Nachrichten 19.03.2017

MRT-Perfusion identifiziert PCI-Kandidaten so zuverlässig wie die FFR

Eine Angiographie mit FFR-Messung gilt bei der Frage, welche Koronarstenosen hämodynamisch relevant sind und deshalb eine  perkutane Koronarintervention (PCI) erfordern, als Goldstandard. Die MR-INFORM-Studie zeigt nun, dass selbst bei hoher Prätestwahrscheinlichkeit auch nicht-invasiv stratifiziert werden kann.

Die MR-INFORM-Studie war eine randomisierte, kontrollierte Studie zum Management von Patienten mit stabiler Angina pectoris, die an 16 Zentren in Europa und Australien stattfand, darunter fünf in Deutschland. Die insgesamt 918 teilnehmenden Patienten hatten neben einer stabilen Angina pectoris (CCS II bis III) alle entweder mindestens zwei kardiovaskuläre Risikofaktoren oder ein pathologisches Belastungs-EKG. Weit überwiegend handelte es sich um Patienten, bei denen zuvor noch keine koronare Herzerkrankung invasiv diagnostiziert worden war.

Studie verknüpft nicht-invasive Bildgebung und Therapie

Die auf Nicht-Unterlegenheit angelegte MR-INFORM-Studie, deren Ergebnisse von Professor Eike Nagel vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main bei der ACC-Jahrestagung in Washington vorgestellt wurden, verglich ein primär nicht-invasives mit einem primär invasiven Vorgehen bei der Abklärung der Angina pectoris und der anschließenden Therapieentscheidung. „Es handelt sich unseres Wissens um die erste Studie, die bei der KHK eine nicht-invasive Bildgebung direkt mit der Therapie verknüpft hat“, betonte Nagel im Gespräch mit kardiologie.org.

Konkret wurde bei den Patienten als diagnostische Erstmaßnahme entweder eine Adenosin-Stress-MR-Perfusion oder eine invasive Angiographie durchgeführt. In der Gruppe mit MR-Untersuchung wurde nur dann eine invasive Angiographie mit dem Ziel einer Revaskularisierung angesetzt, wenn entweder ein transmurales Perfusionsdefizit oder aber ein subendokardiales Perfusionsdefizit in mehr als zwei Segmenten oder in zwei unmittelbar aneinander angrenzenden Segmenten vorlag.

In der Gruppe mit primärer Angiographie erfolgte die Entscheidung über eine Intervention dagegen gemäß den aktuellen europäischen und auch deutschen Leitlinien auf Basis einer FFR-Messung. Dabei wurde die FFR immer dann durchgeführt, wenn eine 40%ige bis 95%ige Stenose in einem Gefäß mit über 2,5 Millimetern Durchmesser gefunden wurde.

Die Hälfte brauchte keine Katheteruntersuchung

Der primäre Endpunkt der MR-INFORM-Studie war ein Komposit aus Gesamtsterblichkeit, nicht tödlichem Herzinfarkt und erneuter Revaskularisation des in der Indexprozedur revaskularisierten Gefäßes in einem Zeitraum von einem Jahr. Ereignisse gemäß diesem Endpunkt traten bei 3,9% der Patienten in der primär invasiven und bei 3,3% der Patienten in der primär nicht-invasiven Behandlungsgruppe auf. Das machte statistisch keinen Unterschied, sodass die Nicht-Unterlegenheit belegt werden konnte.

Deutliche Unterschiede gab es dagegen bei der Zahl der invasiven Untersuchungen und Therapien. Eine invasive Angiographie erfolgte in der MR-Gruppe bei nur knapp der Hälfte aller Patienten, und bei sieben von zehn dieser Patienten erfolgte dann auch eine PTCA oder Stent-Implantation. In der Kontrollgruppe wurden dagegen gemäß Studiendesign alle Patienten mit dem Herzkatheter untersucht, und rund sechs von zehn erhielten eine FFR. Insgesamt wurden in der MR-Gruppe 36% aller Patienten revaskularisiert, in der invasiven Gruppe mit FFR-Stratifizierung 44,2%.

Nagel zufolge zeigen die MR-INFORM-Ergebnisse, dass bei stabilen Angina pectoris-Patienten auch bei hoher Prätestwahrscheinlichkeit eine vorgeschaltete MR-Untersuchung sinnvoll bzw. im Patienteninteresse ist: „Rund die Hälfte dieser Patienten benötigt dann keinen Katheter. Die Gesamtzahl der Revaskularisierungen sinkt, ohne dass sich die Prognose verschlechtert.“

Hier geht es zum Interview mit Prof. Nagel über die MR-INFORM-Studie.

Literatur

Nagel, E.:  MR-INFORM:  Stress Perfusion Imaging to guide the management of patients with stable coronary artery disease.  “Featured Clinical Research I”-Sitzung   am 17. März 2017. ACC-Kongress 2017, 17. – 19. März 2017, Washington DC.

Highlights

CME-Highlight: EKG Intensivkurs

Anhand von 108 EKG-Fällen können Sie Ihre Kenntnisse zum EKG in diesem Kurs vertiefen und 12 CME-Punkte sammeln. Es gibt 3 Schwierigkeitsstufen, von Standard bis anspruchsvoll.

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Wie viel Schlaf ist ideal fürs Herz?

Zu wenig Schlaf kann das Risiko erhöhen, an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben. Aber auch zu viel davon kann dem Herzen schaden, legt eine neue Studie nahe. Jedenfalls sollte man es nicht verschlafen, diesen Risikofaktor zu berücksichtigen.

Intraoperative TEE bei Bypass-OP scheint sich zu lohnen

Der Einsatz der transösophagealen Echokardiografie (TEE) zur intraoperativen Diagnostik bei koronaren Bypass-Operationen scheint sich in prognostischer Hinsicht zu lohnen, wie Ergebnisse einer großen US-Studie nahelegen.

Schon ein Prädiabetes könnte dem Herzen schaden

Lange Zeit galt ein Prädiabetes als unproblematisch. Diese Einstellung ändert sich zunehmend. Und nun legt eine Studie nahe, dass bereits Diabetes-Vorstufen ein Risiko für kardiale Komplikationen bergen könnten.

Aus der Kardiothek

Status quo DMP KHK/Herzinsuffizienz – was Sie wissen müssen

Die Anforderungsrichtlinie für das Disease Management Programm (DMP) wurde gerade erst aktualisiert. Dr. Martin Dürsch erklärt, was es mit den Änderungen auf sich hat und wie sich die DMP Herzinsuffizienz im Alltag umsetzen lässt.

Herzinsuffizienz und SGLT2: Wann, Wen, Wie?

SGLT2-Inhibitoren sind inzwischen für die Herzinsuffizienz-Therapie zugelassen. Anhand von Fallbeispielen erläutert Prof. Christoph Liebetrau, wie man diese Medikamente im Alltag einsetzen kann, und was dabei zu beachten ist.

Diabetes mellitus 1, 2 oder was anderes – wie sich die Patienten unterscheiden lassen

Neben Typ 1- und Typ 2 –Diabetes gibt es noch andere Einteilungen für Diabeteserkrankungen. Dr. Patricia Zaharia gibt Aufschluss, wie sich die Patienten unterscheiden lassen und welche Einteilungen wirklich Sinn machen.

EKG Training/© fotolia / Sergey Nivens
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org