Nachrichten 25.03.2022

Wie viel Kaffee ist gut fürs Herz?

Gute Nachrichten für Kaffeetrinker liefern drei Studien, die im Rahmen der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) vorgestellt werden. Kaffee hat ihnen zufolge kardiovaskulär günstige Effekte, die mit der täglich konsumierten Menge variieren.

Es gibt immer noch Vorbehalte, dass das Trinken von Kaffee Arrhythmien begünstigen könnte. Drei große Studien, deren Ergebnisse im Rahmen des ACC-Kongresses nächste Woche vorgestellt werden, sprechen dagegen. Die Kernpunkte der Studien wurden jetzt schon in einer Pressemitteilung verkündet. Und sie legen nahe, dass Kaffeekonsum bei vielen Menschen mit einem reduzierten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und einem verringerten Sterberisiko einhergeht – darunter Personen mit und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für die Studien nutzten Prof. Peter Kistler vom Baker Heart Institute in Melbourne und sein Team Daten der UK Biobank. Die Probanden hatten bei der Aufnahme in das Register Angaben zu ihrem täglichen Kaffeekonsum gemacht und waren mindestens zehn Jahre nachbeobachtet worden. Die Forschenden gruppierten sie nach der Menge des täglich konsumierten Kaffees: keine, weniger als eine, eine, zwei bis drei, vier bis fünf und mehr als fünf Tassen. Anschließen untersuchten sie Assoziationen mit Arrhythmien, koronaren Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz, Schlaganfällen, kardiovaskulär bedingten Todesfällen und Todesfällen insgesamt.

Die Mediziner fanden heraus, dass der Kaffeekonsum entweder keinen Effekt auf das Herz hatte oder in vielen Fällen mit einem signifikant reduzierten kardiovaskulären Risiko einherging, auch nach Adjustierung auf Bewegung, Rauchstatus, Alkoholkonsum, Diabetes und Bluthochdruck.

Größter Nutzen bei zwei bis drei Tassen täglich

In die erste Studie wurden mehr als 382.000 Personen ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen einbezogen, median 57 Jahre alt. Über zehn Jahre beobachteten die Forschenden den größten kardiovaskulären Nutzen bei denen, die zwei bis drei Tassen Kaffee täglich tranken: Sie hatten ein um 10% bis 15% geringeres Risiko für das Auftreten von koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Arrhythmien oder Tod aller Ursachen. Das niedrigste Risiko für einen Schlaganfall oder kardiovaskulär bedingten Tod wiesen die Probanden auf, die eine Tasse Kaffee pro Tag tranken.

Für die zweite Studie berücksichtigten die Mediziner gut 34.000 Personen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen. Auch bei diesen ging das Trinken von zwei bis drei Tassen Kaffee täglich mit einem geringeren Sterberisiko einher als Kaffeeverzicht. Keine der konsumierten Kaffeemengen war mit einem erhöhten Risiko für Arrhythmien assoziiert. Im Gegenteil: Bei den rund 24.000 Probanden mit Arrhythmien zu Studienbeginn korrelierte Kaffeekonsum mit einem verminderten Sterberisiko. Schon bei einer Tasse täglich beobachtete das Forscherteam einen deutlichen positiven Effekt.

In der dritten Studie wurde untersucht, ob es auf die Art des Kaffees ankommt. Ob er gemahlen oder löslich war, war nicht entscheidend – in beiden Fällen gingen zwei bis drei Tassen täglich mit dem niedrigsten Risiko für Arrhythmien, Thrombosen in den Koronararterien, Herzinsuffizienz und Schlaganfälle einher. Entkoffeinierter Kaffee schien das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zu reduzieren, das galt jedoch nicht für Herzinsuffizienz und Arrhythmien. Alle Arten von Kaffee waren mit einem verminderten Sterberisiko assoziiert. Laut Kistler et al. hat entkoffeinierter Kaffee gegenüber koffeinhaltigem keine kardiovaskulären Vorteile, sodass koffeinhaltiger vorzuziehen sei.

Verschiedene Mechanismen könnten beteiligt sein

Ursächlich für die günstigen Effekte könnten den Forschenden zufolge mehrere Mechanismen sein. „Verschiedene Inhaltsstoffe von Kaffee können helfen, oxidativen Stress und Entzündungen zu reduzieren, die Insulinsensitivität zu verbessern, den Stoffwechsel anzukurbeln, die Aufnahme von Fett im Darm zu hemmen und Rezeptoren zu blockieren, von denen bekannt ist, dass sie an abnormen Herzrhythmen beteiligt sind“, erklärt Kistler in einer ACC-Pressemitteilung.

„Die Studie zeigt, dass regelmäßiges Kaffeetrinken harmlos ist und Teil einer gesunden Ernährung für Menschen mit und ohne Herzerkrankungen sein könnte“, lautet das Fazit von Kistler und Kollegen. Obwohl zwei bis drei Tassen täglich den größten Nutzen gezeigt haben, raten sie davon ab, dass Menschen ihren Kaffeekonsum erhöhen, insbesondere, wenn sie sich dadurch ängstlich oder unwohl fühlen. Limitationen der Studie sind, dass die Daten auf Eigenangaben beruhen und die Ernährung der Probanden insgesamt nicht berücksichtigt werden konnte.

Literatur

„Effects of Habitual Coffee Consumption on Incident Cardiovascular Disease, Arrhythmia, and Mortality: Findings from UK BioBank“, „Regular Coffee Intake is Associated with Improved Mortality in Prevalent Cardiovascular Disease“, „Ground, Instant, or Decaffeinated Coffee? Impact of Different Coffee Subtypes on Incident Arrhythmia, Cardiovascular Disease and Mortality“, vorgestellt beim Kongress des American College of Cardiology (ACC), 2. bis 4. April 2022 in Washington.

ACC-Pressemitteilung: Good News for Coffee Lovers: Daily Coffee May Benefit the Heart, veröffentlicht am 24.03.2022.

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