte Ereignisse, die die Compliance-Intervention nicht adressierte, könnten das Kernproblem gewesen sein. Patienten in der Kontrollgruppe könnten auch „übermotiviert“ gewesen sein, wobei die Quote an Tagen mit korrekter Einnahme insgesamt nicht besonders hoch war. Es wurden also schon die richtigen Patienten eingeschlossen.

Literatur

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