Nachrichten 13.07.2017

Katheter-Eingriffe: Große Unterschiede beim Kontrastmittelverbrauch

Eine US-Studie deutet darauf hin, dass viele Kardiologen bei Katheter-Eingriffen die individuelle Kontrastmitteldosis nicht dem renalen Risiko der Patienten anpassen. Es gibt erhebliche Unterschiede beim Kontrastmittelverbrauch und bei der Häufigkeit akuter Nierenschädigungen.

Es ist kein Geheimnis, dass es einen Zusammenhang zwischen der Menge des applizierten Kontrastmittels bei perkutanen Katheter-Intervention und der Rate an akuten Nierenschädigungen gibt. Allerdings werden aus dieser Erkenntnis nicht überall Konsequenzen gezogen. Oft dominiert eine Haltung, die einen hohen Kontrastmittelverbrauch auf schwierige Interventionen zurückführt – und damit als wenig beeinflussbar abhakt.

In den USA wurden jetzt Daten von über 1,3 Millionen Patienten ausgewertet, bei denen an 1338 Krankenhäusern von 5.973 Kardiologen zwischen 2009 und 2012 perkutane Interventionen durchgeführt wurden. Die untersuchten Variablen der Analyse waren die akute Nierenschädigung (acute kidney injury, AKI), definiert als Anstieg des Serumkreatinins um mindestens 0,3 mg/dl oder um mindestens 50% im Gefolge der Intervention, sowie die eingesetzte Kontrastmittelmenge und das individuelle renale Risiko der Patienten. Das wurde dann - natürlich in pseudonymisierter Form - mit den einzelnen Kardiologen korreliert.

Akute Nierenschädigung in 7 % der Fälle

Dabei gab es einige interessante Ergebnisse. Insgesamt trat bei 7 % der Patienten eine akute Nierenschädigung auf, zu 85 % im Stadium I. Die AKI-Häufigkeit variierte stark in Abhängigkeit vom Arzt. Es gab Kardiologen, bei denen kein einziger Patient eine Nierenschädigung hatte, und andere, bei denen die Quote 30 % betrug. Auch nach Adjustierung für Patientencharakteristika und für das individuelle AKI-Risiko schwankte die Quote der Patienten mit AKI zwischen zwei beliebigen Kardiologen im Mittel um 43 %. Das war hoch signifikant (p < 0,001).

Gleichzeitig schwankte die mittlere Kontrastmitteldosis, die die Ärzte einsetzten, zwischen 79 und 487 Milliliter. Mit Hilfe statistischer Methoden haben die Wissenschaftler berechnet, dass knapp ein Viertel dieses enormen Unterschieds nicht auf Patienten-oder Interventionscharakteristika zurückzuführen ist, sondern auf den jeweiligen Arzt. Erwartungsgemäß war das AKI-Risiko bei den Interventionen, in denen mehr Kontrastmittel verbraucht wurde, höher, und zwar um 42 % pro 75 ml Kontrastmittel. Auch das war hoch signifikant (p < 0,001).

Möglichkeit für qualitative Verbesserungen

Was die Wissenschaftler erstaunlicherweise nicht oder nur in Ansätzen nachweisen konnten war, dass die Ärzte bei Patienten mit höherem AKI-Risiko in Sachen Kontrastmittelmenge Zurückhaltung walten ließen. Die Patienten wurden auf einer zehnstufigen Skala in Risikokategorien eingeteilt. Unabhängig von der Risikokategorie erhielten die Patienten jeweils im Durchschnitt 200 ml Kontrastmittel. Nur in der allerhöchsten Risikokategorie waren es im Mittel 16 ml weniger. Die Studienautoren sehen hier eine wichtige Möglichkeit für qualitative Verbesserungen.

Literatur

Amin A et al. Association of Variation in Contrast Volume With Acute Kidney Injury in Patients Undergoing Percutaneous Coronary Intervention. JAMA Cardiol. 5. Juli 2017; doi: 10.1001/jamacardio.2017.2156

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

HRS-Kongress 2020 Science

Zwar musste auch die diesjährige Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Diego aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden, aber für Ersatz wurde gesorgt: mit HRS 2020 Science – einer dreiteiligen Online- und On-Demand-Fortbildungsreihe. 

Das könnte Sie auch interessieren

Lancet-Studie zu Hydroxychloroquin zurückgezogen

Die Zweifel wurden immer größer. Jetzt haben die Autoren der viel kritisierten Lancet-Analyse, in der die Sterberate bei COVID-19 unter Hydroxychloroquin scheinbar erhöht war, ihre Studie zurückgezogen.  

Belastungs-EKG: Was es sagt und was nicht

Die Diskussion um das Belastungs-EKG ist nicht neu. Eine Post-hoc-Auswertung der SCOT-HEART-Studie zeigt einmal mehr, was der Klassiker der Ischämiediagnostik kann – und was nicht.

Wurde Hydroxychloroquin zu früh verteufelt?

Hydroxychloroquin ist als COVID-19-Therapieoption in einer kürzlich publizierten Studie derart in Verruf gekommen, dass Studien mit dem Medikament gestoppt und in einigen Ländern sogar Therapieverbote ausgesprochen wurden. Nun kommen Zweifel an der Korrektheit der Studie auf.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Transthorakale Echokardiographie eines 55jährigen Patienten mit Leistungsknick und atypischen Thoraxschmerzen. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Neue Optionen unter COVID-19 - Videosprechstunde und anderes…"

Die Coronakrise treibt die Digitalisierung der Kardiologie voran: Videosprechstunde, Telemedizin, Apps. Ganz einfach ist die Umsetzung in die Praxis jedoch nicht. Dr. Norbert Smetak, Kirchheim unter Teck, erläutert, welche technischen, rechtlichen und finanziellen Aspekte zu beachten sind.

BNK-Webinar "COVID-19 - tödliche Verläufe durch mikroangiopathische Schäden?"

Woran versterben COVID-19-Patienten? Prof. Alexandar Tzankov aus Basel erläutert anhand von Autopsieberichten, welche Schädigungen des SARS-CoV-2-Virus zum Tode führen. Einige dieser Befunde überraschen.

Bildnachweise
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Digitaler HRS-Kongress 2020/© [M] jamesteohart / Getty Images / iStock
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs, Mohamed Marwan, Universitätsklinikum Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org