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04.07.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Kardiovaskuläres Risiko

Schlaue Kinder, gesündere Gefäße?

Autor:
Philipp Grätzel

Eine prospektive Studie mit 68 Jahren Follow-up? Wissenschaftler aus Schottland haben das hinbekommen. Sie zeigen, dass intelligente Kinder später weniger KHK und weniger Schlaganfälle haben. Bleibt die Frage, woran das liegt.

Im Jahr 1947 wurde in Schottland bei nahezu sämtlichen Schulkindern, die im Jahr 1936 geboren worden waren, ein allgemeiner Intelligenztest gemacht, der Scottish Mental Survery 1947. Über 70.000 Schüler nahmen an diesem Test teil. Den IQ-Test heutiger Prägung gab es damals noch nicht. Zum Einsatz kam der Moray House Test Nr. 12, bei dem die Schüler in verbalen und nonverbalen Aufgaben maximal 76 Punkte erreichen konnten.

Unter der Leitung des Psychologen Prof. Ian J. Deary von der Universität Edinburgh wurden die damaligen Resultate jetzt mit aktuellen Bevölkerungs- und Krankheitsdatenbanken abgeglichen, um herauszufinden, ob es statistische Zusammenhänge zwischen der Intelligenz kurz vor der Pubertät und späteren Erkrankungen bzw. Todesursachen gibt. Da als Stichtag das Jahr 2015 gewählt wurde, beträgt der Follow-up-Zeitraum 68 Jahre.

Höhere Intelligenz, niedrigere Sterblichkeit

Das Ergebnis fällt letztlich erwartungsgemäß aus, überrascht in seiner Ausprägung dann aber noch. Intelligenz im Kindesalter ist umgekehrt korreliert zu praktisch allen wichtigen Todesursachen. Pro Standardabweichung besserem Abschneiden im Intelligenztest – eine Standardabweichung waren etwa 15 Punkte – war die Sterblichkeit an Lungenerkrankungen um 28 % geringer, an koronarer Herzerkrankung um 25 %, an Schlaganfall um 24 %, an Verletzungen um 19 %, an mit Zigaretten in Zusammenhang stehenden Krebserkrankungen um 18 %, an Erkrankungen des Verdauungstrakts um 18 % und an Demenz um 16 %. All das war teilweise deutlich signifikant. Bei höherer Intelligenz ebenfalls seltener, aber nicht mehr signifikant seltener, waren Selbstmorde und andere Krebstode.

Nun gibt es einige offensichtliche Störgrößen, die dieses Ergebnis erklären könnten. Die Wissenschaftler haben mit Hilfe von Untergruppen, für die mehr Daten zur Verfügung standen, versucht, diesen Effekt in seiner Bedeutung abzuschätzen. Konkret wurde mit unterschiedlichen Methoden der sozioökonomische Status herausgerechnet, außerdem das Rauchen.

Unterschied im sozioökonomischen Status erklärt nicht alles

Die Wissenschaftler schätzen auf Basis ihrer Berechnungen, dass je nach Todesursache ein Drittel bis maximal zwei Drittel des Zusammenhangs zwischen niedriger Intelligenz und höherer Sterblichkeit durch niedrigen sozioökonomischen Status und/oder Rauchen vermittelt ist. Damit bleibt ein relevanter Anteil an mit niedriger Intelligenz assoziierten Todesfällen übrig, die sich nicht über sozioökonomischen Status oder Zigarettenrauchen erklären lassen.

Vor allem der Zusammenhang zwischen niedriger Intelligenz und Tod durch KHK sei auch nach Adjustierung noch ausgesprochen robust. Dasselbe gelte für Lungenerkrankungen, so die Wissenschaftler. Als mögliche Erklärungen werden Unterschiede im Gesundheitsverhalten diskutiert, die sich nicht ausschließlich auf die Unterschiede im sozioökonomischen Status zurückführen lassen. Zum anderen könnte es auch genetische Faktoren geben, die höhere Intelligenz mit geringerer Sterblichkeit verbinden.

Literatur

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