Nachrichten 07.11.2016

Lipidgehalt von Plaques ohne Bedeutung für PCI-Komplikationen

Macht es bei der perkutanen Koronarintervention (PCI) einen Unterschied, ob die behandelten Koronarläsionen lipidreich sind oder nicht? Nein, die Raten an periprozeduralen oder späten kardiovaskulären Komplikationen unterscheiden sich nicht, ergab die COLOR-Studie.

Koronare Plaques, die einen lipidreichen Kern enthalten, gelten im Vergleich zu lipidarmen Koronarläsionen gemeinhin als problematischer. Eine Gruppe von US-Forschern um Dr. Giora Weisz vom Columbia University Medical Center in New York wollte wissen, ob dieser Unterschied in der Plaque-Morphologie möglicherweise das Auftreten von Komplikationen bei einer PCI mit Stent-Implantation beeinflusst. Die Prüfung erfolgte in der prospektiven Registerstudie COLOR, deren Ergebnisse Weisz beim TCT-Kongress 2016 in Washington vorgestellt hat.

In die Studie sind an 22 Zentren in den USA insgesamt 1899 Patienten mit klinischer Indikation für eine Koronarangiografie mit möglicher Revaskularisation aufgenommen worden. Vor einer eventuellen PCI wurde bei diesen Patienten mithilfe der Nachinfrarotspektroskopie (NIRS) der Lipidgehalt von stenosierenden oronarläsionen gemessen. Diese Messungen erfolgten bei 1168 Patienten an den für die Beschwerden maßgeblichen Läsionen (culprit lesions) vor der Stent-Implantation sowie bei 927 Patienten an Läsionen ohne Bezug zu pektanginösen Beschwerden (non-culprit lesions).

Nach zwei Jahren belief sich die Rate kardiovaskulärer Ereignisse (Herztod, Myokardinfarkt, Stenthrombose, Revaskularisation, Hospitalisierung) auf 14.1%, wobei 6% dieser Ereignisse in Beziehung zu „culprit lesions“ und 8,3% in Beziehung zu „non-culprit lesions“ standen, während 2,4% mit nicht genauer bestimmbaren Läsionen assoziiert waren.

Eine Analyse, bei der die Läsionen in Abhängigkeit vom Lipidgehalt stratifiziert wurden, ergab mit Blick auf „culprit lesions“ keinen signifikanten Zusammenhang zwischen gemessenem Lipidreichtum der Plaques und der Inzidenz von kardiovaskulären Komplikationen nach PCI.

Die Analyse zur Frage der klinischen Bedeutung des per NIRS gemessenen Lipidgehalts in „non-culprit lesions“ stehe noch aus, berichtete Weisz. Dazu laufen derzeit zwei Untersuchungen (LRS-Study und PROSPECT-II). Noch ist unklar, ob eine „präventive“ Behandlung von als lipidreich identifizierten „non-culprit lesions“ klinisch von Vorteil ist.

Literatur

Weisz G.: COLOR – a prospective, multicenter registry evaluating the relationship between lipid-rich plaque and two-year outcomes after stent implantation in patients with coronary artery disease , vorgestellt beim Kongress TCT 2016, 29.Oktober – 2. November 2016, Washington.

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

HRS-Kongress 2020 Science

Zwar musste auch die diesjährige Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Diego aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden, aber für Ersatz wurde gesorgt: mit HRS 2020 Science – einer dreiteiligen Online- und On-Demand-Fortbildungsreihe. 

Das könnte Sie auch interessieren

Degenerierte Klappenprothese: „Valve-in-Valve“-Implantation besser als Reoperation?

Im Fall von degenerierten Aortenklappen-Bioprothesen ist die kathetergestützte „Valve in Valve“-Implantation möglicherweise eine bessere Option als die konventionelle Reoperation. Das legen zumindest Ergebnisse einer vergleichenden Analyse von „Real World“-Daten nahe.

Rätselhafter Herzstillstand bei junger Ärztin im „Corona-Stress“

Eine 35-jährige Ärztin erlebt wegen der COVID-19-Pandemie sehr stressige Zeiten. Während einer Schicht erleidet sie einen Herzstillstand, obwohl sie völlig gesund ist. Die behandelten Ärzte stoßen auf eine bisher kaum beachtete Ursache.

Herztod-Risikokalkulator speziell für Kinder mit hypertropher Kardiomyopathie

Ein plötzlicher Herztod ist bei Kindern mit hypertropher Kardiomyopathie bisher nur schwer vorhersehbar. Ein neues Modell könnte die Risikostratifizierung für eine ICD-Implantation erleichtern.

Aus der Kardiothek

BNK-Webinar "COVID-19 - tödliche Verläufe durch mikroangiopathische Schäden?"

Woran versterben COVID-19-Patienten? Prof. Alexandar Tzankov aus Basel erläutert anhand von Autopsieberichten, welche Schädigungen des SARS-CoV-2-Virus zum Tode führen. Einige dieser Befunde überraschen.

BNK-Webinar "Das Herz nach COVID-19-Infektion"

Das Coronavirus trifft das Herz, darüber ist viel berichtet worden, doch einige Aussagen sind nur halbrichtig. Prof. Michael Böhm, Bad Homburg/Saar, geht den offenen Fragen auf den Grund und verdeutlicht an einem Fallbeispiel, welche Kollateralschäden die Coronapandemie für andere Herzpatienten haben kann.

BNK-Webinar "Neue Optionen unter COVID-19 - Videosprechstunde und anderes…"

Die Coronakrise treibt die Digitalisierung der Kardiologie voran: Videosprechstunde, Telemedizin, Apps. Ganz einfach ist die Umsetzung in die Praxis jedoch nicht. Dr. Norbert Smetak, Kirchheim unter Teck, erläutert, welche technischen, rechtlichen und finanziellen Aspekte zu beachten sind.

Bildnachweise
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Digitaler HRS-Kongress 2020/© [M] jamesteohart / Getty Images / iStock
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org