Nachrichten 27.06.2018

Metaanalyse: Koronarstents mit „ultradünnen” Streben klinisch von Vorteil

Durch die  neuere Generation der Koronarstents mit sehr dünnen Stentstreben können  die Behandlungsergebnisse gegenüber den heute gebräuchlichen  Stents der zweiten Generation weiter verbessert werden, wie Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse nahelegen.

Ein Weg, die Behandlungsergebnisse der perkutanen Koronarintervention mit Stent-Implantation weiter zu verbessern, ist neben der Entwicklung besser biokompatibler Polymere oder polymerfreier Stents auch die Entwicklung von Stents mit „ultradünnen“ Stentstreben (Strebendicke < 70 μm). Ergebnisse einer neuen Metaanalyse sprechen dafür, dass speziell diese Weiterentwicklung zu weiteren Fortschritten in der Stent-Behandlung  geführt hat. Danach scheint die neuere Stentgeneration das Risiko für Herzinfarkte und Stentthrombosen noch stärker verringern zu können.

Zehn Studien mit 11.658 Patienten als Vergleichsbasis

Eine Expertengruppe um Dr. Sripal Bangalore von der New York University School of Medicine hat  für diese Analyse die publizierte Literatur nach randomisierten Studien durchforstet, in denen neuere Stents mit uktradünnen Streben mit älteren Medikamente freisetzenden Stents (Drug-eluting Stents, DES) der zweiten Generation unter klinischen Aspekten verglichen worden sind.  Zehn die Suchkriterien erfüllende Studien mit insgesamt 11.658 beteiligten Patienten wurden identifiziert.

In diesen Studien waren drei  neuere Stents – der Orsiro-Stent (Strebendicke 60 μm, acht Studien mit 5.444 Patienten), der MiStent (Strebendicke 64 μm, eine Studie mit 703 Patienten) und der  BioMime-Stent (Strebendicke 65 μm, eine Studie mit 170 Patienten) – einem Vergleich mit DES der zweiten Generation, die dickere Stentstreben (81 – 120 μm) aufwiesen, unterzogen worden.  Primäres Vergleichskriterium war ein sogenanntes „Zielläsion-Versagen“ (target lesion failure, TLF) als kombinierter klinischer Endpunkt, definiert als Auftreten der Ereignisse kardiovaskulär bedingter Tod, Myokardinfarkt im Zielgefäß und ischämiebedingte Revaskularisation der Zielläsion  im ersten Jahr nach Stent-Implantation.

Relative Risikoreduktion um 16%

Im Vergleich zu älteren DES mit dickeren Streben waren Stents der neueren Generation mit einer relativen Reduktion der TLF-Rate nach einem Jahr um 16% assoziiert (Relatives Risiko=0,84; 95% Konfidenzintervall 0,72-0,99). Den entscheidenden Unterschied machte dabei ein relativ um 20% niedrigeres Risiko für Myokardinfarkte aus (RR=0,80; 95% KI 0,65-0,99), während es im Hinblick auf die kardiovaskuläre Mortalität  (RR=0,91; 95% KI 0,65-1,27) und erneute Revaskularisationen  der Zielläsion (RR=0,97; 95% KI 0,77-1,22) keine signifikanten Unterschiede gab. Die Implantation von DES mit ultradünnen Streben ging zudem mit einer relativ um 28% niedrigeren Rate an jeglichen Stentthrombosen einher (RR=0,72; 95% KI 0,51-1,01).

Der Großteil der in die Metaanalyse eingeflossenen Daten stammt aus Studien mit dem Osiro-Stent. Gleichwohl ergaben spezielle Tests auf Subgruppeneffekte keine Anhaltspunkte für Unterschiede zwischen den drei spezifischen Stent-Typen der neueren Generation. Alle drei setzen Sirolimus aus einer bioresorbierbaren Polymerbeschichtung frei.

Wie lassen sich die gezeigten Vorteile dieser Stents erklären? Dünnere Streben erhöhen nicht nur die Flexibilität und damit die Einführbarkeit (deliverability) von Koronarstents, erinnern die  Autoren der Metaanalyse.  Dadurch würden auch die Stent-induzierten arteriellen Gefäßschädigungen und Entzündungsreaktion verringert und die Endothelisierung  beschleunigt.  Dass im Vergleich zu dickeren Streben weniger Turbulenzen entstehen, verringere zudem die Thrombogenität.

 

Literatur

Bangalore S. et al.: Newer Generation Ultra-Thin Strut Drug-Eluting Stents versus Older Second-Generation Thicker Strut Drug-Eluting Stents for Coronary Artery Disease: A Meta-Analysis of Randomized Trials, Circulation 2018, 10.1161/CIRCULATIONAHA.118.034456

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