Nachrichten 08.10.2019

Gehgeschwindigkeit gibt Auskunft über Erhalt der Arbeitsfähigkeit nach Schlaganfall

Jeder vierte, der einen Schlaganfall erleidet, ist noch im berufstätigen Alter. Ein erheblicher Teil von ihnen ist danach nicht mehr arbeitsfähig. Offensichtlich existiert ein Zusammenhang zwischen der Gehgeschwindigkeit nach dem Schlaganfall und der Rückkehr ins Arbeitsleben.

Mehr als jeder vierte muss nach einem Schlaganfall damit rechnen, in Rente geschickt zu werden – in erster Linie aufgrund von Gehbehinderungen. Das Hauptanliegen dieser britischen Studie an der Manchester Metropolitan University war die Bestimmung der Gehfähigkeit nach einem Schlaganfall. Im Fokus stand dabei die Gehgeschwindigkeit. In einem zweiten Schritt wurde untersucht, ob man anhand des Gehvermögens eine Aussage über einen künftigen Wiedereintritt ins Arbeitsleben treffen kann.

Einsatz von dreidimensionaler Ganganalyse

Dazu wurden die Daten von 46 Schlaganfallpatienten im Alter von 18 bis 65 Jahren aus verschiedenen Krankenhäusern mit denen von 15 Kontrollen ohne Schlaganfall aber ansonsten gematchten Teilnehmern verglichen. Zeitliche und räumliche Gehparameter wurden mit Hilfe der dreidimensionalen instrumentellen Ganganalyse gemessen. Erfasst wurde auch der Energie- und Sauerstoffverbrauch während einer dreiminütigen Geheinheit. Die Teilnehmer durften dabei die Gehgeschwindigkeit selbst bestimmen.

Wer schneller läuft, kann eher zurück an den Arbeitsplatz

Wie zu erwarten war, liefen die Schlaganfall-Patienten deutlich langsamer und unsicherer, als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Nur elf der 46 Studienteilnehmer kehrten nach dem Schlaganfall an ihren Arbeitsplatz zurück. Es zeigte sich, dass diejenigen, die mindestens 0,93 Meter in der Sekunde zurücklegen konnten, mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit langfristig wieder arbeitsfähig wurden. Neun der Patienten, die wieder arbeiten konnten, waren schneller als dieser festgelegte Schwellwert gelaufen.

Es zeigt sich damit, dass die Gehgeschwindigkeit ein klarer Prädiktor für die Rückkehr ins Arbeitsleben ist. Die Autoren empfehlen deswegen, in der Rehabilitation besonders auf das Gehvermögen und zwar sowohl auf die Geschwindigkeit als auch auf die die Gehqualität zu achten.

Literatur

Jarivs HL et al. Return to Employment After Stroke in Young Adults. Stroke 2019;26. Sept. doi 10.1161/STROKEAHA.119.025614

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Vortrag von St. Massberg/© DGK 2019
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Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK