Nachrichten 14.03.2019

Mehr Herzinfarkte durch steigende Temperaturen

Das Risiko aufgrund höherer Temperaturen einen Herzinfarkt zu bekommen, ist in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen. Bezüglich Kälte hat sich es sich kaum verändert. Das ergab eine aktuelle Studie.

Vor Kurzem deutete eine Studie darauf hin, dass durch den Klimawandel möglicherweise mehr Kinder mit Herzfehlern geboren werden. Jetzt untersuchten Forscher auch den Zusammenhang zwischen Hitze und Herzinfarkten. Dass extreme Temperaturen das menschliche Herz-Kreislauf-System beeinflussen, wurde bereits gezeigt. Wissenschaftler um Dr. Kai Chen vom Helmholtz Zentrum München wollten herausfinden, ob sich das Herzinfarktrisiko durch starke Temperaturschwankungen im Laufe der Jahre verändert hat.

Menschen mit Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten anfällig

Für die Studie werteten sie Daten des Augsburger Herzinfarktregisters aus. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei rund 63 Jahren, 73% waren männlich. Von über 27 000 Myokardinfarkten von 1987 bis 2014 endeten über 13 000 tödlich. Zusätzlich wurden meteorologischen Daten berücksichtigt: Jeweils von dem Tag, an dem ein Infarkt stattgefunden hatte, und vom vorherigen Tag. Dann verglichen die Forscher die Ergebnisse aus dem Zeitraum von 1987 bis 2000 mit denen von 2001 bis 2014.

„Über den Zeitraum von 28 Jahren konnten wir ein in den letzten Jahren erhöhtes, hitzeinduziertes Herzinfarktrisiko feststellen“, so Erstautor Chen in einer Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München. Im Zeitraum von 2001 bis 2014 war dieses Risiko signifikant höher als im Zeitraum von 1987 bis 2000. Das Risiko für kältebezogene Herzinfarkte stieg dagegen nicht signifikant an. Die Studienautoren fanden zudem heraus, dass besonders Menschen mit Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten anfällig für hitzebezogene Herzinfarkte sind.

Bewusstsein für klimabedingte Herzinfarkte nötig

Auch für gesunde Menschen ist das Risiko für Herzinfarkte durch Hitzebelastung in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen, legen die Studienergebnisse nahe. Nach Ansicht der Autoren sollte Hitze als potentieller Auslöser für Infarkte deshalb berücksichtigt werden, besonders in Hinblick auf die globale Erwärmung. Sie vermuten, dass kältebezogene Herzinfarkte seltener werden. Trotzdem können nach wie vor auch niedrige Temperaturen einen Myokardinfarkt auslösen.

Literatur

Chen K et al. Temporal variations in the triggering of myocardial infarction by air temperature in Augsburg, Germany, 1987–2014. European Heart Journal 2019. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz116

Pressemitteilung Helmholtz Zentrum München: Klimawandel: Steigendes Herzinfarktrisiko durch Hitze. 12.03.19.

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