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18.05.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Bioresorbierbarer Stent

Ist eine vielversprechende Technologie bereits am Ende?

Autor:
PD Dr. Thomas Lauer

Bioresorbierbare Scaffolds (BVS) haben initial für Furore in der interventionellen Kardiologie gesorgt. Zuletzt haben Berichte über erhöhte Scaffoldthromboseraten Zweifel am neuen Therapiekonzept aufkommen lassen. 

Das United Kingdom Absorb Register liefert nun 1-Jahres-Outcome-Daten nach Koronarinterventionen mit Implantation von BVS in einem „Real world setting“ in der Behandlung von neu aufgetretenen Stenosen in bislang unbehandelten Gefäßen. Die Ergebnisse hat Prof. Andreas Baumbach. Barts Heart Centre, London, beim Kongress EuroPCR 2017 in Paris vorgestellt.

Bezüglich der Patientenselektion gab es seitens des Steering-Komitees eine Empfehlung, dass primär junge Patienten mit interventionell einfach behandelbaren, proximalen und im mittleren Drittel gelegenen RIVA-Stenosen, Mehrgefäßerkrankungen und Diabetes mellitus besonders von einer BRS-Behandlung profitieren würden. Dagegen sollten Patienten mit Läsionen bei einem Gefäßdiameter < 2,5 und > 4,0 cm, Bifurkationsstenosen, einer 2-Stent-Strategie, starker Kalzifizierung, einer dualen plättchenaggregationshemmenden Therapie < 12 Monate und Hauptstammstenosen damit besser nicht behandelt werden.

In 22 Zentren wurden 1.005 Patienten mit insgesamt 1.684 Scaffolds behandelt. 71,3 % erhielten einen, 22,4 % zwei und 6,2 % mehr als zwei BVS. Der durchschnittliche Anteil von BVS bei allen Koronarinterventionen betrug 2,7 %. Die vollständige Nachbeobachtungsquote war mit 99 % sehr hoch.

Die Implantationstechnik folgte in hohem Prozentsatz den Empfehlungen (Einsatz einer intrakoronaren Bildgebung, Vor- und Nachdilatation sowie adäquate Durchmesserbestimmung). Die Quote für den technischen Erfolg war mit 97,3 % hoch.

Eine definitive bzw. wahrscheinliche Stentthrombose wurde in 0,9 % der Fälle innerhalb von 30 Tagen und in 1,7 % innerhalb von einem Jahres beobachtet. In der multivariaten Analyse konnte eine Stentgröße von 2,5 cm versus > 2,5 cm als unabhängiger Prädiktor identifiziert werden.

Interessanterweise ließ sich in einer unabhängigen QCA-Analyse feststellen, dass bei fünf von 14 Stentthrombosen der tatsächliche Gefäßdiameter < 2,5 cm war und in zwei von 14 Fällen ein BVS mit einem zu kleinem Durchmesser implantiert wurde.

Zusammenfassend stellte Dr. Baumbach fest, dass die Ergebnisse eine hohe technische Erfolgsrate zeigen, die vergleichbar mit der Rate bei den besten Drug-eluting Stents ist. Die erhöhte Stentthromboserate konnte einem kleinen Gefäßdiameter, einer Unterschätzung des tatsächlichen Gefäßdiameters (Undersizing) sowie Zentren mit geringerer Anzahl an BVS-Implantationen zugeordnet werden.

In der Diskussion wird zudem deutlich, dass eine Analyse des möglichen Einflusses einer Lernkurve der Interventionalisten auf die Stentthromboserate im untersuchten Kollektiv nicht möglich ist. Ein geplantes europäisches Absorb-Konsortium mit Integration von mehr als 10.000 Patienten könnte hier zukünftig möglicherweise wertvolle Erkenntnisse liefern.

Literatur