Nachrichten 22.03.2021

Erhöhtes KHK-Risiko bei posttraumatischen Belastungsstörungen – auch für Frauen

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) können mit einem erhöhten KHK-Risiko einhergehen. Das wurde bisher vor allem an männlichen Kohorten untersucht – jetzt legt eine neue Studie nahe, dass es auch für Frauen gilt, besonders für jüngere.

In überwiegend männlichen Kohorten gehen PTBS mit einem erhöhten Risiko für eine koronare Herzkrankheit (KHK) einher. Ob das auch für Frauen gilt, wurde bisher kaum erforscht. Da die Anzahl weiblicher Soldatinnen stetig zunimmt und der Beruf mit hohen Raten an Traumaerfahrungen verbunden ist, wurde in einer neuen Studie untersucht, ob PTBS bei Veteraninnen mit einem erhöhten Risiko für eine KHK assoziiert sind.

In die Längsschnittstudie wurden fast 400.000 Veteraninnen einbezogen, darunter knapp 133.000 mit PTBS. Sie wurden 1:2 mit den Frauen ohne PTBS gematcht, um das Risiko für eine KHK vergleichen zu können. Dazu zählten neu aufgetretene koronare Herzkrankheit, Angina pectoris oder Myokardinfarkt. Die Forscher um Dr. Ramin Ebrahimi von der Universität von Kalifornien in Los Angeles verwendeten dafür Daten aus elektronischen Patientenakten der National Veterans Health Administration.

Risiko für KHK um 44% erhöht

Während der der medianen Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren entwickelten 3% der Veteraninnen mit PTBS und 2% der Kontrollpersonen eine KHK. Den Berechnungen der Forscher zufolge war PTBS signifikant mit einem um 44% erhöhten Risiko für das Entwickeln einer KHK assoziiert, verglichen mit Personen ohne PTBS. Alterstratifizierte Analysen zeigten, dass die Assoziation bei Frauen unter 40 Jahren mit einem um 72% erhöhten Risiko am stärksten war.

„Angesichts der wachsenden Anzahl weiblicher Veteranen ist es wichtig, die gesundheitlichen Bedürfnisse dieser relativ jungen Population zu berücksichtigen. Unsere Ergebnisse können wichtige Auswirkungen auf die frühere und konsequentere Bewertung, Überwachung und das Management von Risikofaktoren für KHK bei Veteraninnen haben“, so Ebrahimi und Kollegen. Die Ergebnisse legen nahe, dass Ärzte ein routinemäßiges, früheres Screening auf kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen mit PTBS in Betracht ziehen sollten, schließen sie.

Jüngere Risikopatienten nicht übersehen

„Diese Ergebnisse sind eine wichtige Erweiterung der bisherigen Forschung und stellen die bislang größte Studie mit Veteraninnen dar. Sie ähneln den Befunden früherer Studien mit Männern und Zivilisten“, so Dr. Beth Cohen vom Health Care System für Veteranen in San Francisco. Eine Stärke sei die Untersuchung des altersspezifischen Risikos: Die Erkenntnis, dass das kardiovaskuläre Risiko bei den Jüngeren am größten gewesen sei, könne insofern für die Praxis wichtig sein, dass auf diese Patientengruppe mehr geachtet werden sollte.

Eine Einschränkung sei, dass die Art des erlebten Traumas, die Schwere der PTBS-Symptome oder ihr chronischer Verlauf nicht erfasst worden seien, gibt Cohen zu bedenken. Trotzdem zeige die Studie die Bedeutung von PTBS für die Gesundheit von Veteraninnen und dass Bemühungen erforderlich seien, ihr kardiovaskuläres Risiko zu reduzieren.

Literatur

Ebrahimi R et al. Association of Posttraumatic Stress Disorder and Incident Ischemic Heart Disease in Women Veterans. JAMA Cardiology 2021. https://doi.org/10.1001/jamacardio.2021.0227

Cohen B. Exploring Posttraumatic Stress Disorder as a Cardiovascular Risk Factor in Women Veterans. The Heart of the Matter. JAMA Cardiology 2021. https://doi.org/10.1001/jamacardio.2021.0236
 



 


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