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01.02.2019 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Auch Menschen über 75 Jahre profitieren

Metaanalyse: Nutzen der Statintherapie keine Frage des Alters

Autor:
Joana Schmidt

Eine neue Metaanalyse zeigt, dass Statine auch bei Menschen über 75 Jahre Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern. Die Forscher entdeckten dabei keine nachteiligen Effekte, wie etwa ein erhöhtes Risiko für Krebs oder nichtvaskuläre Sterblichkeit.

Die bisherige Forschung hat die Reduktion nicht tödlicher und tödlicher kardiovaskulärer Ereignisse durch Statine bei vielen Patientengruppen bewiesen. Bei Personen über 75 Jahre lagen jedoch noch relativ wenige Daten vor. Oft wurde die Therapie in dieser Altersgruppe nur zurückhaltend eingesetzt, weil nicht sicher war, ob sie den Patienten mehr nützte oder schadete, auch aufgrund alterstypischer Begleiterkrankungen.

Positive Effekte in allen Altersgruppen

Die Cholesterol Treatment Trialists Collaboration beweist in ihrer aktuellen Metaanalyse, dass auch Patienten über 75 Jahre von der Statintherapie profitieren. Dafür fasste die Arbeitsgruppe um Dr. Jordan Fulcher von der Universität Sydney die Ergebnisse aus 28 randomisiert kontrollierten Studien zusammen, für die 186 854 Patienten (Durchschnittsalter 63) untersucht wurden. 14 483 davon waren über 75 Jahre alt. Die Forscher teilten die Teilnehmer in sechs Altersgruppen auf.

Unabhängig vom Alter reduzierten Statine das Risiko für vaskuläre Ereignisse um etwa ein Fünftel pro 1 mmol/L  (39 mg/dl) Reduktion des LDL-Cholesterins. Das Risiko für schwerwiegende koronare Ereignisse reduzierten sie insgesamt um etwa ein Viertel pro 1 mmol/L LDL-Reduktion. Die relative Reduktion bewegte sich zwischen 30% bei den Teilnehmern unter 55 Jahre und 20%  bei den Teilnehmern über 75 Jahre. Für Schlaganfall und koronare Revaskularisation war die relative Risikoreduktion in allen Altersgruppen ähnlich. In keiner der Gruppen erhöhten die Statine das Risiko für Krebs und nichtvaskuläre Sterblichkeit.

Studien bei Herzschwäche und Niereninsuffizienz ausgeschlossen

Die Forscher entdeckten zudem, dass ihre Ergebnisse von vier Studien beeinflusst worden waren, die Patienten mit Herzschwäche und Niereninsuffizienz eingeschlossen hatten. Bei diesen Patienten wirken sich Statine nicht positiv aus. Nachdem die Daten dieser Teilnehmer ausgeschlossen wurden, zeigten sich ähnliche positive Effekte bei allen Altersgruppen bezüglich vaskulärer Ereignisse und kardiovaskulärer Sterblichkeit. Nur bezüglich koronarer Ereignisse schwächte sich die relative Risikoreduktion mit zunehmendem Alter leicht ab.

Doch selbst wenn die Risikoreduktion bei den über 75-Jährigen niedriger ist als erwartet, ist eine Statintherapie bei ihnen trotzdem gerechtfertigt aufgrund des grundsätzlich hohen kardiovaskulären Risikos bei älteren Menschen, so der Autor des Begleitkommentars Prof. Bernard M Y Cheung aus Hongkong. Die Metaanalyse bestätige, dass ein erhöhter LDL-Cholesterinwert bei Menschen jeden Alters reduziert werden sollte, vorausgesetzt der Nutzen überwiegt die Risiken und der Patient akzeptiert eine Langzeitbehandlung.

Literatur

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