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19.03.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Nicht invasive Ischämie-Bildgebung

MRT-Perfusion identifiziert PCI-Kandidaten so zuverlässig wie die FFR

Autor:
Philipp Grätzel

Eine Angiographie mit FFR-Messung gilt bei der Frage, welche Koronarstenosen hämodynamisch relevant sind und deshalb eine  perkutane Koronarintervention (PCI) erfordern, als Goldstandard. Die MR-INFORM-Studie zeigt nun, dass selbst bei hoher Prätestwahrscheinlichkeit auch nicht-invasiv stratifiziert werden kann.

Die MR-INFORM-Studie war eine randomisierte, kontrollierte Studie zum Management von Patienten mit stabiler Angina pectoris, die an 16 Zentren in Europa und Australien stattfand, darunter fünf in Deutschland. Die insgesamt 918 teilnehmenden Patienten hatten neben einer stabilen Angina pectoris (CCS II bis III) alle entweder mindestens zwei kardiovaskuläre Risikofaktoren oder ein pathologisches Belastungs-EKG. Weit überwiegend handelte es sich um Patienten, bei denen zuvor noch keine koronare Herzerkrankung invasiv diagnostiziert worden war.

Studie verknüpft nicht-invasive Bildgebung und Therapie

Die auf Nicht-Unterlegenheit angelegte MR-INFORM-Studie, deren Ergebnisse von Professor Eike Nagel vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main bei der ACC-Jahrestagung in Washington vorgestellt wurden, verglich ein primär nicht-invasives mit einem primär invasiven Vorgehen bei der Abklärung der Angina pectoris und der anschließenden Therapieentscheidung. „Es handelt sich unseres Wissens um die erste Studie, die bei der KHK eine nicht-invasive Bildgebung direkt mit der Therapie verknüpft hat“, betonte Nagel im Gespräch mit kardiologie.org.

Konkret wurde bei den Patienten als diagnostische Erstmaßnahme entweder eine Adenosin-Stress-MR-Perfusion oder eine invasive Angiographie durchgeführt. In der Gruppe mit MR-Untersuchung wurde nur dann eine invasive Angiographie mit dem Ziel einer Revaskularisierung angesetzt, wenn entweder ein transmurales Perfusionsdefizit oder aber ein subendokardiales Perfusionsdefizit in mehr als zwei Segmenten oder in zwei unmittelbar aneinander angrenzenden Segmenten vorlag.

In der Gruppe mit primärer Angiographie erfolgte die Entscheidung über eine Intervention dagegen gemäß den aktuellen europäischen und auch deutschen Leitlinien auf Basis einer FFR-Messung. Dabei wurde die FFR immer dann durchgeführt, wenn eine 40%ige bis 95%ige Stenose in einem Gefäß mit über 2,5 Millimetern Durchmesser gefunden wurde.

Die Hälfte brauchte keine Katheteruntersuchung

Der primäre Endpunkt der MR-INFORM-Studie war ein Komposit aus Gesamtsterblichkeit, nicht tödlichem Herzinfarkt und erneuter Revaskularisation des in der Indexprozedur revaskularisierten Gefäßes in einem Zeitraum von einem Jahr. Ereignisse gemäß diesem Endpunkt traten bei 3,9% der Patienten in der primär invasiven und bei 3,3% der Patienten in der primär nicht-invasiven Behandlungsgruppe auf. Das machte statistisch keinen Unterschied, sodass die Nicht-Unterlegenheit belegt werden konnte.

Deutliche Unterschiede gab es dagegen bei der Zahl der invasiven Untersuchungen und Therapien. Eine invasive Angiographie erfolgte in der MR-Gruppe bei nur knapp der Hälfte aller Patienten, und bei sieben von zehn dieser Patienten erfolgte dann auch eine PTCA oder Stent-Implantation. In der Kontrollgruppe wurden dagegen gemäß Studiendesign alle Patienten mit dem Herzkatheter untersucht, und rund sechs von zehn erhielten eine FFR. Insgesamt wurden in der MR-Gruppe 36% aller Patienten revaskularisiert, in der invasiven Gruppe mit FFR-Stratifizierung 44,2%.

Nagel zufolge zeigen die MR-INFORM-Ergebnisse, dass bei stabilen Angina pectoris-Patienten auch bei hoher Prätestwahrscheinlichkeit eine vorgeschaltete MR-Untersuchung sinnvoll bzw. im Patienteninteresse ist: „Rund die Hälfte dieser Patienten benötigt dann keinen Katheter. Die Gesamtzahl der Revaskularisierungen sinkt, ohne dass sich die Prognose verschlechtert.“

Hier geht es zum Interview mit Prof. Nagel über die MR-INFORM-Studie.

Literatur

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