Nachrichten 30.03.2021

Nach Herzinfarkt: Lange Arbeitszeiten begünstigen Reinfarkte

Wer sich als Patient mit überstandenem Myokardinfarkt nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz auf Dauer lange wöchentliche Arbeitszeiten zumutet, riskiert den nächsten Herzinfarkt, legen Ergebnisse einer prospektiven Studie aus Kanada nahe.

Dass ein dauerhaft hohes Arbeitspensum mit langen Arbeitszeiten eine kardiale Belastung darstellt und mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko einhergeht, ist in Studien wiederholt gezeigt worden. Da liegt die Annahme nahe, dass eine überdurchschnittliche Arbeitsbelastung bei kardial vorbelasteten Menschen, die bereits einen Myokardinfarkt erlitten haben, erst recht eine Gefahr für die Herzgesundheit ist.

Kaum überraschend bestätigt nun eine Studie kanadischer Untersucher um Dr. Xavier Trudel vom Québec-Laval University Research Centre in Quebec City einen solchen Zusammenhang erstmals anhand von epidemiologischen Daten.

Reinfarkt-Risiko relativ um 67% höher

Aus ihrer Analyse geht hervor, dass Menschen mit durchgemachtem Myokardinfarkt, die nach Wiederaufnahme ihrer beruflichen Tätigkeit wöchentlich mehr als 55 Stunden arbeiteten, ein relativ um 67% höheres Risiko für ein erneutes Koronarereignis hatten als Menschen mit normaler Arbeitszeit von 35 bis 40 Stunden pro Woche (Hazard Ratio: 1,67; 95% Konfidenzintervall: 1,10 – 2,53). Ab einem über 40 Stunden hinausgehenden Arbeitspensum stellten die Untersucher eine lineare Beziehung zwischen Wochenarbeitszeit und koronarem Risiko fest.

Am höchsten war das Risiko, wenn die Arbeitstätigkeit nicht nur von langer Dauer war, sondern auch noch als sehr belastend („job strain“) empfunden wurde (Hazard Ratio: 2,55, 95% Konfidenzintervall: 1,30 - 4,98). Bei ihrem Analysemodell haben die kanadischen Forscher auf andere mögliche Einflussfaktoren wie soziodemografische und Lebensstil-bezogene Faktoren, klinische Risikofaktoren und persönlichkeitsbezogene Faktoren adjustiert.

Jeder Fünfte mit koronarem Rezidivereignis

Grundlage der prospektiven Studie bildeten Daten von 967 Männer und Frauen im Alter zwischen 35 und 59 aus der kanadischen Provinz Quebec, die nach einem erstmaligen Herzinfarkt wieder ins Berufsleben zurückgekehrt waren. Innerhalb einer Follow-up-Periode von im Mittel 5,9 Jahren war bei 205 Studienteilnehmern (21,2%) ein erneutes Koronarereignis (tödliches KHK-Ereignis, nicht-tödlicher Herzinfarkt, instabile Angina pectoris) aufgetreten.

Die Gruppe um Trudel hat bei ihrer Analyse die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit, die einmalig etwa sechs Wochen nach Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit bei den Teilnehmern ermittelt wurde, in Beziehung zur Häufigkeit entsprechender Koronarereignisse gesetzt. Auf Basis der Wochenarbeitszeit wurden die Teilnehmer vier Gruppen zugeordnet, die zwischen 21 und 34 Stunden, zwischen 35 und 40 Stunden, zwischen 41 und 54 Stunden oder mehr als 55 Stunden pro Woche arbeiteten.

In der Subgruppe mit dem relativ höchsten wöchentlichen Arbeitspensum waren überwiegend Männer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren vertreten. Der Anteil an Frauen unter den Studienteilnehmern war mit rund 10% sehr gering, was die Generalisierbarkeit der Studienergebnisse einschränkt.

Literatur

Trudel X. et al.: Long Working Hours and Risk of Recurrent Coronary Events. J Am Coll Cardiol 2021; 77: 1616–1625

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Elektrokardiogramm/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardiale Computertomografie/© S. Achenbach (Medizinische Klinik 2 des Universitätsklinikums Erlangen)
Röntgen-Thorax/© PD Dr. med. Katharina Schöne, MediClinHerzzentrum Coswig