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01.09.2016 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Stent-Vergleich in randomisierter Studie

Revaskularisierung bei Venen-Bypass-Erkrankung: DES schlägt BMS

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Bei der Revaskularisation von degenerierten Venen-Bypässen führt ein Drug-eluting Stent (DES) zu besseren klinischen Ergebnissen als ein unbeschichteter Metallstent (Bare Metal Stents, BMS). Das belegen Daten der größten Studie zum direkten Vergleich der unterschiedlichen Stent-Typen bei Venen-Bypass-Erkrankung.

Die interventionelle Revaskularisation an venösen Bypassgefäßen ist aufgrund der unterschiedlichen Pathophysiologien nicht mit Interventionen an nativen Koronargefäßen zu vergleichen. Insbesondere die Gefahr der peripheren Embolisation und die hohe Restenoserate führen zu schlechteren Langzeitergebnissen als in nativen Koronargefäßen.

Deshalb sollte in der randomisierten BASKET-SAVAGE-Studie, an der insgesamt sechs Studienzentren in der Schweiz, Dänemark und Deutschland beteiligt waren, untersucht werden, ob DES oder BMS, jeweils in Kombination mit Embolie-Protektionssystemen und Glykoprotein IIb/IIIa-Inhibitoren, die bessere Option für die Revaskularisation sind.

Bis zu drei Jahre Follow-up

Hierfür wurden 173 Patienten mit interventionspflichtiger Venen-Bypass-Stenose 1:1 randomisiert und bis zu drei Jahre nachverfolgt. Bei 84 Patienten wurde ein BMS und bei 89 ein Paclitaxel-DES implantiert. Zudem kam bei 66 % aller Patienten ein Embolie-Protektionssystem zum Einsatz, und 74 % aller Patienten wurden parallel mit einem Glykoprotein IIb/IIIa-Inhibitor behandelt.

Insgesamt handelte es sich um ein Patientenkollektiv mit einem hohen Risiko bei einem Durchschnittsalter von 72 Jahren und einem Bypass-Alter von 13 Jahren. 90 % waren Männer und 63 % hatten schon einen Myokardinfarkt in der Vorgeschichte erlitten. Der Anteil an Diabetikern lag bei 44 %.

Als primärer Endpunkt wurden die „major adverse cardiac events“ (MACE) Herztod, nicht tödlicher Myokardinfakt und Re-Intervention im Zielgefäß nach 12 Monaten definiert. Sekundäre Endpunkte waren Stentthrombose, Blutung und das Langzeit-Follow-up nach 24, 36 und 60 Monaten.

Kardiovaskuläre Ereignisse signifikant verringert

Der primäre Endpunkt MACE trat nach 12 Monaten in der DES-Gruppe signifikant seltener auf als in der BMS-Gruppe (2 vs. 18 %; p < 0,001). Dieser deutliche Unterschied war hauptsächlich durch eine signifikant geringere Rate an erneuten Interventionen im Zielgefäß (0 vs. 12 %) und nicht tödlichen Myokardinfarkten (2,3 vs. 12 %) in der DES Gruppe bedingt.

Der Vorteil der DES-Therapie konnte in einer Subgruppe, welche bis zu drei Jahre nachverfolgt wurde, bestätigt werden (MACE-Rate: 12 % für DES vs. 30 % für BMS; p = 0,0012).

Die Autoren schlussfolgern aus diesen Ergebnissen, dass mit einer Kombination von DES, Embolie-Protektionssystemen und Glykoprotein IIb/IIIa-Inhibitoren in der Revaskularisation von venösen Bypass-Gefäßen ähnlich gute Ergebnisse erzielt werden können wie in nativen Koronargefäßen. DES sollten somit Standard bei Venen-Bypass-Erkrankung bleiben.

Studie wurde vorzeitigt beendet

Obwohl ein statistisch signifikanter Unterschied in der MACE-Rate erreicht wurde, musste die Studie vorzeitig beendet werden da, da die Rekrutierung nur schleppend verlief und die geplante Zahl von Patienten nicht erreicht werden konnte. Zwar handelt es sich dennoch um die größte Langzeitstudie zu dieser Thematik, jedoch ist die Zahl der eingeschlossenen Patienten, insbesondere im Langzeitverlauf, relativ gering. Das ist möglicherweise ein Grund dafür, dass die kardiale Mortalität in den beiden Gruppen nicht unterschiedlich war.

Aktuellste Studien mit modernen DES und BMS zeigen im Übrigen deutlich geringere MACE-Raten. Der in der BASKET-SAVAGE-Studie eingesetzte und für Gefäße mit großem Lumendurchmesser wie Venen-Bypässe geeignete Paclitaxel-DES ist inzwischen nicht mehr verfügbar. 


Der Autor, PD Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Literatur

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