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05.09.2016 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

KHK-Verdacht abklären

Funktionelle Bildgebung reduziert unnötige Koronarangiografien

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Die randomisierte CE-MARC 2-Studie zeigt, dass mit Hilfe funktioneller Bildgebung in der KHK-Abklärung unnötige invasive Koronarangiografien verhindert werden – im Vergleich zu einem Vorgehen, das in der britischen NICE-Leitlinie empfohlen wird.

Es gibt viele Wege, einen KHK- Verdacht abzuklären, eine Risikostratifizierung des Patienten vorzunehmen und zu entscheiden, ob eine Revaskularisation nötig ist. Häufig eingesetzt wird die myokardiale Perfusionsszintigrafie. Zunehmend setzt man auf die kardiovaskuläre Magnetresonanztomografie. Vielerorts wird aber noch zu schnell primär invasiv eine Koronarangiografie veranlasst, mit dem Resultat, dass bei vielen Patienten keine nennenswerten koronaren Obstruktionen gefunden werden.

Überlegenheit der MRT-Bildgebung

Wie lässt sich die Rate solcher unnötiger Herzkatheter-Untersuchungen reduzieren? Dies herauszufinden war Ziel der sog. CE-MARC 2-Studie. Sie verglich drei Strategien bei 1.202 Patienten mit KHK-Verdacht: Magnetresonanztomografie, Perfusions-Szintigrafie und ein Vorgehen gemäß britischer NICE-Leitlinie.

Heraus kam: Nach 12 Monaten hatten 42,5 % der gemäß NICE-Leitlinie abgeklärten Patienten eine Koronarangiografie, aber nur 17,7 % der Patienten in der MRT-Gruppe und 16,2 % in der Szintigrafie-Gruppe. Unnötige Herzkatheter-Untersuchungen bei Patienten ohne KHK gab es bei 28,8 % der Patienten in der Leitlinien-Gruppe, aber nur zu 7,5 % in der MRT-Gruppe und zu 7,1 % in der Szintigrafie-Gruppe. Klinische Komplikationen nach 12 Monaten waren mit 1,7, 2,5 und 2,5 % nicht unterschiedlich.

Somit erwies sich das MRT dem Vorgehen gemäß NICE-Leitlinien als überlegen, nicht jedoch der Szintigrafie.

Besonderheiten der NICE-Leitlinie

Für deutsche Verhältnisse bringt die Studie jedoch wenig neue Erkenntnisse. Denn die NICE-Leitlinien unterscheiden sich von den bei uns gültigen europäischen Leitlinien deutlich bei der Indikationsstellung des Herzkatheters. Dieser wird in Großbritannien bereits bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von 60 % empfohlen.

Die EU-Leitlinien verlangen dafür aber eine 80%ige Vortestwahrscheinlichkeit, erläuterte Prof. Holger Thiele, Direktor der kardiologischen Universitätsklinik in Lübeck. Dass ein so niedriger Schwellenwert wie in England zu vielen unnötigen Herzkathetern führt, überrascht nicht wirklich. Spannend wäre ein Vergleich der primären funktionellen Bildgebung mit der in der EU-Leitlinie empfohlenen Vorgehensweise.

Literatur

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