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13.07.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Interventionelle Kardiologen im Vergleich

Katheter-Eingriffe: Große Unterschiede beim Kontrastmittelverbrauch

Autor:
Philipp Grätzel

Eine US-Studie deutet darauf hin, dass viele Kardiologen bei Katheter-Eingriffen die individuelle Kontrastmitteldosis nicht dem renalen Risiko der Patienten anpassen. Es gibt erhebliche Unterschiede beim Kontrastmittelverbrauch und bei der Häufigkeit akuter Nierenschädigungen.

Es ist kein Geheimnis, dass es einen Zusammenhang zwischen der Menge des applizierten Kontrastmittels bei perkutanen Katheter-Intervention und der Rate an akuten Nierenschädigungen gibt. Allerdings werden aus dieser Erkenntnis nicht überall Konsequenzen gezogen. Oft dominiert eine Haltung, die einen hohen Kontrastmittelverbrauch auf schwierige Interventionen zurückführt – und damit als wenig beeinflussbar abhakt.

In den USA wurden jetzt Daten von über 1,3 Millionen Patienten ausgewertet, bei denen an 1338 Krankenhäusern von 5.973 Kardiologen zwischen 2009 und 2012 perkutane Interventionen durchgeführt wurden. Die untersuchten Variablen der Analyse waren die akute Nierenschädigung (acute kidney injury, AKI), definiert als Anstieg des Serumkreatinins um mindestens 0,3 mg/dl oder um mindestens 50% im Gefolge der Intervention, sowie die eingesetzte Kontrastmittelmenge und das individuelle renale Risiko der Patienten. Das wurde dann - natürlich in pseudonymisierter Form - mit den einzelnen Kardiologen korreliert.

Akute Nierenschädigung in 7 % der Fälle

Dabei gab es einige interessante Ergebnisse. Insgesamt trat bei 7 % der Patienten eine akute Nierenschädigung auf, zu 85 % im Stadium I. Die AKI-Häufigkeit variierte stark in Abhängigkeit vom Arzt. Es gab Kardiologen, bei denen kein einziger Patient eine Nierenschädigung hatte, und andere, bei denen die Quote 30 % betrug. Auch nach Adjustierung für Patientencharakteristika und für das individuelle AKI-Risiko schwankte die Quote der Patienten mit AKI zwischen zwei beliebigen Kardiologen im Mittel um 43 %. Das war hoch signifikant (p < 0,001).

Gleichzeitig schwankte die mittlere Kontrastmitteldosis, die die Ärzte einsetzten, zwischen 79 und 487 Milliliter. Mit Hilfe statistischer Methoden haben die Wissenschaftler berechnet, dass knapp ein Viertel dieses enormen Unterschieds nicht auf Patienten-oder Interventionscharakteristika zurückzuführen ist, sondern auf den jeweiligen Arzt. Erwartungsgemäß war das AKI-Risiko bei den Interventionen, in denen mehr Kontrastmittel verbraucht wurde, höher, und zwar um 42 % pro 75 ml Kontrastmittel. Auch das war hoch signifikant (p < 0,001).

Möglichkeit für qualitative Verbesserungen

Was die Wissenschaftler erstaunlicherweise nicht oder nur in Ansätzen nachweisen konnten war, dass die Ärzte bei Patienten mit höherem AKI-Risiko in Sachen Kontrastmittelmenge Zurückhaltung walten ließen. Die Patienten wurden auf einer zehnstufigen Skala in Risikokategorien eingeteilt. Unabhängig von der Risikokategorie erhielten die Patienten jeweils im Durchschnitt 200 ml Kontrastmittel. Nur in der allerhöchsten Risikokategorie waren es im Mittel 16 ml weniger. Die Studienautoren sehen hier eine wichtige Möglichkeit für qualitative Verbesserungen.

Literatur