Nachrichten 06.10.2016

Rascher Infarktausschluss mit hochsensitivem Troponintest

Bei der Schädigung von Herzmuskelzellen wird aus der Zellmembran Troponin freigesetzt. Mit hochsensitiven Bluttests für diesen Biomarker ist eine Herzinfarkt-Ausschlussdiagnose mittlerweile binnen einer Stunde möglich. Das hat auch Eingang in die Leitlinien „Akutes Koronarsyndrom und NSTEMI“ gefunden.

Seit der Entwicklung des Troponin-T-Assays durch Prof. Hugo Katus und Mitarbeiter im Jahr 1987 wurden die Testsysteme immer weiter optimiert und haben inzwischen eine Sensitivität und Spezifität erreicht, die den Ausschluss eines Herzinfarktes in der Praxis mit einem diagnostischen 1-Stunden-Algorithmus erlaubt: Liegen die Werte für Troponin T bei Verdacht auf Herzinfarkt zu Beginn und bei einer weiteren Messung eine Stunde später im unteren Normbereich (< 5 ng/l), kann ein akuter Herzinfarkt mit sehr hoher Sicherheit (negativer prädiktiver Wert: 99,7 bis 100 Prozent) ausgeschlossen und der Patient aus der Notaufnahme entlassen werden.

Das betrifft immerhin 25 bis 40 Prozent der Verdachtspatienten. Sie haben trotz Thoraxschmerz bei Troponin-T- oder I-Normwerten im unteren Bereich ein kurz- und mittelfristig sehr niedriges Mortalitätsrisiko, das nach 30 Tagen, 6 Monaten und 2 Jahren bei nur 0,1, 0,8 bzw. 1,2 Prozent liegt, erklärte Prof. Huogo Katus, Universitätsklinikum Heidelberg, auf einer Pressekonferenz im Rahmen der DGK-Herztage am 5. Oktober 2016 in Berlin.

Der leitliniengerechte Infarktausschluss auf Basis dieser Biomarkerwerte gilt allerdings nur, wenn die Messungen mit hochsensitiven Troponin-Assays wie T-Elecsys, Troponin I Architect oder Troponin I Dimension Vista durchgeführt werden.

Im Gegensatz dazu haben troponinpositive Patienten (der obere Grenzwert für Troponin T liegt derzeit bei 14 ng/l) nach wie vor eine höhere Herzinfarktrate und eine schlechtere Prognose: Wird der Grenzwert überschritten, dann beträgt die Mortalität nach 30 Tagen 2,7 und nach 2 Jahren 13 Prozent.

Allerdings senkt eine Koronarintervention bei NSTEMI-Patienten das Risiko für Tod und Myokardinfarkt nach einem Jahr um 39 Prozent, so Katus. Die Studiendaten zeigen aber auch, dass bereits bei Troponin T-Werten innerhalb des oberen Normbereichs (Troponin T 6 bis 12 ng/l) ein erhöhtes kardiales Risiko besteht, denn jede Troponinfreisetzung zeigt bei Patienten mit Thoraxschmerz – unabhängig von messbaren EKG-Änderungen – eine Myokardschädigung an, erklärte Katus.

Mithilfe der hochsensitiven Troponintests lassen sich im Vergleich zu normalen Troponintests bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom etwa 20 Prozent mehr Herzinfarkte detektieren. Von der Diagnostik dieser Mikroinfarkte können diese Patienten auch bei geringer Myokardschädigung hinsichtlich Überlebens- und Herzinfarktrate profitieren, wenn sie danach eine leitliniengerechte aggressive Plättchenhemmung erhalten.

Auf Basis der vorliegenden Daten stellt sich die Frage, ob es nicht an der Zeit ist, den hochsensitiven Troponinwert als direkten Marker einer Myokardschädigung in gängigen Herzinfarkt-Risikoscores zu verankern und dies auch in den Leitlinien zu berücksichtigen. Katus ist überzeugt davon, dass das nicht mehr lange dauern wird.

Literatur

DGK-Jahrespressekonferenz, im Rahmen der „DGK Herztage 2016, 5. Oktober 2016, Berlin

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