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14.03.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

ACC 2017: Erektile Dysfunktion

Nach Herzinfarkt: ED-Therapie ist sicher, vielleicht sogar prognostisch günstig

Autor:
Peter Overbeck

Männer, die nach einem Myokardinfarkt wegen erektiler Dysfunktion einen PDE5-Hemmer wie Sildenafil einnehmen, müssen sich wohl nicht sorgen, dass sich dadurch ihr kardiovaskuläres Risiko erhöht. Einer Analyse schwedischer Registerdaten zufolge scheint ihr Risiko sogar eher niedriger zu sein.

Erektile Dysfunktion (ED) geht mit einem erhöhten Risiko für die künftige Entwicklung von kardiovaskulären Erkrankungen einher. Über die prognostische Bedeutung  der ED bei Männern mit bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung  ist hingegen bislang wenig bekannt. Schwedische Untersucher sind dieser Frage deshalb in einer Studie bei Männer mit erstmalig aufgetretenem Myokardinfarkt nachgegangen. Ausgangshypothese war, dass eine medikamentös behandelte ED nach Herzinfarkt mit einer erhöhten Mortalität assoziiert sein würde. Das Gegenteil kam dann zum Vorschein.

Für ihre Studie hat die Untersuchergruppe um Dr. Daniel Andersson vom Karolinska Institut in Stockholm landesweit erhobene Registerdaten von 43.145 Männern im Alter unter 80 Jahren ausgewertet, die zwischen 2007 und 2013 wegen eines erstmals aufgetretenen akuten Myokardinfarktes in schwedischen Kliniken stationär behandelt worden waren. Informationen zur  Studie, die am 17. März beim Kongress des American College of Cardiology (ACC) in Washington DC vorgestellt wird, hat Anderson der Presse bereits im Vorfeld im Rahmen eines „Web Briefing“ geliefert.

Sterberisiko mit ED-Medikation um 33% niedriger

Anhand von Verordnungsdaten stellten die Untersucher fest, dass 7,1% aller analysierten Männer in den ersten drei Jahren nach ihrem Herzinfarkt Medikamente zur Behandlung einer ED erhalten hatten. Eine für diverse Risikofaktoren adjustierte Analyse ergab, dass diese Männer im Follow-up-Zeitraum nicht etwa ein höheres, sondern ein relativ um 33% niedrigeres Sterberisiko hatten als Männer ohne ED-Medikation. Das Risiko, wegen Herzinsuffizienz in eine Klinik eingewiesen zu werden, war bei Infarktpatienten mit ED-Therapie sogar relativ um 40% niedriger. Eine Assoziation mit dem Risiko für Herzinfarkte bestand hingegen nicht.

Die meisten Männer mit ED-Medikation (92%) hatten PDE5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) erhalten, nur eine Minderheit bekam Alprostadil verordnet (8,3%). Die Assoziation mit einer niedrigeren Mortalität war nur für die PDE5-Hemmer, nicht aber für das über andere Mechanismen wirksame Alprostadil nachweisbar.

Andersson und seine Kollegen stießen bei ihrer Analyse auch auf eine Art  Dosis/Wirkung-Beziehung: Je höher die Zahl der Abgaben von ED-Medikamenten, desto niedriger war das damit assoziierte  Sterberisiko im Vergleich zur Alprostadil-Verordnung.

Fragliche Kausalität

Diese Ergebnisse sind sicher kein Grund, allen Männern mit  Herzinfarkt künftig PDE5-Hemmer zur Sekundärprävention zu verordnen. Das retrospektive Design der Studie verunmöglicht es, Schlussfolgerungen zur kausalen Beziehung zwischen ED-Medikation und Mortalität zu ziehen. Auch Andersson mahnte zur Vorsicht bei der Interpretation der Studie. Er sieht eine mögliche Erklärung für die gezeigte Assoziation darin, dass die Einnahme von PDE5-Hemmern ein Marker für ein aktives Sexualleben und damit für einen relativ guten Gesundheitszustand männlicher Infarktpatienten ist.

Auch ist davon auszugehen, dass Infarktpatienten mit PDE5-Hemmer-Verordnung wohl keine Nitrate wegen belastender Angina-pectoris-Beschwerden eingenommen haben – ansonsten wären PDE5-Hemmer ja kontraindiziert gewesen. Auch das lässt auf einen relativ guten Gesundheitszustand schließen.

Gefühl der Sicherheit gestärkt

Ungeachtet der ungeklärten Frage der Kausalität können die Studienergebnisse der Gruppe um Andersson aber zumindest dazu beitragen, dass sich Ärzte, die einem älteren Postinfarkt-Patienten auf dessen Wunsch hin wegen ED einen PDE5-Hemmer verschreiben, dabei künftig sicherer fühlen können.

Literatur