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15.12.2016 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Dänische Kohortenstudie

Herzinfarkt in jungen Jahren: Langzeitprognose immer besser

Autor:
Peter Overbeck

Die Lebenserwartung von  Personen, die schon vor dem 50. Lebensjahr einen Myokardinfarkt erleiden, hat sich  in den letzten Jahrzehnten immer weiter verbessert. Dennoch ist ihr  Sterberisiko im Vergleich zu dem der Allgemeinbevölkerung nach wie vor deutlich höher, belegen landesweit erhobene Daten aus Registern in Dänemark.

Wer schon als relativ junger Mensch von einem Myokardinfarkt betroffen ist,  denkt vielleicht besonders besorgt darüber nach, welche Folgen dieses Ereignis für sein künftiges Leben haben wird. Bleibt das Sterberisiko nach Überstehen der kritischen Postinfarktphase weiterhin erhöht und wenn ja, in welchem Maß?

Informationen dazu liefert nun eine umfangreiche Analyse einer dänischen Autorengruppe um Dr. Morten Schmidt vom Aarhus University Hospital. Ihren  Ergebnissen lässt sich eine gute und eine schlechte Nachricht entnehmen. Die gute: Die Langzeitsterblichkeit nach  früh  im Leben aufgetretenem Herzinfarkt hat in den letzten drei Jahrzehnten erheblich abgenommen. Die schlechte: Im Vergleich zur  Allgemeinbevölkerung ist das Sterberisiko noch immer etwa doppelt so hoch.

Die Gruppe um Schmidt hat für ihre Analyse zwischen 1980 und 2009 landesweit erhobene Daten aus miteinander verlinkten Gesundheitsregistern in Dänemark herangezogen. In diesem Zeitraum wurden 21.693 Patienten identifiziert, die schon vor Erreichen der 50. Lebensjahres einen Herzinfarkt erlitten hatten. Diesen Patienten wurden dann 216.930 Personen aus der Allgemeinbevölkerung nach Adjustierung  für Alter, Geschlecht und kardiovaskuläre sowie nicht kardiovaskuläre Komorbidität gegenübergestellt.

Mortalität seit Jahrzehnten rückläufig

In den drei Jahrzehnten zwischen 1980 und 2009 verringerte sich die 30-Tage-Mortalität bei den jüngeren Patienten mit Herzinfarkt von 12,5% (1980 bis 1989), 8,4% (1990 bis 1999) auf 3,2% (2000 bis 2009). Die Raten für die 10-Jahre-Mortalität bei denjenigen Patienten, die ein Jahr nach Infarkt noch lebten,  sanken in dieser Zeit von 24,2% über 12.7% auf nur noch 8,9%. Die entsprechenden 10-Jahre-Raten in die Allgemeinbevölkerung  betrugen in diesem Zeitraum 4,7%,  4,2% und 3,8%.

Die anfangs  noch enorme Differenz zwischen den Mortalitätsraten  in beiden Gruppen nahm dementsprechend im Lauf der Zeit immer weiter ab. Zu einer Angleichung kam es aber nicht: Im Zeitraum zwischen 2000 und 2009 war die Mortalitätsrate in der Gruppe der jüngeren Infarktpatienten noch immer fast doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung, was  rechnerisch sechs zusätzlichen Todesfällen pro 1000 Patienten entspricht.

Ischämische Herzerkrankung bleibt wichtigste Todesursache

Das erhöhte Risiko ist nach Angaben der Autoren auf höhere Sterberaten infolge kardiovaskulärer und pulmonaler Erkrankungen sowie Krebserkrankungen zurückzuführen. Als wichtigste Todesursache dominierte die ischämische Herzerkrankung.

Schmidt und seine Kollegen schätzen, dass die kontinuierliche Abnahme der Infarktsterblichkeit seit 1980 etwa zur Hälfte auf Verbesserungen der kardiovaskulären Prävention etwa durch  Verzicht auf Tabakkonsum zurückzuführen ist. Die andere Hälfte verdankt sich nach ihrer Ansicht nicht zuletzt der Einführung  der  frühen revaskularisierenden Therapie (Thrombolyse, PCI) bei Herzinfarkt. Auch revaskularisierende Maßnahmen (PCI, Bypass-OP) in der Zeit der Nachbehandlung  sowie eine optimierte Therapie  bei Hypertonie, Dyslipidämie und anderen Begleiterkrankungen dürften zur Prognoseverbesserung beigetragen haben.

Die Wahrscheinlichkeit, evidenzbasierte Therapien zu erhalten, sei erfahrungsgemäß  bei jüngeren Patienten  größer als bei älteren, erinnern  die Studienautoren. Sie gehen im Übrigen davon aus, dass die  Ergebnisse ihrer Analyse auch repräsentativ für andere westliche Industrieländer sind.

Literatur