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24.01.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Kardiovaskuläres Risiko

Prognostische Bedeutung von TMAO weiter untermauert

Autor:
Philipp Grätzel

Drei Kohorten mit KHK-Patienten zeigen erneut, dass bei hohen Trimethylamin-N-Oxid- (TMAO)-Konzentrationen im Serum von Gefäßpatienten das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht ist. Ob sich das auch therapeutisch nutzen lässt?

Die neuesten Hinweise für eine prognostische Bedeutung von TMAO für Gefäßpatienten liefert eine Publikation im European Heart Journal, in der zwei Kohorten untersucht wurden, eine aus Cleveland, USA, und eine aus Zürich. Die Cleveland-Kohorte umfasste 530 Patienten, die mit vom aufnehmenden Arzt als wahrscheinlich kardial angesehenen Brustschmerzen in der Notaufnahme vorstellig wurden. Die Zürich-Kohorte dagegen bestand aus 1.683 Patienten mit akutem Koronarsyndrom, bei denen eine Koronarangiografie erfolgte.

Erhöhtes Sterberisiko auch im Langzeitverlauf

Wie in anderen Studien wurden die TMAO-Serumspiegel in Quartilen eingeteilt. In der Cleveland-Kohorte hatten Patienten in der vierten Quartile einen TMAO-Spiegel von über 7,9 µmol/l. 49,6% bzw. 53,4% dieser Patienten hatten innerhalb von 30 Tagen bzw. sechs Monaten ein schweres kardiovaskuläres Ereignis (MACE), gegenüber 30,1 bzw. 31,6 % der Patienten in der ersten Quartile mit TMAO-Serumspiegeln unter 2,56 µmol/l. Das übersetzt sich in ein signifikant höheres relatives Ereignisrisiko (OR 2,29; p < 0,01).

Auch die 7-Jahres-Mortalität war in dieser Kohorte signifikant erhöht. Der Zusammenhang hielt nach einer Adjustierung für zahlreiche Störgrößen. Der TMAO-Spiegel sei also als unabhängiger Risikofaktor anzusehen, so die Autoren.

In der Schweizer Kohorte sind die Ergebnisse sehr ähnlich. Patienten in der untersten TMAO-Quartile hatten Serumspiegel von unter 1,93 µmol/l, in der obersten Quartile waren es über 4,85 µmol/l. Auch in diesem Fall war die MACE-Rate in der vierten Quartile signifikant erhöht, während Patienten in den anderen drei Quartilen nur geringe Unterschiede zeigten. Und auch hier blieb der Zusammenhang nach multivariater Analyse bestehen.

In der Zeitschrift „Clinical Chemistry“ berichten britische Experten schließlich noch über eine dritte, wiederum etwas anders gestrickte kardiale Patientenkohorte, in diesem Fall 1.079 Patienten nach akutem Myokardinfarkt. In diesem „sekundärpräventiven“ Setting sagten hohe TMAO-Werte nach dem Erstereignis erneute Myokardinfarkte oder Todesfälle über einen Zeitraum von zwei Jahren voraus, wobei das Risiko hier um etwa ein Fünftel erhöht war (HR 1,21; p = 0,023). Nicht prädiktiv war TMAO allerdings für erneute Myokardinfarkte oder Todesfälle innerhalb von sechs Monaten.

Einfluss auf Plaquegenese und/oder Blutplättchen?

Dazu, auf welchen Wegen TMAO als ein möglicherweise kausaler Risikofaktor das kardiovaskuläre Risiko erhöhen könnte, gibt es mehrere Theorien. Prinzipiell entsteht TMAO in der Leber aus Trimethylamin, das wiederum von Darmbakterien aus Cholin und Carnitin gebildet wird. Die TMAO-Spiegel korrelieren deswegen mit der Aufnahme von Eiern, Milch und rotem Fleisch. Experimentelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass TMAO an der Entwicklung atherosklerotischer Plaques beteiligt ist. Es ist außerdem mit Veränderungen in Makrophagen und in den Endothelzellen der Blutgefäße assoziiert. Auch die Blutplättchen könnten durch TMAO aktiviert werden.

Mehrere Arbeitsgruppen, darunter die aus Cleveland und Zürich, haben im Rahmen ihrer Studien hohe TMAO-Spiegel als unabhängige Risikofaktoren in existierende Scores für die Risikoprädiktion eingebaut und fanden jeweils retrospektiv, dass sich die Vorhersagekraft dadurch verbessern ließ.

Prospektive Evaluationen von Scores, die TMAO berücksichtigen, gibt es bisher nicht. Als denkbarer therapeutischer Ansatz im Zusammenhang mit TMAO gilt eine diätetische oder medikamentöse Beeinflussung des Mikrobioms dahingehend, dass im Darm weniger Trimethylamin gebildet wird.

Literatur

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