Nachrichten 14.07.2016

Radialiszugang für jegliche KHK-Populationen die bessere Wahl

Im Vergleich zu Arteria femoralis kristallisiert sich die Arteria radialis in einer Metaanalyse erneut als der sicherere Zugangsweg für Koronarangiografien und -interventionen heraus – und zwar für jegliche KHK-Patientenpopulationen. Wichtig ist jedoch, dass der Untersucher über eine ausreichende Expertise verfügt.

Der Radialiszugang gewinnt bei perkutanen Koronarinterventionen (PCI) gegenüber dem Femoraliszugang zunehmend die Überhand. Die Überlegenheit der Armarterie hat sich nun in einer Metaanalyse für jegliche KHK-Patientenpopulationen bestätigt: Egal ob akuter Myokardinfarkt (STEMI, NTSTEMI) oder stabile KHK, das Risiko für Patienten zu sterben oder Blutungskomplikationen zu erleiden sank signifikant, wenn die PCI via Arteria radialis vorgenommen wurde.

Studienlage präferiert Radialiszugang

Die aktuelle Metaanalyse der Arbeitsgruppe um Giuseppe Ferrante von der Humanitas Research Klinik in Rozzano/Italien bestätigt diesen Trend hin zu transradialen PCI. Insgesamt 24 randomisierten Studien mit 22.843 Patienten, bei denen eine Koronarangiografie mit anschließender PCI vorgenommen worden war, haben die Wissenschaftler hierfür analysiert. Mit über 8.000 Patienten machte die MATRIX-Studie von 2015 (http://www.kardiologie.org/pci-erhaelt-transradialer-gefaesszugang-endgueltig-prioritaet-/53262) den größten Anteil der Studienpopulation aus.

Blutungskomplikationen reduziert

In der Gesamtanalyse mit allen KHK-Patienten war die Gesamtsterblichkeit und MACE-Rate (Tod, Schlaganfall und Herzinfarkt) niedriger, wenn die A. radialis statt der A. femoralis als Zugangsweg gewählt wurde, mit einer entsprechenden relativen Risikoreduktion von 29% und 16% (Odds Ratio, OR: 0,71 und 0,84). Das Risiko für schwere Blutungen und Gefäßkomplikationen war um 47% und 77% reduziert; ebenso wie die Nettorate an unerwünschten Ereignissen (MACE und Blutungen, OR: 0,75). Die Myokardinfarkt- und Schlaganfallrate war in beiden Gruppen vergleichbar. 

Nach Berechnungen der Studienautoren würden somit zehn hämorrhagische Ereignisse und sechs Todesfälle weniger auftreten, wenn 1.000 Patienten eine transradiale statt einer transfemoralen PCI erhalten würden.

Alle Subgruppen profitierten vom Radialiszugang

Die Überlegenheit des Radialiszugang war auch in einzelnen Subgruppen differenziert nach stabiler KHK, NSTEMI und STEMI konsistent zu sehen, wobei Patienten mit stabiler KHK hinsichtlich schwerer Blutungskomplikationen mit einer Risikoreduktion von 76% mehr zu profitieren scheinen als NSTEMI- und STEMI-Patienten (OR: 0,71 und 0,51).

Aber: Lernkurve nötig

Allerdings scheint sich der Vorteil der transradialen gegenüber der transfemoralen PCI nur bei ausreichender Expertise der Untersucher herauszukristallisieren. In einer Subanalyse, in der nur die RIVAL- und MATRIX-Studie einbezogen wurden, fiel die Gesamtsterblichkeit und die Rate an schweren Blutungen nach transradialer PCI nur in Zentren mit hohen Fallzahlen geringer aus; in weniger erfahrenen Zentren zeigte sich die transfemorale PCI als gleichwertig. 

Zugangsweg der ersten Wahl

Die Ergebnisse der Metaanalyse würden die Radialisarterie als Zugangsweg der ersten Wahl für die Koronarangiografie mit anschließender PCI für das gesamte Spektrum der KHK-Patienten bestätigen, schlussfolgern die Studienautoren. Allerdings werde auch deutlich, wie wichtig es sei, spezielle Ausbildungsprogramme zu entwickeln, um die Effektivität der transradialen PCI weiter zu verbessern. 

Radialispunktion nicht immer möglich

Einschränkend gibt Dr. John Bittl vom Munroe Regional Medical Center in Ocala/Florida in einem begleitenden Editorial zu bedenken, dass die Punktion der A. radialis nicht für jeden Patienten und auch nicht für jeden Untersucher die ideale Strategie bedeuten muss - auch wenn diese Vorgehensweise einen großen Fortschritt darstelle. Grenzen seien etwa bei Patienten mit kleinen Radialarterien oder Patienten mit Dialysezugang an der oberen Extremität gesetzt. 

Literatur

Ferrante, G, Rao VS, Jüni P et al. Radial Versus Femoral Access for Coronary Interventions Across the Entire Spectrum of Patients With Coronary Artery Disease, A Meta-Analysis of Randomized Trials. J Am Coll Cardiol Intv. 2016:. doi:10.1016/j.jcin.2016.04.014

Bittl, JA. Why Radial Access is Better. J Am Coll Cardiol Intv. 2016; doi:10.1016/j.jcin.2016.05.026

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