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11.04.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Studie bei Männern

Graues Haar – Indikator für vermehrte Herzprobleme?

Autor:
Peter Overbeck

Männer mit grauen oder weißen Haaren scheinen nach Beobachtungen ägyptischer Forscher anfälliger für eine koronare Herzerkrankung zu sein. Als Ursache der Herzprobleme ist der Farbverlust des Haarschopfes dabei aber sicher nicht zu verstehen.

Aufgrund der mit  fortschreitendem Alter nachlassenden Pigmentproduktion in den Haarwurzeln werden die Haare der meisten Menschen früher oder später grau oder weiß. Mit zunehmenden Alter entwickeln zugleich immer mehr Menschen kardiovaskuläre Erkrankungen. Insofern ist eine Assoziation von Grauhaarigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen naheliegend. Die Frage ist, ob eine entsprechende Veränderung der natürlichen Haarfarbe ein früher Hinweis auf ein überdurchschnittlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko ist.

Nach einer Studie ägyptischer Forscher um die Kardiologin Dr. Irini Samuel aus Kairo scheint das der Fall zu sein. Samuel hat die Ergebnisse der prospektiven Beobachtungsstudie beim Kongress EuroPrevent 2017 der European Association of Preventive Cardiology (EAPC) in Malaga vorgestellt.

Teilnehmer waren  545 erwachsene Männer mit Verdacht auf KHK, die zur Abklärung einer koronaren CT-Angiografie unterzogen wurden.  Je nach CT-Ergebnis wurden sie in Subgruppen mit und ohne Koronarerkrankung eingeteilt. Außerdem wurden bei ihnen je nach Anteil an grauen und weißen Haare auf dem Kopf eine Gradeinteilung in fünf Gruppen (hair whitening score 1 bis 5) vorgenommen.  Grad 1 bedeutete komplett schwarzes Haar, Grad 5 komplett weißes Haar.

Das Ergebnis: Ein höherer hair whitening score (Grad 3 oder höher) war mit einem erhöhten  KHK-Risiko assoziiert – und zwar unabhängig vom Alter und von vorhandenen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie, Dyslipidämie, Rauchen  oder Diabetes. Männer mit nachgewiesener KHK hatten einen signifikant höheren „Weißhaarigkeit-Score“ als Männer ohne KHK.

Gleiche Pathomechanismen?

Grau- oder Weißhaarigkeit und Koronarerkrankungen bedingen sich allerdings nicht gegenseitig, vielmehr beruht ihre Entwicklung vermutlich auf den gleichen Pathomechanismen. Die Haare werden grau, wenn die DNA-Reparatur nicht mehr adäquat funktioniert, reaktive Sauerstoffspezies im Übermaß produziert werden (oxidativer Stress), entzündliche Prozesse  im Gang sind und sich der Hormonveränderungen verändert, so die Studienautoren. Die gleichen Mechanismen lägen auch der koronaren Atherosklerose-Entwicklung zugrunde.

Nach Ansicht von Studienleiterin Samuel deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ergraute Haare unabhängig vom tatsächlichen Alter ein Hinweis auf das – damit nicht immer übereinstimmende -  biologische Alter eines Menschen sind und ein Warnzeichen für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko sein könnten. Sollten die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigt werden, könnte ein standardisiertes Scoring-System zur Beurteilung von Grauhaarigkeit womöglich als Prädiktor für Koronarerkrankungen genutzt werden, so Samuel.

Literatur

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