Nachrichten 19.04.2017

Herz-CT: Stellenwert in der KHK-Diagnostik wird zunehmen

Die kardiale Computertomografie (CT) wird künftig weiter an Bedeutung in der Früherkennung von Kalkablagerungen und der Untersuchung von Koronargefäßen gewinnen, prognostiziert Prof. Hugo Katus aus Heidelberg.

Die kardiale Computertomografie ist in den zurückliegenden Jahrzehnten technisch erheblich verbessert worden. So konnte etwa die damit verbundene Strahlenexposition für die Patienten deutlich reduziert werden. Die verbesserte räumliche Auflösung erlaubt inzwischen eine präzise Darstellung auch von kleinen Strukturen in den Koronararterien.

Häufigste Anwendung findet die kardiale CT derzeit als CT-Koronarangiografie (CCTA). Gegenüber der invasiven Koronarangiografie hat sie den Vorteil, dass es sich um ein nicht invasives diagnostisches Verfahren handelt, betonte DGK-Präsident Katus auf der Eröffnungs-Pressekonferenz zur DGK-Jahrestagung 2017 in Mannheim.

Aufgrund der präzisen Darstellung der Koronaranatomie erreicht die CCTA eine hohe Sensitivität und einen hohen negativen prädiktiven Wert. Somit lasse sich mit diesem Verfahren eine koronare Herzerkrankung mit hoher Präzision ausschließen, berichtete Katus. Dank des hohen negativen prädiktiven Wertes der CCTA sei keine invasive Herzkatheteruntersuchung mehr notwendig. In den europäischen Leitlinien wird die Anwendung der CCTA bei Patienten mit einer relativ niedrigen Prätestwahrscheinlichkeit für eine KHK empfohlen.

CT-Untersuchungen sind in aller Regel Sache der Radiologen. Die Indikationsstellung zum Herz-CT und die Interpretation der Befunde erforderten allerdings kardiologischen Sachverstand, betonte Katus. Somit sei eine enge Kooperation beider Fachrichtungen gefordert.

In Großbritannien hat das National Institute for Clinical Excellence (NICE), dessen Empfehlungen einen hohen Stellenwert im staatlichen britischen Gesundheitswesen haben, die CCTA kürzlich deutlich aufgewertet. Sie hat nun den Rang der KHK-Erstliniendiagnostik. Sie soll demnach zur Anwendung kommen, wenn klinisch typische oder auch untypische Angina pectoris-Symptome bestehen oder wenn bei klinisch eher nicht kardialen Beschwerden Angina pectoris-typische EKG-Veränderungen gefunden werden, also (nicht infarkttypische) Veränderungen von ST-Strecke oder T-Welle beziehungsweise Q-Zacken.

Bezogen auf Deutschland erteilte Katus einer solchen Aufwertung der CCTA allerdings derzeit eine klare Absage.

Literatur

Eröffnungs-Pressekonferenz zur 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 19.–22. April 2017, Mannheim

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Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs, Mohamed Marwan, Universitätsklinikum Erlangen
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