Nachrichten 18.12.2019

Studie mit 1,7 Millionen Menschen: Begünstigen Arbeitsstress und schlechte Bezahlung Herzerkrankungen?

Die Assoziation von geringem Bildungsstand und erhöhtem kardiovaskulären Risiko scheint teilweise auf hohe Arbeitsbelastung und geringes Einkommen zurückzuführen zu sein, zeigt eine landesweite Studie aus Dänemark.

In der dänischen Studie war ein niedriger Bildungsstand mit einem höheren Risiko assoziiert, kardiovaskuläre Erkrankungen zu bekommen oder daran zu sterben. Ein weiteres Ergebnis der Analyse war, dass geringes Einkommen und Stress bei der Arbeit 21% bis 54% des erhöhten kardiovaskulären Risikos ausmachen könnten – sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Personen, die zu Beginn der Studie bereits Herz-Kreislauf- oder metabolische Erkrankungen hatten.

Die Forscher um Dr. Elisabeth Framke vom Nationalen Forschungszentrum für Arbeitsumgebungen in Kopenhagen analysierten dafür die Daten von fast 1,7 Millionen Dänen über einen Zeitraum von 14 Jahren. Davon waren rund 1.638.000 Personen zu Studienbeginn gesund, während rund 42.000 Teilnehmer bereits kardiovaskuläre Erkrankungen oder Diabetes hatten. Nach Ablauf des Beobachtungszeitraums untersuchte das Forscherteam, wer kardiovaskulär erkrankt oder an der Erkrankung gestorben war.

Adjustierung auf Einkommen und Arbeitsbelastung ergab verringertes Risiko

Ihr Ergebnis: Gesunde Menschen mit niedrigem Bildungsstand hatten ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen als Personen mit mehr Bildung. Bei weniger gebildeten Männern war es 1,62-fach höher, bei den weniger gebildeten Frauen 1,66-fach. In absoluten Zahlen würden von 10.000 Männern mit geringer Bildung innerhalb eines Jahres 61 eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickeln, von 10.000 gebildeten Männern dagegen nur 34. Bei 10.000 Frauen mit niedrigem Bildungsstand wären es 34 Erkrankungen, bei 10.000 Frauen mit höherer Bildung nur 16.

Darüber hinaus interessierten die Forscher das Jahreseinkommen und die Arbeitsbelastung der Teilnehmer. Einen stressigen Job definierten sie als eine Aufgabe mit hohen psychologischen Anforderungen, aber gleichzeitig wenig Kontrolle über die Abläufe. „Durch Herausrechnen von Einkommen und Arbeitsbelastung verringerte sich das erhöhte Risiko bei Menschen mit niedriger Bildung etwas. Bei Männern war es nur noch 1,46-fach erhöht, bei Frauen 1,53-fach“, erläuterte Framke in einer Pressemitteilung der Europäischen Kardiologiegesellschaft (ESC). Das entspricht einer Reduktion von 25% bei Männern und 21% bei Frauen.

Höhere Mortalitätsrate bei Menschen mit geringer Bildung

Ähnlich war es bei Menschen, die zu Studienbeginn bereits kardiovaskuläre Erkrankungen oder Diabetes hatten. Männer und Frauen mit geringer Bildung hatten ein 1,52-fach und 2,18-fach höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben als Männer und Frauen mit hohem Bildungsniveau. Wurden die Faktoren Einkommen und Arbeitsbelastung angepasst, senkte dies das Risiko auf ein 1,24-fach erhöhtes Risiko bei Männern und auf ein 1,79-fach erhöhtes Risiko bei Frauen. Das entspricht einer Reduktion von 54% bei Männern und 33% bei Frauen.

 „Unsere Interpretation dieser Ergebnisse ist, dass niedriges Einkommen und hohe Arbeitsbelastung eine Rolle dabei spielen können, wie sich ein niedriges Bildungsniveau auf das Risiko auswirkt, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken oder daran zu sterben - aber dass gleichzeitig auch ein erheblicher Teil davon unabhängig von Einkommen und Arbeitsstress ist“, so Framke. Trotzdem könne sowohl ein höheres Einkommen als auch weniger Arbeitsbelastung dazu beitragen, das erhöhte kardiovaskuläre Risiko weniger gebildeter Menschen zu verringern.

Eine Stärke der Studie ist, dass sie sämtliche dänischen Arbeitnehmer zwischen 30 und 59 Jahren berücksichtigt. Durch das 14-jährige Follow-up und jährlich aktualisierte Informationen bezüglich Bildung, Einkommen, Arbeitsbelastung, Krankheiten und Todesfällen beruht sie auf einer breiten Datenbasis. Trotzdem kann sie lediglich eine Assoziation zwischen Bildung, niedrigem Einkommen, Arbeitsbelastung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen und noch keine Ursächlichkeit beweisen.

Literatur

Framke E et al. Contribution of income and job strain to the association between education and cardiovascular disease in 1.6 million Danish employeesEuropean Heart Journal 2019. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz870

ESC-Pressemitteilung: Low income and work stress contribute to link between education, heart disease and stroke. 17.12.2019.

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Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018