Nachrichten 15.07.2019

Herzinfarkt ohne Koronarobstruktion: Jeder achte Betroffene ist nach einem Jahr tot

Myokardinfarkte ohne makroskopische Koronarobstruktion (MINOCA) sind vergleichsweise selten, aber wenn sie auftreten, gilt es wachsam sein. Sterblichkeit und Rehospitalisierungsraten sind hoch.

Bei etwa einem von 17 Patienten ab 65 Jahren mit akutem Myokardinfarkt findet sich in der Koronarangiografie kein Hinweis auf makroskopische Koronarstenosen mit 50 oder mehr Prozent Lumeneinengung. Das zeigt eine neue Auswertung des nationalen Katheterregisters CathPCI der US-Versicherung Medicare/Medicaid. Sie wurde jetzt im European Heart Journal publiziert.

Mehr als eine Viertelmillion Patienten aus den Jahren 2009 bis 2013 ging in die Analyse ein. Primärer Endpunkt waren schwere kardiovaskuläre Ereignisse in den zwölf Monaten nach dem Erstinfarkt, und zwar im Vergleich zu Myokardinfarktpatienten mit makroskopischer Koronarobstruktion (MICAD).

Die Auswertung zeigt, dass nicht nur MICAD-Patienten, sondern auch MINOCA-Patienten ein sehr hohes Risiko für erneute kardiovaskuläre Ereignisse haben. Zwar schneiden die MICAD-Patienten bei fast allen Endpunkten signifikant schlechter ab als die MINOCA-Patienten. Aber auch die absoluten Risiken der MINOCA-Patienten sind beachtlich. So hatten 27,6% der MICAD-Patienten, aber auch noch 18,7% der MINOCA-Patienten innerhalb eines Jahres ein erneutes schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis (MACE). Die Einjahressterblichkeit betrug in der MICAD-Gruppe 16,7% und in der MINOCA-Gruppe 12,3%.

Kaum ein Unterschied bei erneuten Klinikeinweisungen

Was die erneuten Krankenhauseinweisungen innerhalb eines Jahres angeht, gab es zwischen MICAD- und MINOCA-Patienten mit 41,1% gegenüber 38,2% kaum einen Unterschied. Das Risiko erneuter Klinikeinweisungen wegen Myokardinfarkt oder Herzinsuffizienz war bei MINOCA-Patienten etwas niedriger, dafür lagen beide Gruppen bei den Hospitalisierungen wegen Schlaganfall gleichauf.

Insgesamt belege die Analyse, dass MINOCA-Patienten ein erhebliches kardiovaskuläres Risiko aufwiesen, so die Autoren um Dr. Rachel Dreyer vom Center for Outcome Reserach and Evaluation und der der Yale Universität in New Haven. Die Daten zeigen auch, dass MINOCA-Patienten ein anderes Profil haben als MICAD-Patienten: Sie sind etwas jünger, aber vor allem sind drei von vier Betroffenen weiblich, gegenüber nur vier von zehn bei den MICAD-Patienten. Die Häufigkeit von Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen unterschied sich nicht.

Unklar sei, wie sich eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie auf die Prognose der Patienten auswirkt, betonen Dreyer und Kollegen. Die MINOCA-Patienten im CathPCI-Register wurden seltener leitliniengerecht behandelt, sodass ein Teil der Unterschiede zu den MICAD-Patienten auch auf unterschiedlich konsequente medikamentöse Anschlusstherapien zurückzuführen sein könnte. Das bleibt vorläufig aber eine Hypothese.

Literatur

Dreyer RP et al. Myocardial infarction with non-obstructive coronary arteries as compared with myocardial infarction and obstructive coronary disease: outcomes in a Medicare population. Eur Heart J 2019. doi: 10.1093/eurheartj/ehz403

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