Nachrichten 18.03.2017

Kognitive Funktion durch PCSK9-Inhibitor nicht beeinträchtigt

Die Therapie mit dem PCSK9-Inhibitor Evolocumab hat keine negativen Folgen für die Kognition. Zu diesem Ergebnis kommen sowohl die eigens konzipierte prospektive EBBINGHAUS-Studie als auch die FOURIER-Studie mit über 27 000 Patienten.

Wenn Millionen vorwiegend ältere Patienten Lipidsenker einnehmen, um ihr kardiovaskuläres Risiko zu reduzieren, können schon kleine Beeinträchtigungen der kognitiven Funktion große Auswirkungen haben. Solche Bedenken hatte man bereits bei den Statinen. Dies veranlasste 2012 die US-Zulassungsbehörde, Kognitionseinschränkungen als mögliche Nebenwirkungen in die Statin-Fachinformation aufzunehmen. 2014 gab eine „Statin Cognitive Safety Task Force“ nach gründlicher Analyse von Langzeitstudien Entwarnung: Statine sind für das Gehirn sicher.

Ähnliche Sorgen machte man sich bei PCSK9-Inhibitoren: Obwohl diese die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren und das Gehirn Cholesterin selbst synthetisiert, bestanden Bedenken, dass sehr niedrige Blut-Cholesterin-Spiegel für das Gehirn nicht gut seien. In einer gepoolten Analyse früher Studien mit PCSK9-Inhibitoren mit über 9000 Patienten fiel in den Verumgruppen eine Verdoppelung des Risikos für kognitive Beeinträchtigungen auf, obgleich die Rate mit weniger als einem Prozent sehr niedrig war.

Grund genug, der Sache auf den Grund zu gehen. Dies tat man zum einen mit der Endpunktstudie FOURIER mit über 27 000 Patienten unter Statin-Therapie, die median über 2,2 Jahre mit Evolocumab oder Plazebo behandelt wurden. Die Rate „neurokognitiver Ereignisse“ war mit 1,6% und 1,5% in beiden Gruppen gleich.

Kein Demenzrisiko bei Therapie mit PCSK9-Inhibitor

In der doppelblinden EBBINGHAUS-Studie war zusätzlich in einem Subkollektiv der FOURIER-Studie prospektiv mit 1974 Patienten sehr gründlich nach eventuellen kognitiven Beeinträchtigungen gefahndet worden. Im Zentrum stand dabei eine Serie von validierten kognitiven Untersuchungen nach 6, 12, 18 und 24 Monaten. Verwendet wurde die „Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery (CANTAB)”, die exekutive Funktionen, räumliches Denken, Lernfähigkeit und Reaktionszeit untersucht. Zusätzlich führten die Patienten ein Tagebuch, in der sie kognitive Auffälligkeiten notierten. Letztlich wurden auch die behandelnden Ärzte gebeten, kognitive Nebenwirkungen zu berichten.

Es fanden sich in sämtlichen Tests während der medianen Beobachtungszeit von 19 Monaten keinerlei Unterschiede zwischen Evolocumab und Placebo. Auch nicht in der Subgruppe von Patienten, deren LDL-Cholesterin auf Werte unter 25 mg/dl abgefallen war. Bei Statinen und PCSK9-Inhibitoren besteht kein Demenzrisiko, resümierte Prof. Robert P. Giugliano, Brigham and Women’s Hospital der Havard Medical School in Boston.

Literatur

Late-Breaking Cinical Trials II, 66. Jahrestagung des American College of Cardiology ACC, Washington, 17.-20. März 2017.

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Bildnachweise
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Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org